Sprachen
„Eine fremde Zunge ist kein Rätsel, das man löst. Sie ist ein Haus; wer eintritt, muss merken, welche Türen nicht für ihn gebaut wurden.“ — Mikel Jakintasun-Etxea, Sprachgelehrter des Ordens der Lampe
Die Sprachlandschaft Alweidars folgt Wegen, Handel und Zugehörigkeiten, nicht bloß Grenzen auf einer Karte. Manche Menschen wachsen mit mehreren Sprachen auf, andere hören eine fremde Zunge nur an einem Markt oder von Reisenden. Verständigung gelingt häufig, vollkommenes Verstehen weit seltener.
Sprachen der bekannten Länder
| Sprache | Wo sie vor allem gebraucht wird | Was sie im Alltag trägt |
|---|---|---|
| Aus’Harringer | Auwharin und viele Handelswege | Stammesalltag, Handwerk und überregionale Verständigung |
| Argitarisch | argitarische Häuser, Kirche, Bildung und Verwaltung Auwharins | Lehre, Gottesdienst und formelle Korrespondenz |
| Lithigiella | Sidd und Regionen Erek Noans | Landschaft, Herden, Verwandtschaft und mündliche Überlieferung |
| Non’Gaudisch | die Jakintza und Auzo-Zirkel Non’Gaudens | Bildung, Forschung und die Sprache öffentlicher Ordnung |
| Cel Hushi | Küsten, Täler und Städte von Cel Atiz | Kunst, Beziehungen und die Sprache von Traum und Erinnerung |
Aus’Harringer und Argitarisch
Das Aus’Harringer verbindet die acht Stämme Auwharins und dient vielen Reisenden als Handelssprache. Seine regionalen Formen bewahren ältere Stammeswörter, besonders in Liedern, Bräuchen und handwerklichen Redensarten. Wer in einer Grenzregion aufwächst, kann Aus’Harringer neben einer anderen Sprache sprechen, ohne dies als besondere Begabung zu empfinden. Ihre Konsonantenhärte trägt noch den Klang alter Kriegslieder – „Dær windaz blāsiþ tōwarþ þæs waldasǭdarą“ rollt über die Zunge wie Donner über die Berge.
„Wenn mein Großvater in der alten Sprache von Wolfsthal sang, klangen die Worte wie der Wind über den See. Heute verstehen nicht einmal alle Ältesten die vollständigen Lieder. Bei der letzten Hwerfan-Mag musste der Stammesälteste von Bergheim zweimal innehalten, weil ihm die alten Worte für ‚Ahnenehre‘ und ‚Steinschild‘ nicht mehr einfielen.“ — Aus den Feldnotizen von Leif vom Stamme Wolfsthal, Stammeschronist
Argitarisch kam mit dem neunten Stamm nach Auwharin. Es prägt die Sprache der Himmlischen Heerscharen, vieler Lehrhäuser und formeller Texte. Beide Sprachen leben nicht getrennt: In Städten und gemischten Familien wechseln Menschen je nach Gegenüber, Anlass und Aufgabe zwischen ihnen.
Lithigiella
Unter dem Namen Lithigiella stehen die Sprachformen der Lithi. Sie sind eng an Orte, Jahreszeiten, Herden und die Beziehungen eines Sidd gebunden. Vieles wird mündlich bewahrt: durch Erzählung, Gespräch und Joik. Ein Wort, das am Küstenlager selbstverständlich ist, muss auf einer Hochlandroute nicht dieselbe Nähe haben. „Guovssahas čuovgá almmis, ja biegga lavllo duoddariid badjel“ – wer so spricht, spricht Wetter und Weg zugleich, denn im Lithigiella laufen Klang und Landschaft zusammen.
Lithi an den Grenzen sprechen oft auch Aus’Harringer. Das macht sie nicht zu Dolmetschern für alles. Gerade Begriffe für Erfahrung, Ort und Verwandtschaft lassen sich selten in ein einzelnes fremdes Wort übertragen.
Non’Gaudisch
Das Non’Gaudische ging aus dem Argitarischen hervor und wurde in Non’Gauden für Lehre und Forschung weitergeformt. Es schafft Begriffe für genaue Unterscheidungen und trägt die Namen der Jakintza in sich. Viele Non’Gaudener kennen daneben klassisches Argitarisch, besonders dort, wo sie mit älteren Texten arbeiten oder mit Auwharin verkehren.
Die Sprache ist kein bloßes Fachwerkzeug. Sie gehört ebenso zu den Auzo-Zirkeln, zur Ausbildung und zu den Formen, in denen Menschen über Entwicklung und Verantwortung sprechen.
Cel Hushi
Das Cel Hushi trägt regionale Varianten zwischen Küste und Inland. Es ist reich an Formen für Klang, Farbe, Stimmung und Beziehung; in Traumaufzeichnungen und Gesprächen kann der Ton ebenso viel bedeuten wie die Wörter. „Velthur svethuria raceth vathur acasri methlumne“ – die Worte gleiten wie Wasser über Stein, mehr Musik als Aussage. An den Küsten kommen Argitarisch und Non’Gaudisch als Handelssprachen hinzu, ohne das Cel Hushi zu ersetzen.
Wer einer Traumerzählung zuhört, sollte nicht vorschnell nach einer wortgleichen Übersetzung suchen. Oft ist der Zusammenhang, in dem eine Erinnerung geteilt wird, Teil der Aussage.
Die Sprache der Veyn
Von der Sprache Thalaven’dahrs sind vor allem Namen und vereinzelte Äußerungen aus Küstenbegegnungen bekannt. Die wenigen mit unmittelbarem Kontakt berichten von etwas Beunruhigenderem: Die Veyn sprachen zu ihnen in der eigenen Muttersprache des Hörers – nicht nur in den Worten, sondern mit allen ihren Eigenheiten, als lausche man der eigenen Stimme im Kopf. Berichte über die Veynun widersprechen einander. Es wäre daher vermessen, ihre Sprache nach den Kategorien der anderen Länder zu ordnen.
Kontaktzonen
Grenzplätze und Häfen schaffen eigene Gewohnheiten des Sprechens. In den nördlichen Grenzregionen vermitteln Aigijavrrit zwischen Lithi und Aus’Harringern. In Auwharin treffen Aus’Harringer und Argitarisch täglich aufeinander. Küstenstädte Cel Atiz’ bringen Händler und Reisende mit verschiedenen Sprachen zusammen.
Solche Kontakte erzeugen Lehnwörter, verkürzte Handelsformen und Mischungen im Gespräch. Sie ersetzen keine der beteiligten Sprachen. Ein Marktwort kann weit reisen, während die Worte für einen Schwur, eine Trauerzeit oder einen Traum bei der Gemeinschaft bleiben, die ihre Folgen trägt.
„Kuri-wahren Sprech-tung ist nicht seltsam, ist lebend – wie Fluss, nicht wie Stein.“ — ein Schankwirt in Grenzfeste, überliefert in „Stimmen der Grenze“
Manchmal entsteht Nähe auch ganz ohne Markt oder Grenze. Vor der zweiten Himmelsgleiche mehren sich Berichte von Kindern, die im Schlaf Worte sprechen, die ihnen niemand beigebracht hat – und einander doch verstehen, wenn sie erwachen.
„Die Kinder in meinem Dorf haben begonnen, im Schlaf in einer Sprache zu sprechen, die niemand kennt. Und doch verstehen sie sich gegenseitig, wenn sie erwachen und dieselben fremden Worte verwenden.“ — Brief eines besorgten Elternteils an den Orden des Spiegels
Sprache als Verantwortung
Rituelle Worte, Joiks, Gebete und Fachbegriffe gehören zu ihren jeweiligen Praktiken. Sie lassen sich lernen, aber nicht aus ihrem Zusammenhang herauslösen, ohne etwas zu verlieren. Wer auf Weraldiz eine fremde Sprache benutzt, zeigt damit nicht nur Bildung oder Handelstalent. Er zeigt auch, welche Beziehungen er eingehen darf und welche Grenzen andere setzen.