Der Aufstieg

Die wahre Natur des Aufstiegs

Der „Aufstieg“ war kein geistiges Ereignis, sondern ein koordiniertes Ritual zur Verbannung der nicht-menschlichen magischen Wesen von Weraldiz nach Barkuz. Es begründet die Weraldizische Zeitrechnung: Während der ersten Himmelsgleiche, als die Grenze zwischen den Welten durchlässig war, schufen die Argitari eine Barriere, die bis in die Gegenwart reicht.

Vorbereitung des Rituals (ca. 10–1 Jahre vor 1 WZ)

Dem Ritual gingen Jahre der Vorbereitung voraus. Die Argitari suchten Bündnisse mit Gemeinschaften, die unter bestimmten Wesen litten. In Auwharin arbeiteten sie mit den acht Aus’Harringer Stämmen; im Süden knüpften sie vorsichtige Verbindungen zu örtlichen Anführern. Im Norden fanden sie kaum Verbündete, denn die Bindung der Lithi an die Valvar reichte zu tief, um rasch zu brechen.

Zugleich erkundeten argitarische Kundschafter die Lebensräume und Grenzen der mächtigsten Wesen, suchten mögliche Verbündete und sammelten Wissen über unterschiedliche Banntechniken. Das blieb nicht verborgen. Lange bevor die Himmelsgleiche eintrat, wuchs der Widerstand gegen den Plan.

An Punkten magischer Macht wurden rituell vorbereitete Anlagen errichtet. Sie bildeten ein kontinentweites Netz resonanter Knotenpunkte; jede war auf andere Strömungen und Wesenarten abgestimmt. Von den meisten blieb nach dem Ritual kaum mehr als ein Fundament, eine ungewöhnliche Ausrichtung im Gelände oder ein Bauwerk, dessen Zweck niemand mehr kannte.

Die astronomische Berechnung verlangte äußerste Präzision. Die Argitari bestimmten den Augenblick der Ausrichtung, maßen die Strömungen zwischen Weraldiz und Barkuz und erprobten kleinere Rituale an abgelegenen Orten. Das Netz der Boten und Koordinierenden trug dabei eine Last, die sich über den ganzen Kontinent erstreckte.


Die Erste Himmelsgleiche (Jahr 1 WZ)

Die erste Himmelsgleiche vereinte die Himmelskörper in einer Ausrichtung, die nur alle 875 Jahre eintritt. Sie verstärkte die natürlichen Felder und machte die Grenze zwischen Weraldiz und Barkuz für kurze Zeit durchlässig genug, um einen Eingriff dieser Größe zu tragen.

Das Ritual verlief an Kraftpunkten über den gesamten Kontinent. Tausende handelten gleichzeitig in Kreisen unterschiedlicher Reichweite; Gesänge, Kristalle und seltene Stoffe banden die einzelnen Orte aneinander. Kein Beteiligter sah das Ganze. Erst die Gleichzeitigkeit machte aus vielen Handlungen eine Barriere.

Die Erschaffung der Barriere

Die Errichtung der Barriere verlief in fünf ineinandergreifenden Phasen:

  1. Initiierung: Die Knoten wurden in einer festgelegten Reihenfolge geweckt.
  2. Verstärkung: Natürliche Strömungen zwischen Weraldiz und Barkuz wurden gebündelt.
  3. Polarisierung: Der Fluss kehrte sich um und schuf einen Sog zur anderen Seite.
  4. Übertragung: Die magischen Wesen wurden nach Barkuz gerissen.
  5. Versiegelung: Entlang der Kraftlinien schloss sich die Barriere dauerhaft.

Das Netz blieb unvollständig. Einzelne Wesen entkamen, indem sie geschützte Orte aufsuchten, ihre Natur verhüllten oder sich in Stasis versetzten. Wechselwirkungen, die niemand vorausgesehen hatte, und die Sabotage durch Gegner rissen weitere Lücken.


Traumatische Ereignisse im Norden

Im Norden blieb der Konflikt nicht verborgen. Die Valvar erkannten die Absichten der Argitari, riefen ihre menschlichen Anhänger gegen sie auf und zwangen die Eindringlinge, die Verbannung vor den Augen ihrer Vasallen zu vollziehen. Danach kollabierten die nördlichen Stämme nahezu vollständig. Keine andere Region erlitt einen vergleichbaren Schaden; er bestimmte alles, was die Argitari anschließend zu tun glaubten.


Der zweite Eingriff (Jahr 1–5 WZ)

Was folgte, war nicht Teil der ursprünglichen Planung, sondern die Antwort auf ihr Scheitern. Um die Folgen des Aufstiegs beherrschbar zu machen, führten die Argitari ein zweites, ebenso monumentales Ritual durch: die Erschaffung des Schleiers des Vergessens. Er nahm den unmittelbaren Erinnerungen ihre Schärfe, ließ jedoch keine Welt zurück, die sich einfach in eine neue Geschichte fügen konnte.

Damit endet der Aufstieg als Ereignis und beginnt als Zustand: Von hier an ist die Geschichte von Weraldiz die Geschichte einer Welt, die nicht mehr weiß, was mit ihr geschehen ist.


Nachwirkungen und Entwicklungen

Die große Trennung (ca. 300 WZ)

Etwa 300 Jahre nach dem Aufstieg stießen argitarische Dissidenten auf Hinweise zur Natur von Barkuz und zur Verbannung. Ihre Forschung geriet in Konflikt mit der Ordensführung. Eine Gruppe Gleichgesinnter floh über die Innere See und gründete an ihrem Ostufer Non’Gauden, eine Gesellschaft, die Erkenntnis und Prüfung über religiöse Auslegung stellte.

Dort entwickelte sich die Lehre vom Höheren Selbst; die Jakintza wurden zu ihren Trägern. Mit ihnen begann die systematische Erforschung von Geistesformung und dimensionalen Phänomenen, deren Folgen bis zur nahenden zweiten Himmelsgleiche reichen.

Die Stille Zeit (ca. 300–800 WZ)

Die folgenden Jahrhunderte wirkten vergleichsweise ruhig. Kulturen fanden eigene Formen, Handelswege verdichteten sich, und diplomatische Beziehungen entstanden. Doch die Barriere und der Schleier ließen allmählich nach: In abgelegenen Gebieten kam es zu Durchbrüchen, einzelne Wesen wurden gesichtet, und Träume mit Bezug zu Barkuz häuften sich.

Im Süden entwickelten die Cel Hushi eine Gesellschaft, in der Traumarbeit und feine geistesformende Praxis besonderen Raum erhielten. Manche ihrer Erfahrungen berühren Muster, die einst auch den Traumsingern eigen waren.


Kampagnenelemente

Die drei Hauptwege

Weg der Isolation – Die Gruppe stärkt die Barriere, schützt gefährdete Orte und arbeitet womöglich mit den Gedächtnisträgern in Barkuz oder den Bewahrern unter den Vajal. Jede erfolgreiche Sicherung hält Menschen von einer Wahrheit fern, die sie zugleich vor unmittelbarer Gefahr bewahren kann.

Weg der Kontrolle – Die Gruppe versucht, die Himmelsgleiche als begrenztes Fenster zu nutzen: durch Zusammenarbeit mit dem Konsortium der Wissenden, selektive Öffnungen und Verhandlungen mit Wesen aus Barkuz. Der Reiz liegt in der Handlungsfähigkeit, die Gefahr in jeder Fehleinschätzung dessen, was sich kontrollieren lässt.

Weg der Transformation – Die Gruppe nimmt die Himmelsgleiche als Wandel an. Sie bereitet Menschen auf die Wahrheit vor und versucht, besonders im Norden alte Wunden zu heilen. Dabei muss sie einen Übergang tragen, der gesellschaftliche Gewissheiten zerreißt.

Ethische Dilemmata und narrative Themen

Wahrheit und Stabilität: War die Verbannung gerechtfertigt? Haben die Völker ein Recht auf ihre Geschichte, auch wenn ihre Offenlegung weitere Schäden anrichtet?

Verantwortung für vergangene Handlungen: Was schulden die heutigen Argitari und die Wächterorden für Entscheidungen, die lange vor ihrer Geburt getroffen wurden?

Sicherheit und Freiheit: Rechtfertigt die Gefahr mancher Wesen die fortgesetzte Isolation? Wer darf entscheiden, welche Kontakte Menschen eingehen und welche Stimme die Verbannten selbst erhalten?

Vergebung und Versöhnung: Kann nach fast einem Jahrtausend Trennung etwas geheilt werden, ohne die alten Wunden zu verleugnen? Und was unterscheidet persönliche von kollektiver Vergebung?