Schriftsysteme

„Ein Zeichen bewahrt nicht bloß ein Wort. Es bewahrt, wer es lesen darf und wofür es gesetzt wurde.“ — Irakasle Irati ez’Ezagutza-barne-bi

Auf Alweidar erfüllt Schrift sehr verschiedene Aufgaben. Sie hält Verträge und Chroniken fest, weist Wege, bewahrt Lieder und trägt Bilder durch die Zeit. Eine gemeinsame Schrift gibt es nicht. Wer ein Zeichen liest, liest immer auch etwas über die Gemeinschaft, die es gesetzt hat.

Die gebräuchlichen Systeme

System Gebrauch Kennzeichen Zeichenumfang
Nusotza Verwaltung, religiöse Texte, Briefe und Handel in Auwharin fließende argitarische Schrift, von links nach rechts geschrieben 28 Grundzeichen
Runōstabōz Markierungen, Handwerk, Erinnerung und rituelle Kontexte der Aus’Harringer kantige Runen für Holz, Stein und Metall 24 Grundsymbole
Anali-Idazkera Forschung, Lehre und technische Dokumentation in Non’Gauden klare Gliederung, mathematische und fachliche Notation fachgebietsabhängig
Govvadatčállin Wege, Genealogien, Trommeln, Orte und Erinnerungen der Lithi kreis- oder spiralförmig angeordnete Bildzeichen ohne einheitliche Leserichtung; Zeichengröße trägt Bedeutung etwa 100 Darstellungen
Svethuru Traumchroniken, Dichtung und künstlerische Arbeiten der Cel Hushi spiralförmig oder in Mandalas angeordnete organische Zeichen, aus verschiedenen Richtungen lesbar; Anordnung und Farbe mitbedeutend 36 Grundzeichen mit zahlreichen Variationen

Nusotza

Die Argitari brachten die Nusotza nach Auwharin. Sie ist dort Schrift der Kirche, der Verwaltung und vieler Lehrhäuser, wird aber auch von Kaufleuten und Handwerkern gebraucht. Ihre runden, verbundenen Formen eignen sich für rasches Schreiben ebenso wie für sorgfältige Abschriften. In Verträgen und im Handel über Grenzen hinweg ist sie häufig der gemeinsame Ausgangspunkt.

Kalligraphische Traditionen haben sich regional verschieden entwickelt: die praktische Aus’Harringer Kursive für den Alltag, die besonders deutliche argitarische Klarschrift für rechtliche und religiöse Texte, und die Händlerkurzschrift mit ihrem eigenen Abkürzungssystem.

Runōstabōz

Die alten Aus’Harringer-Runen sind dort zu Hause, wo Material und Ort zählen: an Werkzeugen, Grenzsteinen, Gebäuden und Gegenständen, die ihren Besitzer oder ihre Geschichte zeigen sollen. Die argitarische Schrift hat sie aus vielen alltäglichen Texten verdrängt, doch nicht aus dem Handwerk, der Erinnerung und den Alten Pfaden. Wer eine Rune setzt, kann damit einen Laut meinen, einen Namen markieren oder auf eine überlieferte Bedeutung verweisen.

Anali-Idazkera

Non’Gauden entwickelte die aus dem Argitarischen hervorgegangene Schrift für die Bedürfnisse seiner Jakintza weiter. Sie ordnet Begriffe, Messwerte, Randverweise und Formeln so, dass ein Versuch oder eine Schlussfolgerung nachvollziehbar bleiben. Ihre Varianten folgen den Fachgebieten, nicht einer Kunstschule; Schönheit ist ihr nicht fremd, aber der Lesbarkeit nachgeordnet.

Govvadatčállin

Die Lithi halten nicht jede Erinnerung als fortlaufenden Text fest. Ihre Zeichen erscheinen auf Trommeln, Leder, Holz und an Orten, an denen eine Geschichte, ein Weg oder eine Beziehung erinnert werden soll. Größe, Stellung und Umgebung eines Zeichens sind Teil seiner Aussage. Darum kann ein kundiger Sidd etwas lesen, das ein Fremder nur als Muster sieht.

Svethuru

Die Svethuru ist die jüngste Schrift Alweidars: Ihre ersten Zeichen entstanden im siebten Jahrhundert im Umkreis von Rasnal, als man begann, Traumreisen festzuhalten – erst nach der Freilegung des Eisnar Fanu. Sie bewahrt Traumaufzeichnungen, Verse und gemeinschaftliche Erinnerungen, ohne das Gesprochene bloß abzubilden. Linien, Farben und Anordnung tragen mit, wie etwas erlebt wurde. Nicht jeder Cel Hushi liest sie gleich, und gerade diese Offenheit gehört zu ihrem Gebrauch.

Wo Schrift Grenzen überschreitet

Auf Märkten und Handelswegen helfen vereinfachte Zeichen für Mengen, Herkunft und Waren. Solche Zeichen sind kein eigenes allgemeines Alphabet, sondern eine praktische Verständigung zwischen Menschen, die nicht dieselbe Sprache sprechen. Auch die Orden und die Jakintza haben ihre Fach- und Kurzformen; sie gehören jedoch zu ihren jeweiligen Aufgaben und nicht zum Alltag aller.

In Grenzregionen stehen Zeichen oft nebeneinander: eine Nusotza-Zeile auf einem Vertrag, eine Rune am Tor, ein Bildzeichen an der Weggabelung. Das ist keine Vermischung zu einer neuen Einheitsschrift, sondern die sichtbare Spur davon, dass mehrere Welten denselben Ort nutzen.

Vier Spezialschriften

Name Gebrauch Kennzeichen
Mercantus Preise, Herkunft, Qualität und Mengen auf Märkten und Handelswegen einfache geometrische Symbole und Zahlzeichen; Codes zwischen Händlern bleiben Eingeweihten vorbehalten
Ordenskryptographie vertrauliche Kommunikation der Sieben Orden systematische Substitutionen der Nusotza, mehrere Verschlüsselungsebenen, jeder Orden mit eigener Variante
Non’Gaudische Prozessnotation Labordokumentation in Non’Gauden hochkomprimierte Symbole für Materialien, Prozesse, Zeitachsen und Messungen
Lithi Wetterschrift Wettermuster und Migrationsplanung für Rentierherden Symbole für Schnee-, Wind- und Himmelsphänomene, geritzt in Schnee, Holz oder Leder

Erinnerung und Deutung

Schrift trägt auf Weraldiz Ansehen und Vorsicht zugleich. Ein altes Zeichen kann Eigentum bezeugen, einen Weg warnend markieren, eine Melodie wachhalten oder eine Verpflichtung binden. Was es darüber hinaus bedeute, wird von den Kulturen verschieden erzählt. Sicher ist nur: Kein Schriftsystem lässt sich von der Hand, dem Ort und dem Zusammenhang lösen, in dem es gebraucht wird.