Geographie

Wassergärtner pflegen schwimmende Pflanzinseln in einem überfluteten Urwaldarm des Luruna-Sees; Pfahlhäuser und mächtige Wurzeln stehen im dunklen Wasser.

Lage und natürliche Grenzen

Cel Atiz nimmt den Süden Alweidars ein und wird nur im Norden von Land begrenzt: Dort türmt sich Tiur Apana auf, dessen Steilwände die Grenze zu Non’Gauden bilden und in deren Felsspalten der Tharex nistet. Nach Westen, Süden und Osten öffnet sich das Südmeer, dessen Ufer von zahllosen Buchten und geschützten Häfen durchzogen ist – die weiten Ebenen im Osten des Landes bleiben dabei größtenteils unbesiedelt und unerkundet. Was jenseits des Meeres liegt, wissen nur wenige: Zwei Siedlungen an der Ostküste Thalaven’dahrs treiben unregelmäßigen Handel mit Cel-Hushi-Seefahrern, fünfhundert Kilometer und drei bis fünf Tage bei gutem Wind.

Stein und Wasser hielten viele Fremde lange fern. Das Klima ist warm und beständig, im Landesinneren subtropisch schwer, an der Küste vom Seewind gemildert. Cel Atiz beherbergt die höchste Artenvielfalt des Kontinents; die Bewohner kennen Wege, mit ihr zu leben, statt sie zurückzudrängen.

Landschaftliche Vielfalt

Im Zentrum liegt eine bewaldete Ebene mit sanften Hügeln. Auf ihren satten Böden wachsen Gewürz- und Heilpflanzen, deren Farben und Düfte Besucher aus anderen Regionen sofort bemerken.

„Die Erde von Cel Atiz scheint mit den Träumen ihrer Bewohner durchtränkt zu sein. Was hier wächst, nährt nicht nur den Körper, sondern auch den Geist.“ — Kräuterkundiger aus dem Orden des Samens

Der große Luruna-See im Norden dehnt sich als weitläufige Wasserfläche von tiefdunklem Blau aus. Die lokalen Überlieferungen berichten von einem „Doppelten Boden“ – einer zweiten, gespiegelten Fassung des Sees, die in der Traumwelt existiert. Fischer befolgen komplexe Regeln, um die Balance zwischen beiden zu wahren, während sie über das stille Wasser gleiten. In den flachen Rändern des Sees waten die Narthul.

In den westlichen Bergen liegen Edelsteine und Kristalle; von dort kommen die geschliffenen Traumsteine des Handels. An der Südküste gedeihen in geschützten Buchten Pflanzen für Öle und Parfüme. Nachts gleiten Auliven zwischen den Klippen über das Wasser.

Unter alldem liegen die Tiefenschlünde. Ihre Adern leuchten unter Cel Atiz violett, ein Knotenpunkt reicht bis unter Rasnal, und im Luruna-Gebiet verlaufen Bahnen, die auf Träume und Gemütszustände antworten. Wo andere Völker die Eingänge bewachen oder meiden, halten in Cel Atiz manche Traumzirkel ihre Sitzungen absichtlich in ihrer Nähe ab, weil die Visionen dort tiefer gehen. Wer ganz hinabsteigt, nimmt jemanden mit, der wach bleibt.

Rasnal – Das spirituelle Zentrum

Im Herzen des Landes liegt Rasnal, die größte Siedlung von Cel Atiz und mit rund hundertfünfzigtausend Bewohnern zugleich die größte des Südens. Wer sie eine Stadt nennt, hat sie nicht gesehen: Es fehlen Verwaltungsgebäude, Wehranlagen und alles, was anderswo eine Stadt ausmacht. Was es gibt, sind Kommunen, die sich über zehn Generationen um den Eisnar Fanu gelegt haben, verbunden durch Gärten, Wasserläufe und geteilte Feuerstellen, bis niemand mehr sagen kann, wo eine Straße aufhört und ein Garten anfängt.

Die Architektur folgt geschwungenen, gewachsenen Linien. Viele Dächer tragen Kräutergärten oder Gemeinschaftsräume. Zur Schattenruhe zeigen Spiegelgänge, lichtlenkende Kuppeln und Farbfelder, wofür sie mitgebaut wurden: Sie machen das silbrige Halbdunkel bewohnbar.

Besonders bemerkenswert sind die Klanggärten – öffentliche Anlagen, in denen Wind und Wasser durch kunstvolle bauliche Elemente harmonische Töne erzeugen. Sie sind Treffpunkt, Übungsraum und Wegweiser zugleich; wer sich in Rasnal verläuft, findet über die Klänge zurück.

Ausführlich beschreibt die Siedlung Rasnal.

Vetluna – Das Fenster zur Welt

An der südwestlichen Küste liegt Vetluna, mit etwa neunzigtausend Bewohnern die wichtigste Hafenstadt und der Ort, an dem Fremde als Erstes an Land gehen. Die Stadt bildet einen Übergang zwischen Cel-Hushi-Kultur und äußeren Einflüssen; ihre Architektur vereint farbenfrohe ornamentale Formen mit praktischen Strukturen für Handel und Seefahrt.

Die Schwebenden Märkte liegen auf mehreren Ebenen, verbunden durch Brücken und Rampen. Hier treffen Waren aus ganz Alweidar auf Kunstwerke, Gewürze und Edelsteine aus Cel Atiz. Im Hafen liegen bemalte Traumschwimmer neben Korallengleitern und den geräumigen Barken nach Auwharin.

Vetluna beherbergt auch das Haus der Deutungen, wo angehende Traumdeuter unterrichtet werden und wo die größte zugängliche Sammlung von Traumchroniken des Landes liegt. Fremde dürfen an den höheren Stufen nicht teilnehmen, können aber Einführungen besuchen und die Bibliothek einsehen. Von hier brechen auch die wenigen Schiffe auf, die die Küstensiedlungen der Veyn ansteuern – die Cel Hushi sind das einzige Volk, das dort regelmäßig anlandet.

Pupluna – Zentrum der Kunstfertigkeit

Östlich von Vetluna, in einer geschützten Bucht, liegt Pupluna mit rund siebzigtausend Bewohnern. Die Werkstätten der Juweliere, Glaskünstler, Instrumentenbauer und Textilfärber prägen die Stadt; ihre fünf Viertel sind je einer der Fünf Künste zugeordnet.

Im Zentrum erhebt sich der Klangglockenturm, ein Bauwerk aus resonierenden Metallröhren, die bei Wind oder Berührung Tonfolgen erzeugen. Anders als die Klanggärten Rasnals, die von selbst klingen, will der Turm gespielt werden: Zu bestimmten Stunden versammeln sich Musiker, um mit ihm zu arbeiten.

Das Luruna-Seengebiet

Um den großen Luruna-See liegen zahllose kleinere Siedlungen mit zusammen rund hundertzwanzigtausend Bewohnern. Hier ist der Cel Atismo besonders tief verwurzelt; viele Zeremonien reichen in die Zeit vor der ersten Stadt zurück.

Die Häuser sind aus Schilf, Lehm und Holz erbaut, viele auf Pfählen ins Wasser gesetzt und durch Stege verbunden. Das Gebiet ist bekannt für seine Wassergärtner, die schwimmende Inseln aus verwobenen Wasserpflanzen erschaffen; auf diesen lebenden Gärten gedeihen seltene Heilkräuter und die Pflanzen, aus denen die Räucherwerke für die Traumarbeit gewonnen werden.

Naturwunder und heilige Orte

Die Glühenden Gärten von Culsna

Im südöstlichen Teil der zentralen Ebene erstrecken sich die Glühenden Gärten – ein Naturwunder, das Besucher aus allen Teilen Alweidars anzieht. Hier wachsen Pflanzen mit biolumineszierenden Eigenschaften, die in der Schattenruhe und in der Nacht ein sanftes, farbiges Licht abgeben, verstärkt durch Gesteinsvorkommen im Boden, die selbst schwach pulsieren.

Lichtgärtner legen die Arten so an, dass sich ihre Muster über Wochen verändern. Ein Gang durch die Gärten während der Besinnung gehört zu den Eindrücken, auf die man Gäste vorbereitet.

Die Spiegelhöhlen von Tarchies

In den südlichen Ausläufern der zentralen Hügelebene öffnen sich die Spiegelhöhlen von Tarchies – ein weitverzweigtes System, dessen Wände mit natürlich gewachsenen Kristallflächen bedeckt sind. Diese Kristalle reflektieren nicht nur Licht, sondern sollen auch Gedanken und Empfindungen spiegeln, was die Höhlen zu einem wichtigen Ort für Selbsterkenntnis und spirituelle Prüfungen macht.

Der Zugang ist streng bewacht und nur unter Führung möglich; einige Bereiche bleiben den Eisnar Cipen vorbehalten. Besucher berichten von seltsamen akustischen Erscheinungen – Flüstern ohne Quelle, melodische Töne, die durch die Gänge wehen, und das Gefühl, die eigenen Gedanken als Echo zurückzubekommen.

Der Waldtempel von Nethra

Tief in den nördlichen Wäldern steht der Waldtempel von Nethra – ein lebendiges Bauwerk, das vollständig aus geformten Bäumen besteht. Über Generationen haben die Hüter die Stämme so gelenkt und verflochten, dass Säle, Gänge und Kuppeln entstanden.

Der Tempel ist der größte Versammlungsort des Cel Atismo im Norden. Zur Muθ-Thufi, wenn das Laub fällt, kommen Familien aus dem halben Waldgebiet zusammen und feiern hier Chauna.

Die Echoschlucht

An der Grenze zwischen Cel Atiz und Non’Gauden erstreckt sich eine tiefe, gewundene Schlucht mit außergewöhnlichen akustischen Eigenschaften. Worte scheinen hier Echos zu erzeugen, die manchmal Tage später wieder hörbar werden – bisweilen verändert, als hätte die Schlucht über sie nachgedacht. Sie ist zugleich Kreuzungspunkt der Landrouten und traditioneller Verhandlungsort zwischen beiden Ländern.

Für das Phänomen gibt es zwei Erklärungen, und beide Seiten halten die jeweils andere für unzureichend: Non’Gaudener Gelehrte sprechen von energetischen Feldern und Resonanzeffekten, Cel-Hushi-Traumkundige von einer dünnen Stelle zwischen den Bewusstseinsebenen.

Die Glühende Küste

Der Küstenabschnitt zwischen Auwharin und Cel Atiz leuchtet bei Nacht in einem Blau, das kein Fischer je erklärt bekommen hat. Das Wasser selbst phosphoresziert, und wer hindurchrudert, zieht eine leuchtende Spur hinter sich her. Seit einigen Jahren wird das Leuchten stärker, und es wird nicht mehr nur als schön empfunden.