Die Magischen Wesen vor dem Aufstieg
Eine vielfältige magische Gemeinschaft
Vor dem Aufstieg teilten Menschen und eine Vielzahl magischer Wesen Weraldiz. Diese Wesen bildeten keine einheitliche Gemeinschaft. Sie folgten eigenen Bündnissen, Interessen und Erinnerungen; manche waren von erschreckender Macht, andere zu Weisheit und Fürsorge fähig. Wo Menschen ihre Dörfer errichteten, veränderten Weltenweber die Wirklichkeit, Windflüsterer durchzogen die Täler, und Schmerzsammler fanden sich dort ein, wo Leid lange genug Nahrung bot.
Die Elementargeister
Als älteste Bewohner verkörperten die Elementargeister Grundkräfte der Natur. Die steinernen Erdwächter (Bhumi) formten Gebirge und Täler in kristalliner, nahezu unaufhaltsamer Langsamkeit; ihre Verständigung ging als Vibrieren durch das Gestein. Die Wasserwandler (Jala) wechselten zwischen Dunst und Flüssigkeit, lenkten Ebbe und Flut und bewahrten Erinnerungen in schimmernden Wasserspiegeln.
Die kaum sichtbaren Windflüsterer (Vayu) zeigten sich fast nur in ihrem Wirken. Sie lenkten Stürme nach eigenen Mustern, trugen Botschaften über weite Distanzen und teilten ein Bewusstsein, das ganze Regionen umspannte. Die Flammenherzen (Agni) pulsierten in Vulkanen und tiefen Schmieden um glühende Kerne; ihre Zeichen brannten sie in Stein und Metall.
Die Schöpferwesen
Neben ihnen wirkten Wesen, die Leben und Struktur der Welt unmittelbar beeinflussen konnten. Weltenweber (Vishwa) veränderten örtlich die Gesetze der Wirklichkeit und formten Landschaften nach Ordnungen, die menschlichem Denken fremd blieben. Ihre unmöglichen Architekturen und geometrischen Muster zeugen noch von ihrer Gegenwart.
Die Lebensgeber (Prana) schufen und hüteten Flora und Fauna, riefen neue Arten ins Dasein und wahrten ein empfindliches Gleichgewicht. In symbiotischer Verbindung mit unzähligen Lebensformen bewahrten sie Wissen über Heilung und Wachstum. An der Schwelle zwischen Wirklichkeit und Vorstellung wirkten die Traumsinger (Svapna): Sie formten kollektive Träume, webten Visionen für Schlafende und erschufen Traumlandschaften, die zeitweise materiell wurden.
Die Schattenwesen
Andere Wesen suchten Leid, Macht oder Zerfall. Die Schmerzsammler (Duhkha) lebten von Leid und Qual, traten an Orten intensiven Schmerzes hervor und verschärften bestehende Konflikte. Kristalline Zornessplitter markierten ihre Nähe. Die Seelenfresser (Atmaka) zehrten von der Essenz lebender Wesen, hinterließen leere Hüllen oder Schattengänger und nahmen bisweilen Züge ihrer Opfer an.
Die Chaosflüsterer (Anartha) säten Misstrauen, verzerrten Erinnerungen und erschienen häufig in einer Gestalt, die Vertrauen verdiente. Die Verderbniswandler (Dushta) befielen Gesundes mit Verfall und schufen verdrehte Varianten natürlicher Wesen. Ihre Ziele waren nicht dieselben, doch ihre Nähe hinterließ ähnliche Verwüstungen.
Die Weisen und Beschützer
Die Waldwächter (Vana) standen mit Pflanzen in Verbindung, nahmen je nach Lebensraum andere Formen an und bewahrten Wissen in uralten Bäumen. Die Weisheitshüter (Jnana) traten meist als alte, würdige Gestalten auf, unterhielten Sternwarten und Lehrstätten und suchten nach Wahrheiten jenseits einer einzelnen Perspektive.
Die Tierherren (Pashu) wechselten zwischen Tiergestalten, führten Wanderungen an und hüteten das Verhältnis von Jäger und Beute. Hoch über ihnen beobachteten die Himmelsbeobachter (Akasha) die großen Zyklen. Ihre leuchtenden Gestalten fertigten Sternkarten und erkannten Muster über Zeiträume, die Menschen nicht überblicken konnten.
Die Grenzgänger
Die Schicksalsweber (Niyati) sahen Verzweigungen möglicher Leben und griffen selten offen ein. Ihre verschlungenen Muster galten Menschen als Zeichen der Wege, die hätten eingeschlagen werden können. Zeitwanderer (Kala) nahmen Zeit anders wahr als jedes andere Wesen, erschienen an Wendepunkten und hinterließen Gegenstände, in denen verlorene Augenblicke weiterwirkten.
Die Spiegelseelen (Darpan) kopierten Form und Persönlichkeit anderer. Sie reisten durch spiegelnde Flächen und bewahrten Identitäten, die ohne sie verloren gewesen wären. Darin lagen ihre Gefahr und ihr möglicher Wert zugleich.
Die Valvar im Norden
Im hohen Norden herrschten die Valvar, Verkörperungen des Winters. Ihre Formen wechselten zwischen Eis, Schnee und kristallisiertem Atem. Sie waren mit dem Land verbunden wie kein anderes Wesen und hielten die Menschen ihres Gebiets in Abhängigkeit: als Herren, Lehrer und Peiniger zugleich.
Diese Bindung machte ihren Sturz zum gewaltsamsten Teil des Aufstiegs und riss eine Wunde ins Bewusstsein der nördlichen Völker, die bis heute nicht verheilt ist. Herrschaft, Verbannung und ihre Folgen für die Lithi sind an anderer Stelle ausführlich behandelt.
Beziehung zu den Menschen
Die Beziehungen zu Menschen reichten von Bindung bis zur Ausbeutung. Weisheitshüter lehrten, Lebensgeber vermittelten Heil- und Anbauwissen, Waldwächter schützten einzelne Siedlungen. Manche Familien pflegten über Jahrhunderte Verbindungen zu einem bestimmten Wesen. Andere Wesen jagten Menschen, behandelten sie als Untergebene oder griffen aus bloßer Machtlust in ihre Gemeinschaften ein.
Manche sahen in Menschen eine Gefahr für die natürliche Ordnung und hielten Abstand. Elementargeister nahmen sie oft kaum wahr, Grenzgänger beobachteten sie aus eigenem Interesse. In abgelegenen Gebieten bestanden parallele Gemeinschaften mit nur geringer Berührung.
Kulturelle Spuren in der Gegenwart
Der Schleier tilgte die unmittelbare Erinnerung an die magischen Wesen, doch ihre Spuren durchziehen die Kulturen von Weraldiz wie verborgene Adern.
Die Alten Pfade
Die Alten Pfade bewahren verwischte Spuren tatsächlicher Begegnungen. Naturgeister sind Echos verschiedener Elementarwesen; heilige Orte bezeichnen Plätze alter Verbindungen. Manche Rituale und heilenden Praktiken tragen noch Verfahren, deren Ursprung längst verloren ist.
Lithi-Schamanismus
Bei den Lithi sind die Spuren am stärksten, weil der Schleier dort am tiefsten greifen musste. Die Bajasdolgi bewahren die Erinnerung an die Valvar in verwandelter Gestalt; Trance-Techniken gehen auf tatsächliche Formen der Verständigung mit höheren Wesen zurück. Auch Saivobak trägt Bruchstücke der Welt vor dem Aufstieg weiter.
Magische Wesen in der Gegenwart
Nicht alle Wesen wurden nach Barkuz verbannt. Einige entkamen in abgeschiedene Höhlen, auf Inseln mit besonderer Abschirmung oder an natürliche Blindflecken des Rituals. Manche Weltenweber übertrugen ihre Essenz in andere Formen, Spiegelseelen nahmen dauerhaft menschliche Gestalt an, Waldwächter verschmolzen ganz mit alten Bäumen.
Andere gingen in Schlaf oder Stasis: Erdwächter in Mineral, Wasserwandler in tiefe Gletscher, Traumsinger in selbstgeschaffene Kokons. Sie leben meist zurückgezogen und meiden den direkten Kontakt. Manche haben vergessen, was sie waren; andere warten auf die nächste Himmelsgleiche.
In Barkuz verlaufen die heutigen Fraktionen nicht mehr entlang der alten Wesensarten. Ein Erdwächter und ein Seelenfresser können dort dasselbe wollen, während zwei Weisheitshüter einander bekämpfen. Die Begriffe dieser Seite beschreiben ihre Herkunft, nicht ihre gegenwärtige Loyalität.