Kosmologie
Zwischen Sternenrhythmus und Ringschatten: Die himmlische Ordnung von Weraldiz
„Mit bloßem Auge zählen wir alles, was über uns wandelt: zwei Sonnen, drei wahre Monde, zwei Ringführer und Barkuz, der sie alle umfängt. Eine tägliche Erinnerung an das Geschenk, als so kleiner Teil des Kosmos vom wohlwollenden Blick des Höchsten Seins und der Führung seiner Heerscharen gesegnet zu sein.“
— Lichtträger Theomund, Orden der Lampe
Der Himmel über Weraldiz gibt den Rhythmus von Tag und Jahr vor. Seine Gestirne sind keinem Menschen fremd, doch was sie bedeuten, wird von Land zu Land anders erzählt.
Die Ordnung über Weraldiz
Im Zentrum steht das ungleiche Gespann aus Dagaz und Kaldaz. Dagaz leuchtet groß und golden; Kaldaz ist kleiner, blau und im Winter der prägende Stern. Ihr Reigen gliedert das Jahr in fünf Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Spätsommer, Herbst und Winter.
Daneben ziehen fünf Wanderer über den Himmel, die jede Kultur in zwei Gruppen teilt. Hwīlô, Marōną und Draupnaz sind die drei wahren Monde: große Scheiben mit Phasen, deren langsame Läufe die Gezeiten begleiten. Hwīlô kehrt in neunundfünfzig, Marōną in sechzehn Tagen zu seiner Gestalt zurück. Draupnaz läuft rückläufig, wechselt seine Farbe und folgt keinem berechenbaren Zyklus. Inara und Velka dagegen sind die Ringführer: phasenlose Sternpunkte, die ihre Umläufe in Stunden vollenden. Nach den Monden richtet sich, wer in Wochen und Jahreszeiten denkt; nach den Ringführern, wer die Stunde wissen muss.
Der silbern schimmernde Barkuz umschließt die Welt wie eine Krone. Sein Schleier zieht täglich über den Himmel und dämpft das Licht für sechs Stunden zur Schattenruhe. Der Ring ist kein starres Band: Seine Dichtewellen, Lücken und Knoten verändern sich fortwährend, bleiben im gewöhnlichen Lauf jedoch verlässlich genug, dass die Ringführer die Zeit ordnen.
Fünf Weisen, den Himmel zu lesen
Alle Bewohner von Weraldiz betrachten denselben Himmel. Die Deutungen gehen jedoch auseinander, besonders dort, wo Draupnaz jede Berechnung verweigert.
In Auwharin bezeugen die Bewegungen am Himmel die Ordnung der Himmlischen Heerscharen. Non’Gauden sucht darin Messreihen, Winkel und wiederkehrende Muster. Beide müssen vor Draupnaz dasselbe eingestehen: Der eine nennt ihn einen Boten, der andere eine Variable; keinem gibt er Gewissheit.
Die Lithi lesen keine Bahnen, sondern Fährten. Für sie sind die Gestirne Gegenüber, Barkuz die obere Welt der Ahnen und Bajasdolgi. In Cel Atiz gehen Himmelsbewegung, Traum und künstlerische Arbeit ineinander über; Draupnaz heißt dort Manna Rixna, der immer neue Mond.
Die Veynun der Küste sprechen selten über den Himmel. Für Draupnaz gebrauchen sie den Namen Unveyn’lavar, das Licht, das nicht sein sollte. Mehr erfährt ein Fremder selten.
Ein Himmel, der den Alltag gliedert
Der Himmel ist nicht nur Gegenstand von Deutung. Er bestimmt, wann Schiffe Kurs halten, wann Märkte schließen und wann die Menschen ruhen. Der Tag dauert zweiunddreißig Stunden; zwischen Morgen- und Abendwerk liegt die Schattenruhe von 13:00 bis 19:00 Uhr. Die Nacht wird um ihre Mitte durch eine wache Besinnung geteilt. Die ausführliche Zeitgliederung und die unterschiedlichen Rhythmen der Kulturen finden sich in der Zeitgliederung.
Die seltenste Konstellation ist die Himmelsgleiche. Im Jahr 876 WZ werden Sonnen, Monde, Ringführer und Barkuz erneut in jene Ausrichtung treten, die den Beginn der Zeitrechnung markiert. Was sie bringen wird, weiß niemand. Gerade darum wird jeder unruhige Lauf am Himmel genauer beobachtet als früher.
„Wir sind Kinder zweier Sonnen, Erben dreier Monde, Zeugen tanzender Sterne und Bewohner unter dem ewigen Ring. Unser Schicksal ist in den Himmel geschrieben, nicht als unabänderliches Urteil, sondern als Einladung zum Tanz zwischen Erde und Gestirn.“
— Aus Philosophische Betrachtungen zur Himmelskunde von Maistra Izaskun ez’Adimen-goi-bat Begiesle