Lithi
„Unter Barkuz’ silbernem Schein ziehen wir mit den Herden durch die Weite des Nordens. Unsere Ahnen führen uns, die Geister begleiten uns, und die Geschichten der Bajasdolgi leben durch uns weiter. Wir sind die Gefäße, in denen die Weisheit alter Zeiten bewahrt wird.“
— Duolmma Ánde-bártni, Ältester des Guovssahas-sidd
Jenseits der nördlichen Grenzen Auwharins beginnt Erek Noan, die Pfade der Ahnen. Die Lithi ziehen dort zwischen Tundra, Wald, Küste und Eis. Ihr Name meint Gefäß oder Bewahrer. Gemeint sind keine Schätze hinter Mauern, sondern Wege, Joiks und das Wissen, das eine Herde durch den nächsten Winter bringt.
Ein Volk unterwegs
Der Sidd, ein Familienverband, ist das Maß des Lebens. Die meisten Sidd folgen ihren Rentieren: im Sommer zu offenen Weiden, im Winter in geschützte Täler. Andere bleiben länger an Küsten, im Wald oder an der Grenze. Keine Krone ordnet ihnen den Weg zu. Was einen Sidd hält, sind geteilte Arbeit, erinnerte Absprachen und Menschen, die einander beim Namen nennen.
Die Lithi leben nicht außerhalb der Welt ihrer Nachbarn. Über die Pässe kommen Metall, Stoff und Nachrichten aus Auwharin; an den Grenzplätzen entstehen Beziehungen, die weder ganz lithi noch ganz aus’harringisch sind. Doch ein Fremder findet nicht einfach Zugang zu allem. Heilige Orte, Geisternamen und manche Wege bleiben bei denen, die ihre Folgen tragen müssen.
Unter Barkuz
Ahnen, Naturgeister und die Bajasdolgi gehören für die Lithi zum Land. Die Aufgestiegenen wohnen nach ihrer Überlieferung in Barkuz. Ihre Nähe zeigt sich in einer Gabe am Sieidi, in einem Traum, im Trommelschlag oder darin, dass ein Lager noch einen Tag wartet.
Dalvebak, Saivobak und Barkuz bezeichnen die drei Welten ihrer Überlieferung. Die Grenzen zwischen ihnen sind nicht überall gleich fest. Darum verlangt auch das Alltägliche Aufmerksamkeit: Rentiermelken, Geschichtenerzählen und die Wahl eines Lagerplatzes können eine Beziehung festigen oder verletzen.
„Der Mensch ist ein Gefäß für die Weisheit der Ahnen, die Erde ist ein Gefäß für das Leben, und der Himmel ist ein Gefäß für die Bajasdolgi.“
— Altes Sprichwort der Lithi