Jenseits der Wege
Das Land ist größer als alle, die es kennen.
Wer Cel Atiz durch Rasnal, Vetluna und Pupluna kennt, kennt nur einen Teil des Landes. Jenseits der Wege von Händlern und Pilgern liegen dichter Tropenwald, weite Ebenen und Gebirge, deren Pässe selbst erfahrene Reisende zur Umkehr zwingen.
Diese Gebiete sind nicht leer.
„In meinen drei Jahren als Händler an der nördlichen Waldkante bin ich regelmäßig auf Gruppen gestoßen, die aus dem Unterholz traten, als hätten sie dort auf mich gewartet. Sie brachten Wurzeln, von denen ich nicht wusste, dass sie existieren, und Felle von Tieren, die mir kein Bestiar beschrieben hat. Was sie im Gegenzug wollten, wechselte jedes Mal – manchmal Eisenwerkzeuge, manchmal eine Melodie, die ich ihnen vorsingen sollte, manchmal schienen sie nur schauen zu wollen.“ — Reisebericht eines Händlers aus Vetluna, undatiert
Viele Völker, ein Land
Die Völker der Wälder, Ebenen und Gebirge sind keine einheitliche Gruppe. Sie sprechen verschiedene Sprachen oder Dialekte, folgen eigenen Gewohnheiten und halten unterschiedlich viel Abstand zu den Siedlungen an ihren Grenzen. Für die sesshaften Cel Hushi bleibt eines selbstverständlich: Auch sie gehören zu diesem Land.
Die Siedlungsbewohner begegnen ihnen mit Respekt und stiller Verlegenheit. Über Generationen sind die Wege zueinander schwächer geworden, nicht durch offene Feindschaft, sondern durch verschieden gelebten Alltag. Selbst Cel-Atismo-Praktizierende kennen viele ihrer Nachbarn nur aus Berichten.
„Ich habe drei Tage mit einer Gruppe aus dem südlichen Waldgürtel verbracht. Sie kannten keine Traumzirkel, keine Velci-Pilgerschaften, keine Fufluna-Praktiken, wie ich sie kenne. Und doch – wenn ihre Alte sprach, wenn sie die Hände in die Erde grub und die Augen schloss, spürte ich etwas, das mir aus Jahrzehnten Cel Atismo vertraut ist. Nicht dieselbe Form. Aber dieselbe Tiefe.“ — Aufzeichnung einer Fufluna aus dem Luruna-Gebiet, 839 WZ
Begegnung und Austausch
Wo Felder in Dickicht und Wege in Tierpfade übergehen, findet Austausch statt. Manche Gruppen erscheinen unangekündigt in Randsiedlungen und bleiben selten lange. Sie bringen Kräuter, Felle, Fleisch, Fasern, Harze und Steine, die den sesshaften Cel Hushi oft unbekannt sind.
Sie verlangen Metallwerkzeuge, Tongefäße und Stoffe, manchmal aber auch Lieder oder Geschichten. Nach manchen Begegnungen berichten Leute aus den Randsiedlungen weniger, was sie gegeben haben, als wie aufmerksam ihnen zugehört wurde.
Manche Stämme haben über Generationen regelmäßige Tauschbeziehungen entwickelt. Sie dienen als Führer durch Gebiete, die kein Kartenwerk erfasst, und ihr Wissen über das Innere des Landes ist von einem praktischen Wert, der in Vetluna und Rasnal zunehmend anerkannt wird. Andere Gruppen erscheinen nur selten und verschwinden wieder, bevor ein Gespräch jenseits der notwendigsten Gesten möglich wäre. Und wieder andere haben deutlich gemacht – nicht durch Worte, aber durch das Schweigen, mit dem sie auf jeden Annäherungsversuch antworten –, dass sie keinen Austausch wünschen.
„Man soll ihnen nichts schicken. Man soll ihnen nichts bringen. Man soll warten, bis sie kommen, und dann offen sein. Wer das nicht versteht, hat noch nie auf etwas gewartet.“ — Gesprochen von einem alten Händler aus Velza, bekannt für seine Verbindungen zu Waldgruppen im nördlichen Binnenland
Das Erlebte und das Unbenannte
Über ihre innere Welt wissen sesshafte Cel Hushi wenig. Das Wenige stammt aus langsamer Annäherung, nicht aus Bibliotheken. Was überliefert wird, zeigt sich in Gesang und Geste, in der Jagd, im Teilen einer Mahlzeit oder im Umgang mit einem Traum.
Beobachter beschreiben Menschen mit besonderen Aufgaben. Durch Pflanzen, Tanz oder langes Ausharren treten sie zu bestimmten Zeiten in Zustände, die andere ernst nehmen. Was sie daraus mitbringen, erscheint nicht als Lehre, sondern als Handlung: ein Gespräch, ein Ortswechsel, eine Zeichnung im Boden.
Nethsra des Cel Marish, die im nördlichen Binnenland Kontakt zu einer solchen Gruppe fanden, beschrieben die Begegnung als unzureichend mit Worten zu fassen. In mehreren Zirkeln kursiert die Vermutung, die Erfahrung sei dem tiefen Velathru verwandt. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.
„Sie haben kein Wort dafür. Das ist nicht dasselbe wie zu sagen, sie verstehen es nicht.“ — Gehört in einem Traumzirkel in Rasnal, Herkunft unbekannt
Was das Land noch birgt
Über die Gruppen mit gelegentlichem Kontakt hinaus gibt es Gerüchte: Spuren, die niemand zuordnen kann; Siedlungen, die Händler nur aus der Ferne sahen; Berichte aus den Tälern von Tiur Apana über Völker weiter oben, die keinen Kontakt suchen.
Cel Atiz ist groß. Und das Land, das es trägt, ist älter als alles, was auf ihm gebaut wurde.
Zusammengestellt aus Reiseberichten, Händlernotizen und mündlichen Mitteilungen, gesammelt im Haus der Deutungen zu Vetluna, 841 WZ