Die Barriere zwischen Weraldiz und Barkuz
Die Barriere zwischen Weraldiz und Barkuz
Die Barriere ist eines der komplexesten magischen Konstrukte in der Geschichte von Weraldiz – ein lebendiges, vielschichtiges Gewebe, das vor 843 Jahren während der ersten Himmelsgleiche im Zuge des „Aufstiegs" erschaffen wurde. Durch dieses monumentale Ritual verbannten die Lumarier alle nicht-menschlichen magischen Wesen nach Barkuz.
Grundstruktur
Die Barriere ist keine einfache Wand zwischen den Welten. Sie funktioniert auf drei ineinander greifenden Ebenen gleichzeitig: Als selektiver Energiefilter erlaubt sie in begrenztem Maße einen Energiefluss von Weraldiz nach Barkuz, blockiert aber fast vollständig den Rückfluss. Gleichzeitig schafft sie eine partielle Trennung der Realitätsebenen, die direkten Kontakt zwischen den Welten verhindert – physische und metaphysische Dimensionen existieren auf unterschiedlichen „Frequenzen". Ein dritter Aspekt, der Bewusstseinsschleier, wirkt auf mentaler Ebene: Telepathische Kommunikation wird erschwert, Erinnerungen bezüglich der anderen Seite werden verzerrt, und emotionale Verbindungen zu Wesen jenseits der Barriere werden gedämpft.
Erschaffung und Erhaltung
Der Aufstieg war ein koordiniertes Ritual, bei dem tausende Lumarier an hunderten Ritualplätzen gleichzeitig wirkten – präzise ausgerichtet auf die einzigartige astronomische Konstellation der Himmelsgleiche und die bestehenden Energieflüsse der Tiefenschlünde. Sieben Hauptanker an strategischen Knotenpunkten des planetaren Energiegewebes fixieren die Barriere; jeder verkörpert einen der sieben Aspekte der Himmlischen Heerscharen und ist in heiligen Stätten oder umgebauten Ordenshäusern versteckt. Die Sieben Orden führen seitdem kontinuierliche Erhaltungsritule durch – regelmäßige Erneuerungen an den Hauptankern und gezielte Reparaturen an Schwachstellen durch spezialisierte Gruppen.
Schwachstellen
Über acht Jahrhunderte haben sich verschiedene Schwachstellen entwickelt. Natürlich dünne Stellen entstehen überall dort, wo mehrere Energieadern zusammentreffen – die Tiefenschlund-Knotenpunkte – sowie an den einstigen Ritualorten des Aufstiegs, die energetische Narben im Realitätsgefüge hinterlassen haben. Bestimmte geografische Anomalien verstärken das Problem: die Glühende Küste zwischen Auwharin und Cel Atiz, die Echoschlucht zwischen Non'Gauden und Cel Atiz, das Nebelmoor an der Lithi-Grenze und die „sprechenden Seen" im Lithi-Inneren sind bekannte Brennpunkte.
Die Barrierstärke fluktuiert mit astronomischen Zyklen. Sie wird bei Drei-Mond-Konjunktionen geschwächer, während der täglichen Schattenruhe – der partiellen Verdunkelung durch Barkuz – durchlässiger, und bei Binärsonnenfinsternissen merklich instabiler. Die Himmelsgleiche, die perfekte Konstellation aller Himmelskörper alle 875 Jahre, wirkt devastierend auf die gesamte Struktur. Auch menschliche Aktivitäten können die Barriere beeinflussen: Fehlgeschlagene Hochmagie, Non'Gaudener Experimente zur Dimensionsmanipulation, gezielte Rituale der Schleierreißer und jede psionische Aktivität erzeugt kleine Lücken im Gewebe – starke emotionale Zustände können diese Lücken weiter vergrößern.
Gegenwärtige Manifestationen
Mit der nahenden zweiten Himmelsgleiche – in etwa 33 Jahren – werden die Anzeichen einer schwächenden Barriere zunehmend unverkennbar. Jede Region reagiert anders auf die Veränderungen.
In Auwharin manifestieren sich Spiegelseelen (Darpan) als schemenhafte Doppelgänger in der Nähe reflektierender Oberflächen, manchmal mit Informationen oder Warnungen. Die Sieben Orden verzeichnen wachsende Unregelmäßigkeiten: Mehr Durchbrüche an bewachten Tiefenschlundeingängen, ungewöhnlich intensive Visionen, ja sogar Texte, die spontan ihren Inhalt ändern. Elementale Wesen – Wasserwandler (Jala), Windflüsterer (Vayu) und Flammenherzen (Agni) – erzeugen in Wildnisgebieten zunehmend sichtbare Phänomene.
In den Lithi-Territorien werden die Nordlichter intensiver und fremder: Ungewöhnliche Farben bilden kosmische Symbole, zuweilen sind Barkuz-Landschaften im Lichterspiel sichtbar, und aus dem Nichts kommen Gesänge oder Flüstern. Ganze Sippen teilen identische Träume in einer Nacht und kommunizieren scheinbar direkt mit den Bajasdolgi. Rentierherden verhhalten sich unbegreifbar – in einigen Fällen werden Tiere temporär durch Tierherren (Pashu) aus Barkuz „übernommen".
In Non'Gauden treten spontane Dimensionsverschiebungen in Laboratorien auf, selbst trainierte Psioniker erleben unkontrollierte Manifestationen und Überresonanz mit gleichartigen Kräften von Barkuz. Die akademischen Enklaven werden von mysteriösen Interferenzen heimgesucht – Bewusstseinsverstärker des Projekts Huskapena werden gestört, und unbekannte Schriften erscheinen und verschwinden in den Bibliotheken wie Geister.
In Cel Atiz kann die Traumarbeit jetzt physische Gegenstände aus Träumen materialisieren; Traumlandschaften drucken sich in die reale Welt ab. Der Eisnar Fanu verhält sich zunehmend instabil – bisher verschlossene Bereiche öffnen sich spontan, und die Bevölkerung erlebt kurzzeitige „Erwachensmomente", in denen die künstlich erzeugte Harmonie für einen Moment bricht.
Übergreifend treten überall Traumkontakte auf – Menschen träumen von unbekannten Figuren und Landschaften und erwachen mit Wissen oder Fähigkeiten, die sie im Traum erworben haben. Magische Anomalien häufen sich, und die Realität selbst flackert zuweilen: Déjà-vu-Erlebnisse, unmögliche Geometrien, Räume, die vorübergehend größer erscheinen als ihre äußeren Grenzen.
Dokumentierte Durchbrüche und Infiltrationen
Die Barriere wurde in der Vergangenheit mehrfach durchbrochen. Der Vorfall im Nebelmoor (813 WZ) öffnete sie für etwa drei Stunden vollständig; mindestens zwei Valvar-Abgesandte traten in die Lithi-Gebiete ein, und der Nebel dort hält bis heute an. Die Echoschlucht-Anomalie (829 WZ) ist eine kontinuierliche dünne Stelle, die Gedankenübertragung in beide Richtungen erlaubt – ein Kanal, den sowohl wohlwollende als auch feindliche Entitäten nutzen. Der Kristalldom-Zwischenfall (837 WZ) erzeugte kraftvolle dimensionale Verzerrungen durch die Aktivierung eines alten Artefakts, die weiterhin überwacht werden müssen.
Neben direkten Durchbrüchen arbeiten subtilere Wesen an der Einflussnahme. Chaosflüsterer (Anartha) manipulieren empfängliche Individuen in Machtpositionen durch Einflüsterung destruktiver Ideen. Schmerzsammler (Duhkha) ernten kollektives Leid und verstärken es zu selbstverstärkenden Zyklen. Traumsinger (Svapna) pflanzten Visionen ein und bringen verschlüsseltes Wissen aus der Zeit vor dem Aufstieg in die Welt. Weltenweber (Vishwa) verändern langsam die physische Realität selbst – Flora, Fauna, ja sogar die Beschaffenheit der Landschaft.
Risiken vor der Himmelsgleiche
Die Rachsüchtigen unter den Barkuz-Bewohnern bereiten koordinierte Durchbrüche an mehreren Schwachstellen vor, möglicherweise bereits unterstützt durch menschliche Verbündete. Ein kaskadenartiges Versagen der gesamten Barriere – beginnend an einzelnen Schwachpunkten – ist nicht ausgeschlossen und könnte zu einer irreversiblen Verschmelzung der Realitätsebenen führen. Parallel plant Xabin eine radikalere Intervention: Unter Nutzung des Bewusstseinsverstärker-Netzwerks in Non'Gauden beabsichtigt er, während der Himmelsgleiche die Realität selbst umzuformen – ein „Universum des reinen Willens" mit unvorhersehbaren Konsequenzen.
Organisationen und Überwachung
Der Orden des Schildes trägt die primäre Verantwortung für den Barrierschutz. Seine Tiefenläufer bewachen und erkunden die Tiefenschlünde, die geheimen Sternenwächter überwachen astronomische Zyklen und identifizieren Eindringlinge, und die sieben Ankerhüter – oft für ein Leben an einen spezifischen Ankerort gebunden – führen die geheimen Erhaltungsrituale durch.
Der Orden der Lampe erforscht die Barriere systematisch: Gewebebeobachter kartieren die sich verändernden Energieadern, Chronisten pflegen verschlüsselte Aufzeichnungen über den Aufstieg und vergleichen Barrieremanifestationen über Regionen hinweg, und Anomalieforscher arbeiten im Feld an bekannten Durchbrüchen.
In Non'Gauden arbeitet Projekt „Sunia Konbergentzia" an der Stabilisierung der Barriere durch ein Netzwerk von Monitoring-Stationen und Experimente mit kontrollierten, temporären Öffnungen. Der geheime Egiaren Zirkulua bewahrt das unverfälschte Wissen über den Aufstieg als Gegengewicht zum offiziellen Gogoaren Kontseilua und bereitet sich auf verschiedene Himmelsgleiche-Szenarien vor.
Der Eisnar Fanu in Cel Atiz beherbergt im geheimen unteren Bereich einen der sieben Hauptanker – das „Tor der Rückkehr" –, das die Verderbte Triade langsam zu einem potentiellen Portal umfunktioniert. Unwissende Diener (Nes Spurie) arbeiten während ihres Schlafs unbewusst an dieser Umformung. Die Zilac Hevil, eine Widerstandsbewegung gegen die Manipulation, suchen Wege, das Portal zu neutralisieren.
Methoden zur Beeinflussung der Barriere
Die Barriere kann durch verschiedene Ansätze verstärkt werden: Anker-Rituale an den sieben Hauptankerpunkten, Energielenkung durch Filterknoten und Resonatoren in den Tiefenschlünden sowie Bewusstseinsharmonisierung – gelenkte kollektive Meditationen großer Gruppen, wie sie besonders in Cel Atiz und Non'Gauden praktiziert werden.
Zur Durchdringung dienen Realitätsrisse – gezielte Nutzung natürlicher Schwachstellen während astronomischer Ereignisse –, Traumbrücken, bei denen Cel Marish-Praktisierende synchronisierte Traumzustände erzeugen und persistente Zwischenzonenestablieren, und psionische Kanäle, die riskanteste Methode, da sie Überresonanz und mentale Schäden riskiert.
Radikaler sind die Ansätze zur Umformung der Barriere selbst. Ein harmonischer Austausch würde sie in eine selektive Membran mit kontrolliertem Zwei-Wege-Austausch verwandeln, ohne die grundlegende Trennung aufzugeben. Eine Phasenverschiebung würde die scharfe Grenze durch mehrere Zwischenschichten mit gestaffeltem Zugang ersetzen. Die Große Synthesis – angestrebt von bestimmten Schleierreißer-Fraktionen – würde beide Realitäten vollständig integrieren, mit unkalkulierbaren Konsequenzen für beide Welten.
„Die Barriere ist keine Mauer, sondern ein Schleier. Sie trennt nicht nur Welten, sondern auch Wahrheiten von Lügen, Erinnerungen von Vergessen, das was war von dem was sein könnte. Und wie jeder Schleier wird sie dünner, je mehr Augen durch sie hindurchzublicken versuchen." — Aus den geheimen Aufzeichnungen einer unbekannten Zilac Hevil