Die Barriere zwischen Weraldiz und Barkuz
Der Schleier zwischen den Welten, gewoben aus Willen und Vergessen
„Was uns von Barkuz trennt, ist keine Mauer. Es ist eine Gewohnheit — die Gewohnheit der Welt, so zu sein, wie sie ist, und nicht anders. Doch Gewohnheiten können brechen." — Aus den versiegelten Chroniken des Ordens der Lampe
Die Barriere ist eines der folgenreichsten Werke in der Geschichte von Weraldiz — ein lebendiges, vielschichtiges Gefüge, das vor 843 Jahren während der ersten Himmelsgleiche im Zuge des Aufstiegs entstand. Durch dieses gewaltige Ritual verbannten die Argitari alle nicht-menschlichen magischen Wesen nach Barkuz. Was damals geschaffen wurde, ist weder Mauer noch Maschine, sondern etwas, für das die Sprache der Gelehrten nur unzulängliche Begriffe findet: eine Verdichtung der Wirklichkeit selbst, die bestimmte Formen des Seins nicht mehr trägt.
Grundstruktur
Die Barriere wirkt nicht auf einer einzigen Ebene, sondern durchdringt die Ordnung der Dinge in drei ineinandergreifenden Weisen.
Zum ersten hat sich das Gefüge so verdichtet, dass es bestimmte Bewegungen nur noch in eine Richtung zulässt. Was von Weraldiz nach Barkuz drängt, findet seinen Weg — gleichwie Wasser, das bergab fließt. Was von Barkuz nach Weraldiz zurückkehren will, stößt auf einen Widerstand, der sich als stille Weigerung der Dinge zeigt, dem Fremden Raum zu geben.
Zum zweiten hat das Ritual die Ordnungen beider Welten voneinander gelöst, als habe man zwei Stimmen, die einst im Einklang sangen, auf verschiedene Tonlagen gestimmt. Physisches und Geistiges, das in einer Welt schwingt, findet in der anderen keinen Widerhall, weil die Muster einander nicht mehr erkennen.
Zum dritten wirkt die Barriere auf das Bewusstsein selbst. Gedanken, die über die Grenze hinausreichen, verlieren ihre Schärfe. Erinnerungen an die andere Seite verblassen, als scheue sich der Geist, festzuhalten, was nicht mehr in die Ordnung seiner Welt gehört. Gefühle, die Wesen jenseits der Barriere gelten, werden gedämpft — nicht unterdrückt, sondern sachte abgetönt, wie eine Melodie, die aus einem fernen Raum herüberdringt.
Erschaffung und Erhaltung
Der Aufstieg war ein Akt von beispiellosem Ausmaß. Tausende Argitari wirkten an Hunderten von Ritualplätzen gleichzeitig, ausgerichtet auf die einzigartige Konstellation der Himmelsgleiche und eingestimmt auf die Muster der Tiefenschlünde, die das Gefüge der Welt am offensten darbieten. Was sie taten, lässt sich mit gewöhnlicher Magie nicht vergleichen: Sie zogen das Gewebe der Wirklichkeit fester, an bestimmten Stellen und in bestimmter Weise, bis es sich schloss gegen alles, was nicht menschlichen Bewusstseins war.
Sieben Hauptanker fixieren diese Verdichtung an strategischen Knotenpunkten des Gefüges, verborgen in heiligen Stätten und umgebauten Ordenshäusern. Jeder verkörpert einen der sieben Aspekte der Himmlischen Heerscharen — nicht als bloßes Symbol, sondern als Form, in der das verdichtete Muster gehalten wird. Die Sieben Orden führen seither Erhaltungsrituale durch: regelmäßige Erneuerungen an den Hauptankern, gezielte Ausbesserungen an Stellen, wo die Verdichtung nachlässt.
Doch nach mehr als achthundert Jahren hat sich das Wissen um das Warum dieser Handlungen verloren. Die Rituale werden gesprochen, weil man sie immer gesprochen hat. Die Gebete werden aufgesagt, weil man sie immer aufgesagt hat. Was einst bewusstes Verdichten war — ein Akt des Willens, der die Ordnung der Welt umformte —, ist zur Gewohnheit geworden. Und eine Gewohnheit hält, solange niemand sie in Frage stellt. Jedoch sie hält weniger fest als eine feste Absicht.
Wo der Schleier dünn wird
Über acht Jahrhunderte haben sich Stellen gebildet, an denen die Verdichtung schwächer geworden ist — nicht durch äußere Gewalt, sondern durch das stille Nachlassen dessen, was sie hielt.
Die empfindlichsten Orte sind jene, die bereits von Natur aus weniger beständig sind: die Knotenpunkte der Tiefenschlünde, wo das Gefüge ohnehin offener liegt, und die einstigen Ritualplätze des Aufstiegs, an denen das Gewebe so heftig angespannt wurde, dass es Narben trug — Stellen, die seit Jahrhunderten zu heilen versuchen und es nicht ganz vermögen. Bestimmte Landstriche verstärken die Durchlässigkeit: die Glühende Küste zwischen Auwharin und Cel Atiz, die Echoschlucht an der Grenze zwischen Non'Gauden und Cel Atiz, das Nebelmoor nahe den Lithi-Gebieten und die sprechenden Seen im Inneren Erek Noans.
Die Stärke der Barriere atmet mit dem Himmel. Bei Konjunktionen dreier Monde lässt sie nach, als gerieten die Muster in ein Schwanken, das die Verdichtung lockert. Während der täglichen Schattenruhe — wenn Barkuz' Schatten die Welt berührt — wird sie durchlässiger, als erinnere die Nähe des Rings die Ordnung an das, was jenseits liegt. Bei Finsternissen beider Sonnen wird die Grenze merklich dünner. Und die Himmelsgleiche, jene Konstellatiothaller Himmelskörper, die sich nur alle achthundertfünfundsiebzig Jahre wiederholt, könnte die Verdichtung für einen Augenblick gänzlich aufheben — wie ein Atemzug, in dem die Welt vergisst, sich geschlossen zu halten.
Auch menschliches Tun rührt an der Barriere. Fehlgeschlagene Hochmagie reißt feine Lücken in das Gefüge, die sich nur langsam schließen. Non'Gaudener Versuche, an den Grenzen der Wirklichkeit zu forschen, hinterlassen Spuren, die tiefer reichen als beabsichtigt. Gezielte Rituale der Schleierreißer arbeiten bewusst daran, die Verdichtung zu lockern. Und jede geistesformende Handlung — jeder unmittelbare Griff ins Gefüge ohne Ritual und Vermittlung — erzeugt winzige Öffnungen, als hinterließe der nackte Wille Abdrücke in einem Stoff, der dafür nicht vorgesehen war. Starke Gemütsbewegungen können diese Öffnungen weiten, als gäbe die innere Erschütterung des Einen der Ordnung der Welt einen Stoß.
Gegenwärtige Erscheinungen
Mit der nahenden zweiten Himmelsgleiche — in etwa dreiunddreißig Jahren — werden die Zeiche einer ermüdenden Verdichtung unübersehbar. Jede Gegend antwortet auf ihre Weise.
In Auwharin
Schemenhafte Doppelgänger — die Spiegelseelen Darpan genannt — erscheinen in der Nähe spiegelnder Oberflächen: blasse Ebenbilder Lebender, die bisweilen Warnungen oder Wissen tragen, als blicke etwas aus Barkuz durch den Spiegel zurück. Die Sieben Orden verzeichnen wachsende Unbeständigkeiten: häufigere Durchbrüche an den bewachten Eingängen der Tiefenschlünde, Visionen von einer Eindringlichkeit, die den Empfangenden erschüttert, und Texte in Bibliotheken und Archiven, die ihren Inhalt verändern, als schreibe eine fremde Hand zwischen die Zeilen.
In den Wildnisgebieten mehren sich Erscheinungen elementarer Art — Wasserwandler (Jala), Windflüsterer (Vayu) und Flammenherzen (Agni) hinterlassen sichtbare Spuren: Quellen, die ihren Lauf ändern; Winde, die gegen die Jahreszeit wehen; Feuer, das kalt brennt.
In den Lithi-Territorien
Die Nordlichter verändern sich. Ungewöhnliche Farben formen Zeichen, die keiner Sprache der Oberfläche angehören; bisweilen sind in ihrem Spiel Landschaften erkennbar, die nicht von dieser Welt stammen, und aus dem Nichts dringen Gesänge und Flüstern herab, als riefen Stimmen durch einen dünner werdenden Vorhang.
Ganze Sippen teilen in einer Nacht denselben Traum und erwachen mit dem Eindruck, die Bajasdolgi hätten unmittelbar zu ihnen gesprochen. Rentierherden geraten in Unruhe — in manchen Fällen verhalten sich einzelne Tiere auf eine Weise, die kein Hirte kennt, als lenke ein anderer Wille ihre Glieder. Die Lithi nennen dies das Wirken der Tierherren, der Pashu, und sprechen davon mit Ehrfurcht und Beklemmung zugleich.
In Non'Gauden
Die Laboratorien der Jakintza-Enklaven erleben ungebetene Verschiebungen: Geräte, die auf das Gefüge abgestimmt sind, zeigen Werte, die außerhalb jeder Berechnung liegen. Selbst erfahrene Geistesformer geraten in unkontrollierte Zustände, als antworte etwas von jenseits der Barriere auf ihre Berührung — eine Überresonanz, die den eigenen Griff verstärkt und zugleich verzerrt. Die Bewusstseinsverstärker des Projekts Huskapena werden durch Störungen beeinträchtigt, deren Herkunft sich nicht bestimmen lässt. In den Bibliotheken erscheinen und verschwinden Schriften, die niemand verfasst hat — Seiten in Sprachen, die kein Gelehrter lesen kann, und die am Morgen verschwunden sind, als hätten sie sich zurückgezogen.
In Cel Atiz
Die Traumarbeit greift über ihre gewohnten Grenzen hinaus. Was bisher nur im Traum Gestalt besaß, tritt gelegentlich in die greifbare Welt: Gegenstände, die im kollektiven Traum erschaffen wurden, finden sich am Morgen auf Tischen und in Händen, als hätte die Grenze zwischen Vorstellung und Wirklichkeit ihre Eindeutigkeit verloren. Traumlandschaften drücken sich in die Oberfläche — Orte, die gestern noch gewöhnlich aussahen, tragen plötzlich Züge von etwas, das nur in den Träumen des Cel Marish existieren sollte.
Der Eisnar Fanu verhält sich zunehmend eigenwillig. Bereiche, die seit Menschengedenken verschlossen waren, öffnen sich ohne erkennbaren Anlass. Und unter der Bevölkerung mehren sich kurze Momente des Erwachens — Augenblicke, in denen die künstlich erzeugte Harmonie der Cel Hushi-Gemeinschaft für einen Herzschlag bricht und die Menschen mit einer Klarheit in die Welt blicken, die sie zugleich erschreckt und befreit.
Übergreifend
In allen Gegenden häufen sich Traumkontakte — Menschen träumen von Gestalten und Landschaften, die sie nie gesehen haben, und erwachen mit Wissen oder Fertigkeiten, die sie im Wachen nie erwarben. Magische Unregelmäßigkeiten nehmen zu. Und bisweilen flackert die Wirklichkeit selbst: Räume, die für einen Augenblick größer erscheinen, als ihre Wände erlauben; Augenblicke des Wiedererkennens, die keiner Erinnerung entsprechen; Winkel und Formen, die dem Auge widersprechen, als habe die Ordnung der Dinge einen Moment lang vergessen, wie sie zusammengehört.
Vergangene Durchbrüche
Die Barriere wurde in der Vergangenheit mehrfach durchbrochen, und jeder Durchbruch hat Spuren hinterlassen, die nicht verheilt sind.
Der Vorfall im Nebelmoor (813 WZ) riss die Verdichtung für etwa drei Stunden vollständig auf. Mindestens zwei Abgesandte der Valvar traten in die Lithi-Gebiete ein, und der Nebel, der sich damals über die Gegend legte, hält bis zum heutigen Tag an — als habe der Ort vergessen, wie klare Luft sich anfühlt.
Die Echoschlucht-Anomalie (829 WZ) ist kein einzelner Durchbruch, sondern eine anhaltende Verdünnung — eine Stelle, an der Gedanken in beide Richtungen wandern können, als seien die Ordnungen beider Welten dort nie ganz voneinander gelöst worden. Sowohl wohlwollende als auch feindliche Wesenheiten nutzen diesen Kanal.
Der Kristalldom-Zwischenfall (837 WZ) wurde durch ein altes Artefakt ausgelöst und erzeugte Verzerrungen, die noch heute überwacht werden müssen — als habe die Erschütterung das Gefüge an dieser Stelle dauerhaft in Schwingung versetzt.
Stille Einflussnahme
Neben den sichtbaren Durchbrüchen arbeiten subtilere Kräfte an der Ordnung der Welt. Die Chaosflüsterer (Anartha) berühren empfängliche Geister in Machtpositionen und säen Gedanken, die sich anfühlen wie die eigenen — zersetzende Ideen, die langsam wachsen, bis der Betroffene sie für seine eigenen Überzeugungen hält.
Schmerzsammler (Duhkha) nähren sich an kollektivem Leid und verstärken es zu Kreisläufen, die sich selbst antreiben — Gemeinschaften, die in ihrem Schmerz gefangen bleiben, weil etwas jenseits der Barriere diesen Schmerz braucht, um sich daran zu halten.
Traumsinger (Svapna) pflanzen Visionen ein, die verschlüsseltes Wissen aus der Zeit vor dem Aufstieg tragen — Erinnerungen an eine Welt, in der die Ordnung eine andere war, eingeschmuggelt in die Träume derer, die empfänglich genug sind.
Und die Weltenweber (Vishwa) — die beunruhigendsten von allen — verändern langsam und beharrlich die Beschaffenheit der Welt selbst. Eine Pflanze, die hier nicht wuchs, wächst plötzlich. Ein Tier verhält sich auf eine Weise, die seiner Art widerspricht. Eine Landschaft verändert sachte ihre Züge, als forme eine unsichtbare Hand die Oberfläche um. Was die Weltenweber tun, ist kein Angriff — es ist ein geduldiges Umschreiben dessen, was die Welt zu sein gewohnt ist.
Risiken vor der Himmelsgleiche
Was bevorsteht, beunruhigt alle, die genug wissen, um die Zeichen zu deuten. Die Rachsüchtigen unter den Bewohnern von Barkuz bereiten auf der anderen Seite koordinierte Durchbrüche vor — an mehreren Schwachstellen zugleich und möglicherweise unterstützt durch menschliche Verbündete, die bereits diesseits der Barriere wirken.
Ein Versagen der Verdichtung, das an einem Punkt beginnt und sich wie ein Riss im Eis über das gesamte Gefüge ausbreitet, ist nicht auszuschließen. Im äußersten Fall könnte die Trennung der Ordnungen aufgehoben werden — nicht nur vorübergehend, sondern unwiderruflich, als fänden zwei getrennte Stimmen zurück in einen Einklang, der niemals beabsichtigt war.
Zugleich verfolgt Xabin ein radikaleres Ziel. Unter Nutzung des Bewusstseinsverstärker-Netzwerks in Non'Gauden beabsichtigt er, den Augenblick der Himmelsgleiche zu nutzen, um die Ordnung der Wirklichkeit selbst umzuformen — ein Universum des reinen Willens, in dem das Bewusstsein nicht mehr am Gewebe rührt, sondern es ist. Was dies bedeuten würde, vermag niemand vorherzusagen.
Die Hüter
Der Orden des Schildes
Die Tiefenläufer bewachen die bekannten Eingänge und begegnen dem, was aus den Tiefen aufsteigt, mit Schwert und Entschlossenheit. Die Sternenwächter, deren Existenz selbst innerhalb des Ordens nur wenigen bekannt ist, überwachen die himmlischen Zyklen und suchen nach Anzeichen von Eindringlingen, deren Art sich nicht mit Waffen begegnen lässt. Die sieben Ankerhüter — oft für ein ganzes Leben an einen bestimmten Ort gebunden — vollziehen die geheimen Erhaltungsrituale, die die Verdichtung halten sollen. Manche von ihnen verstehen noch, was sie tun. Die meisten sprechen Worte, deren Bedeutung sie verloren haben.
Der Orden der Lampe
Die Gewebebeobachter zeichnen die Veränderungen der leuchtenden Bahnen mit einer Geduld auf, die Generationen überspannt — das genaueste Bild, das Menschen vom Zustand des Gefüges besitzen. Die Chronisten pflegen verschlüsselte Aufzeichnungen über den Aufstieg und vergleichen Erscheinungen über Gegenden hinweg, auf der Suche nach Mustern in dem, was sich ändert. Die Anomalieforscher arbeiten an den bekannten Durchbruchsstellen im Feld und versuchen zu verstehen, was dort geschieht — und ob es aufgehalten werden kann.
In Non'Gauden
Das Projekt Sunia Konbergentzia arbeitet an der Frage, ob die Verdichtung durch verstandesmäßige Mittel gestützt werden kann — ein Netzwerk von Beobachtungsstationen, ergänzt durch vorsichtige Versuche mit kontrollierten, zeitweiligen Öffnungen, deren Risiken auch den Beteiligten nicht gänzlich klar sind.
Der geheime Egiaren Zirkulua bewahrt fragmentarisches Wissen über den Aufstieg als Gegengewicht zum offiziellen Gogoaren Kontseilua und bereitet sich auf verschiedene Szenarien der Himmelsgleiche vor — darunter auch solche, die niemand laut auszusprechen wagt.
In Cel Atiz
Der Eisnar Fanu birgt in seinen verborgenen unteren Bereichen einen der sieben Hauptanker — das sogenannte Tor der Rückkehr. Die Verderbte Triade arbeitet daran, diesen Anker langsam in ein Durchgangsportal umzuformen: nicht durch Gewalt, sondern durch geduldiges Umstimmen des Musters, das er hält. Unwissende Diener — die Nes Spurie — wirken an dieser Umformung im Schlaf, ohne zu ahnen, was ihre Träume bewegen. Gegen diese stille Unterwanderung kämpft die Zilac Hevil, eine Widerstandsbewegung, die nach Wegen sucht, das Portal zu entschärfen, bevor es sich öffnet.
Wege, die Barriere zu berühren
Die Verdichtung lässt sich auf verschiedene Weisen stärken. Die Anker-Rituale an den sieben Hauptankern erneuern das Muster, das die Trennung hält — vorausgesetzt, diejenigen, die sie sprechen, verstehen noch, was sie tun, und nicht nur, wie es klingt. Lenkung durch Filterknoten und Resonatoren in den Tiefenschlünden kann das Gefüge an gefährdeten Stellen stützen, gleichwie Stützen einen Bogen tragen. Und die Bewusstseinsharmonisierung — gelenkte gemeinsame Besinnung großer Gruppen — vermag die Verdichtung zu festigen, als bestätige der vereinte Wille vieler Geister die Ordnung der Welt aufs Neue. Cel Atiz und Non'Gauden pflegen diese Praxis am bewusstesten.
Wer die Barriere durchdringen will, nutzt andere Wege. Realitätsrisse — die natürlichen Schwachstellen — lassen sich während bestimmter Himmelskonstellationen gezielt aufweiten. Traumbrücken, wie sie die Cel Marish errichten, schaffen durch synchronisierte Traumzustände Zwischenzonen, die weder ganz der einen noch ganz der anderen Ordnung angehören. Und der geistesformende Kanal — der unmittelbarste und gefährlichste Zugang — reißt mit jedem Griff winzige Öffnungen in die Verdichtung, die sich nicht immer wieder schließen.
Radikaler denken jene, die die Barriere nicht durchdringen, sondern umformen wollen. Ein harmonischer Austausch würde die starre Verdichtung in eine durchlässige Ordnung verwandeln — einen Schleier, der bestimmte Formen passieren lässt und andere zurückhält, gesteuert und bewacht. Eine Phasenverschiebung würde die scharfe Grenze durch mehrere Zwischenschichten ersetzen — gestufte Übergänge statt einer einzigen Kante. Und die Große Synthese, angestrebt von bestimmten Fraktionen der Schleierreißer, würde beide Ordnungen vollständig zusammenführen — ein Verschmelzen, dessen Folgen für beide Welten niemand absehen kann.
„Die Barriere ist keine Mauer, sondern ein Schleier. Sie trennt nicht nur Welten, sondern Wahrheiten von Vergessen, das was war von dem, was sein könnte. Und wie jeder Schleier wird sie dünner, je mehr Augen durch sie hindurchzublicken versuchen." — Aus den geheimen Aufzeichnungen einer unbekannten Zilac Hevil