Aufzeichnungen aus den Stillen Landen
Aus den persönlichen Notizen von Maisu Koldo ez'Ezagutza-barne-bi Ikertzaile
Der Aufbruch
Im dritten Monat des Jahres 519 nach Non'Gaudener Zeitrechnung unternahm ich jene Expedition, die mein gesamtes Weltverständnis in seinen Grundfesten erschüttern sollte. Als Angehöriger der Jakintza Ezagutza hatte ich mein Leben der Erforschung der weißen Flecken gewidmet, die sich östlich unserer wohlgeordneten Enklaven ausdehnten – Räume auf unseren Karten, die das Auge des Verstandes herausforderten wie ein ungelöste Aussage, die man weder beweisen noch widerlegen die mathematische Vernunft.
Die Vorbereitungen folgten allen Regeln wissenschaftlicher Methodik, die wir in jahrelanger Forschung verfeinert hatten. Instrumente zur Messung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und magnetischen Abweichungen wurden in wasserdichte Behältnisse verpackt, Proviant für vier Wochen in präzise abgewogenen Rationen verstaut, Kartenmaterial mehrfach geprüft. Jene kleinen Apparaturen, mit denen wir die Dichte magischer Energien zu bestimmen pflegen – fragile Konstruktionen aus Kristall und Kupferdraht –, fanden ihren Platz zwischen Lagen von weichem Tuch. Mein Gehilfe Ander, ein junger Mann von lebhaftem Geiste und jener Neugier, die den wahren Forscher auszeichnet, teilte meine Begeisterung für das Unbekannte. Wir hegten die Hoffnung, neue Mineralvorkommen oder unentdeckte botanische Varietäten zu finden, vielleicht gar Hinweise auf jene verlorenen Siedlungen, von denen alte Chroniken zu flüstern schienen.
Der erste Woche unserer Wanderung gen Osten verlief erwartungsgemäß. Die vertrauten Hügel Non'Gaudens, mit ihren terrassierten Feldern und den geometrisch angelegten Obstgärten, wichen allmählich einer sanfteren Topographie. Gegen Abend hatten wir die letzten Außenposten unserer Zivilisation hinter uns gelassen – kleine Forschungsstationen, deren Lichter in der Dämmerung wie ferne Sterne leuchteten. Wir schlugen unser Lager unter einem klaren Nachthimmel auf, an dem Hwilo in seinem silbernen Glanz, Marona in violettem Schimmer und der wandernde Draupnaz ihre gewohnten Bahnen zogen. Die erste Nachtruhe fand uns erschöpft aber zufrieden, und in der Besinnungsphase, als die drei Monde im Zenit standen, sprachen Ander und ich über unsere Erwartungen für die kommenden Tage. Alles schien sich nach jenen Gesetzen zu fügen, die wir aus jahrelanger Forschung zu kennen glaubten.
Die vollkommene Ordnung
Am neunten Tage, nach einem Morgenwerk unter klarem Himmel, begannen sich die ersten Besonderheiten zu offenbaren. Die Landschaft glich einer Parkanlage, wie sie nur die sorgfältigste Gestaltung hervorbringen könnte – sanfte Hügel, von Baumgruppen gekrönt, dazwischen ausgedehnte Grasflächen von einer Gleichmäßigkeit, die jeder natürlichen Unordnung spottete. Die Bäume waren von verschiedener Art – Eichen mit mächtigen Kronen, Buchen mit silbriger Rinde, vereinzelt Nadelhölzer, deren Zweige in geometrischer Präzision wuchsen – doch alle zeigten ein makellos unbeschädigtes Erscheinungsbild. Kein Ast war geknickt oder vom Sturm gebrochen, keine Rinde von Käfern durchlöchert oder vom Specht bearbeitet, kein Blatt von Raupenfraß gezeichnet oder vom Mehltau befallen.
"Seht Euch diesen Apfelbaum an, Maisu," sagte Ander, als wir zur Mittagszeit an einem besonders prächtigen Exemplar vorüberkamen. Seine Äste bogen sich unter der Last herrlicher Früchte, rot und golden zugleich, als hätte ein Maler sie nach einem Ideal gestaltet. "Diese Äpfel scheinen wie aus Wachs geformt."
Als wir eine der verlockenden Früchte pflückten und zu kosten suchten, löste der Apfel sich im Munde auf wie feuchtes Papier – ohne jeglichen Nährwert, ohne Saft oder Süße, ohne jene Substanz, die eine Frucht zur Nahrung macht. Das gleiche Phänomen wiederholte sich bei allen Früchten, die wir in den folgenden Stunden prüften. Birnen, deren Form makellos erschien, Beeren von intensiver Farbe, selbst die Nüsse verschiedener Bäume – alles glich in der äußeren Erscheinung den uns bekannten Varietäten, doch keine vermochte den Hunger zu stillen. Es war, als trügen die Bäume nur die Form von Früchten, nicht deren Wesen.
Beunruhigender noch erwies sich das vollständige Fehlen tierischen Lebens. Nicht ein Vogel durchschnitt die Luft mit seinem Flügelschlag, kein Insekt summte in den Blüten oder kroch über das Laub, kein Käfer hastete über die glatte Rinde der Bäume. Die Stille war von einer Qualität, die beinahe körperlich spürbar wurde – unterbrochen nur von jenem ewigen, sanften Rauschen des Windes im Grase, einem Geräusch, das so regelmäßig war wie der Atem eines schlafenden Wesens von unvorstellbarer Größe.
Selbst die gewohnte Schattenruhe offenbarte sich hier in veränderter Gestalt. Als die dreizehnte Stunde nahte und Barkuz zwischen die Sonnen treten sollte, um seine silberne Dämpfung über die Welt zu legen, trat statt der vertrauten Verdunkelung nur eine kaum merkliche Abschwächung des Lichtes ein. Die Welt versank nicht in jenes charakteristische Halbdunkel, in dem Körper und Geist zur Ruhe finden – stattdessen herrschte weiterhin dieselbe matte, gleichförmige Helligkeit, die weder die Schärfe des vollen Tageslichtes noch die Tiefe der Schattenruhe besaß. Ander und ich spürten zwar jenes biologische Bedürfnis nach Ruhe, das die Schattenruhe normalerweise begleitet, doch die Landschaft selbst schien davon unberührt. Als wären wir in einen Raum geraten, in dem die Gesetze des Himmels ihre Gültigkeit verloren hatten.
Die erste Umkehr
Nach dreizehn Tagen sahen wir uns zur Umkehr genötigt. Unsere Vorräte schwanden bedenklich, da die Landschaft uns nichts zu bieten vermochte, was den Körper hätte nähren können. Selbst das Wasser der Bäche, klar wie geschliffenes Glas und von vollkommener Reinheit, vermochte zwar den Durst zu löschen, doch fehlte ihm jene Lebendigkeit, die frisches Quellwasser auszeichnet. Es war kühl und geschmacklos, ohne jene feinen Mineralien, die dem Gaumen Orientierung geben – als tränke man die bloße Idee von Wasser, nicht dessen Substanz.
Doch der Forscher in mir gab nicht auf. Nach einem Monat der Vorbereitung und Neuausrüstung machten wir uns erneut auf den Weg, diesmal ausgestattet mit Proviant für volle acht Wochen und zusätzlichen Instrumenten, die ich mir von der Jakintza Adimen geliehen hatte. Diese Geräte, entwickelt zur Messung subtiler Energiefelder und zur Erfassung von Bewusstseinsresonanzen, waren so empfindlich, dass sie selbst die schwächsten Schwingungen des hätten registrieren müssen. Wir nährten die Hoffnung, dass präzisere Messungen uns jenen Schlüssel liefern würden, der das Rätsel dieser Landschaft zu öffnen vermochte.
Die zweite Expedition führte uns tiefer in jenes rätselhafte Land hinein, und mit jedem Tage, den wir durch seine unwirkliche Vollkommenheit wanderten, verstärkte sich mein Gefühl, dass wir uns nicht in einer gewöhnlichen Landschaft bewegten. Es war, als hätten wir die Grenze zwischen Wirklichkeit und einer Art Abbild derselben überschritten – einen Ort, der zwar alle Formen der Realität nachahmte, dessen innere Natur jedoch einem völlig anderen Prinzip folgte.
Die Tage verliefen mit einer Gleichförmigkeit, die allmählich bedrückend wurde. Stets derselbe sanfte Wind, der über die Gräser strich ohne sie je ganz niederzubeugen; stets dieselbe milde Temperatur, die weder Schweiß auf die Stirn trieb noch Schauer über den Rücken jagte. Der Himmel zeigte sich in einem ewigen, matten Blau, durchzogen von weißen Wolken, die ihre Form niemals änderten. Ihre Schatten warfen stets die gleichen Muster auf das Gras, als wären sie nicht aus bewegtem Wasserdampf gebildet, sondern gemalt auf eine unsichtbare Leinwand, die über uns gespannt war.
Die Auflösung der Gewissheit
In der dritten Woche begann ich, an meinem eigenen Verstande zu zweifeln. Ander und ich hatten aufgehört, ausführlich über unsere Beobachtungen zu sprechen, denn es schien, als wiederholten wir täglich dieselben Feststellungen. Die Landschaft veränderte sich zwar – wir durchwanderten Wälder von verschiedener Dichte, überquerten Hügel und Täler, passierten Wiesen und felsige Abschnitte – doch alles besaß jene befremdliche Gleichförmigkeit, die jeder Natürlichkeit widersprach.
An einem Nachmittag – oder war es ein Morgen? Die Zeit schien in diesem Lande ihre Bedeutung verloren zu haben, da keine Schattenruhe mehr den Tag gliederte – bemerkte ich, dass die Schatten der Bäume stets in die gleiche Richtung fielen, unabhängig von der vermeintlichen Tageszeit. Die Sonnen selbst waren am Himmel kaum auszumachen, verborgen hinter einem milchigen Schleier, der alles in dasselbe weiche, richtungslose Licht tauchte. War es Dagaz oder Kaldaz, die dort oben leuchteten? Ich vermochte es nicht mehr zu sagen.
Meine Instrumente versagten eines nach dem anderen ihren Dienst. Die Temperaturmesser zeigten unverändert denselben Wert an, die Magnetnadel drehte sich träge im Kreise, als habe sie jede Orientierung verloren, und jene empfindlichen Apparaturen zur Messung magischer Felder verhielten sich, als befänden sie sich in einem Raum vollkommener Leere. Nicht einmal jenes schwache Grundrauschen, das überall in der Welt gegenwärtig ist wie das Atmen der Luft selbst, ließ sich registrieren.
"Maisu," sagte Ander zu mir, als wir während der Phase rasteten, die normalerweise die Schattenruhe gewesen wäre, "mir ist, als seien wir in den Traum eines Wahnsinnigen geraten. Oder vielleicht in einen Raum, der vergessen hat, was es bedeutet, wirklich zu sein."
Seine Worte trafen den Kern dessen, was auch ich empfand, doch ich vermochte ihm keine tröstende Antwort zu geben.
Die Grenzen des Seins
Je tiefer wir vordrangen, desto deutlicher wurde jenes Gefühl, dass wir uns in einer Welt bewegten, die zwar alle Formen der Wirklichkeit imitierte, deren Wesen jedoch fundamental anders geartet war. Die Bäume wuchsen, ohne zu leben – ihre Zweige streckten sich in geometrischer Präzision, doch kein Vogel nistete in ihren Kronen, kein Eichhörnchen sprang von Ast zu Ast. Das Gras wehte im Winde, ohne zu atmen – es bog sich und richtete sich wieder auf mit mechanischer Regelmäßigkeit, doch keine Grille zirpte darin, keine Feldmaus huschte durch seine Halme. Die Bäche flossen mit kristallener Klarheit, doch ohne Quelle, aus der sie entsprangen, und ohne Mündung, in die sie sich ergossen – sie waren einfach da, flossen von einem Nirgendwo zu einem anderen Nirgendwo.
An manchen Tagen glaubte ich, in der Ferne Bewegung wahrzunehmen – Gestalten, die zwischen den Bäumen wandelten oder über die Hügel huschten, zu schnell für das Auge, aber deutlich genug, um nicht bloße Einbildung zu sein. Doch wenn wir uns näherten, unsere Schritte beschleunigten in jenem vagen Hoffen, endlich auf ein anderes lebendes Wesen zu treffen, fanden wir stets nur leere Landschaft vor. Ander berichtete von ähnlichen Wahrnehmungen, und wir begannen uns zu fragen, ob das Land selbst auf unseren Geist einwirkte – ob es uns Dinge sehen ließ, die nicht existierten, oder uns blendete für das, was tatsächlich da war.
Die Nächte offenbarten das Befremdlichste von allem. Es wurde niemals völlig dunkel, wie es hätte geschehen müssen, wenn beide Sonnen unter dem Horizont versanken. Statt dessen trat nur eine geringfügige Dämpfung ein, als würde das Licht aus der Landschaft selbst entstammen – aus den Bäumen, aus dem Gras, aus der Luft zwischen den Dingen. Die Nachtruhe brachte zwar jenes biologische Bedürfnis nach Schlaf, doch der Schlaf selbst war ohne Tiefe, flach und traumlos, als bewege man sich nur durch verschiedene Grade des Wachseins.
Und in der Phase, die normalerweise die Besinnung gewesen wäre – jene mitternächtliche Wachphase, in der die drei Monde im Zenit stehen und ihr vereintes Licht auf die Welt herabströmt –, herrschte hier nur dieselbe richtungslose Dämmrigkeit. Hwilo, Marona und Draupnaz waren nirgends am Himmel zu erblicken, als hätte der milchige Schleier sie vollständig verschluckt. Ihr Fehlen war wie eine Wunde im Gefüge der Welt – denn ohne die Monde gab es keine Orientierung mehr, keinen Anker für die innere Uhr, keine Verbindung zu jenen kosmischen Rhythmen, die das Leben auf Weraldiz seit jeher prägten.
In dieser gespenstischen, mondlosen Pseudobesinnung hörten wir zuweilen Geräusche – ein fernes Rauschen, das wie Wasser oder Wind klang, manchmal auch etwas, das Stimmen hätte sein können, die aus großer Entfernung zu uns drangen. Doch wenn wir lauschten, die Ohren gespitzt und den Atem angehalten, verstummte alles, und nur das ewige Säuseln des Grases blieb, monoton und bedeutungslos.
Unsere Träume wurden seltsam in jenen flachen Nächten. Ich träumte von endlosen Korridoren, die alle ins Nichts führten, von Bibliotheken voller leerer Bücher, deren Seiten weiß waren wie frischer Schnee, von Menschen, die sprachen, ohne dass Worte ihre Lippen verließen – ihre Münder öffneten und schlossen sich, doch kein Laut drang hervor, nur Stille. Ander berichtete von ähnlichen Visionen: Uhren ohne Zeiger, Spiegel ohne Reflexion, Türen, die sich öffneten zu Räumen, die identisch waren mit jenen, aus denen man kam. Wir begannen zu fürchten, dass die Grenze zwischen Schlaf und Wachen verschwamm, dass diese Landschaft nicht nur die Gesetze der Natur außer Kraft setzte, sondern auch jene des Bewusstseins selbst.
Die Flucht
Nach fünf Wochen des Wanderns durch diese traumhafte Leere fassten wir den Entschluss zur Rückkehr. Nicht, weil unsere Vorräte erschöpft gewesen wären – merkwürdigerweise schienen sie sich langsamer zu verbrauchen, als es natürlich hätte sein sollen, als würde auch die Zeit selbst in diesem Lande gedehnt und verlangsamt –, sondern weil wir beide spürten, dass ein längerer Aufenthalt unseren Verstand gefährden könnte. Bereits jetzt fiel es mir schwer, mich an die Namen einfacher Dinge zu erinnern. Worte entzogen sich mir, rutschten aus dem Gedächtnis wie Fische aus nassen Händen. Ander sprach zuweilen ganze Sätze, die keinen Sinn ergaben, ohne es zu bemerken, und ich selbst ertappte mich dabei, wie ich stundenlang schweigend ging, ohne einen einzigen klaren Gedanken zu fassen.
Der Rückweg gestaltete sich auf eine Weise kurz, die jeder Logik spottete. Es war, als schrumpfte die Entfernung, sobald wir uns von diesem rätselhaften Osten abwandten. Innerhalb weniger Tage – drei oder vier, ich bin mir nicht sicher, denn meine Aufzeichnungen aus jener Zeit sind verworren und widersprüchlich – erreichten wir wieder bekanntes Gebiet. Mit jedem Schritt kehrte das Gefühl für Zeit und Raum zurück, als stiege man aus trübem Wasser auf in klare Luft. Die Schattenruhe begann wieder zu den gewohnten Stunden, und ihr Einsetzen fühlte sich an wie eine Umarmung. Die Monde erschienen am Nachthimmel und in der Besinnungsphase, als beide im Zenit standen, weinte ich vor Erleichterung über ihre Rückkehr.
Die Erkenntnis
Erst als wir wieder in der Sicherheit der Jakintza Ezagutza angelangt waren, zwischen den vertrauten Wänden des Forschungstraktes, umgeben von Büchern und Instrumenten und den gewohnten Gesprächen der Kollegen, vermochte ich über das Erlebte zu reflektieren. Was wir gesehen hatten, spottete jeder wissenschaftlichen Erklärung. Es war weder lebend noch tot, weder real noch unwirklich, sondern etwas, für das unsere Kategorien keine Begriffe besitzen – ein Zustand der Existenz, der sich der Sprache entzieht wie Wasser der Hand.
In der Zeit, die seither vergangen ist – und es sind nun beinahe zwei Jahre –, habe ich viele Hypothesen erwogen und wieder verworfen. Vielleicht ist dieses Land ein Überrest aus der Zeit vor der ersten Himmelsgleiche, ein Gebiet, das von den großen Veränderungen jener Epoche unberührt blieb und deshalb in einem Zustand verharrte, der älter ist als die gegenwärtige Ordnung der Welt. Oder es ist das Gegenteil – ein Ort, an dem die Naturgesetze selbst aufgehört haben zu wirken, in dem sich die Wirklichkeit aufgelöst hat in bloße Form ohne Inhalt. Manche meiner Kollegen spekulieren, es könne sich um eine Art Spiegelung handeln, einen Raum, der durch unbekannte Kräfte entstanden ist und die Welt nachahmt, ohne sie zu sein.
Doch je länger ich darüber nachdenke, je öfter ich meine Aufzeichnungen lese und jene spärlichen Skizzen betrachte, die wir angefertigt haben, desto mehr bin ich geneigt zu glauben, dass wir an die Grenzen dessen gestoßen sind, was menschlicher Verstand zu erfassen vermag. Vielleicht gibt es Bereiche der Wirklichkeit, die sich der Forschung entziehen – nicht weil sie zu komplex sind, sondern weil sie zu einfach sind. So einfach, dass sie das Schweigen selbst verkörpern: die Abwesenheit, die Leere, den Raum zwischen den Dingen, in dem nichts ist und doch etwas sein muss, damit das Nichts einen Ort hat, an dem es sein kann.
Das einzige, was mir gewiss bleibt, ist das Rauschen des Windes im Grase, das ich noch heute in stillen Momenten zu hören glaube – besonders während der Besinnungsphase, wenn die Monde hoch stehen und die Welt zwischen beiden Schlafphasen innehält. Ein Geräusch, das aus einem Land kommt, das vielleicht das Schweigen selbst ist, wartend und still am Rande unserer Welt. Und manchmal, in jenen Stunden zwischen Wachen und Träumen, frage ich mich, ob wir jemals wirklich zurückgekehrt sind – oder ob ein Teil von uns dort geblieben ist, wandernd durch diese vollkommene Leere, unfähig, den Weg nach Hause zu finden.
Geschrieben im Herbst des Jahres 520 NZ in der Jakintza Ezagutza
Maisu Koldo ez'Ezagutza-barne-bi Ikertzaile
Nachtrag, Winter 521 NZ: Ander hat vor drei Monaten die Akademie verlassen, ohne Abschied oder Erklärung. Seine Kollegin berichtet, er habe zuletzt häufig gen Osten geblickt und von einer Stimme gesprochen, die ihn rufe. Ich habe die seinen Auzozirkel informiert, doch bisher konnte man ihn nicht finden. Mögen sein Verstand bewahrt bleiben – wo immer er auch sein mag.