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Vellan Aclasri

"Wir sind keine Wächter über die Träume der Menschen. Wir sind Gärtner. Wenn ein Baum krankt, entfernen wir die kranken Äste, nicht um zu bestrafen, sondern damit der ganze Garten wieder gedeihen kann." — Meister Avinus, überliefert von Vellan bei seiner eigenen Einführung


Kurzprofil

Kategorie Information
Volk/Region Cel Hushi, Rasnal (Eisnar Fanu)
Funktion/Titel Harmoniewahrer im Dienst des Eisnar Fanu
Aufenthaltsort Rasnal, äußerer Ring des Eisnar Fanu; reist in die Dörfer und Traumzirkel der Luruna-Region, sobald eine Dissonanz gemeldet wird
Alter 19 Jahre (beste Jahre)
Verbindungen Luritha Velitnei, Nethir Methlna, Sirina Aiseras (Gefährten seiner ersten großen Reise); Meister Avinus, sein Lehrer im Eisnar Fanu; die Eisnar Cipen, denen er dient, ohne dass er behaupten würde, sie wirklich zu kennen
Besondere Fähigkeiten Ein Schleier aus Traumseide, der gestörte Traumfäden sichtbar macht und neu zu verbinden vermag; Schulung im Abwehren fremder Eingriffe auf den eigenen Geist; kein Kämpfer – seine Werkzeuge sind Gespräch und Geduld

Erscheinungsbild

Vellan trägt sein Haar kurzgeschoren; die olivfarbene Haut trägt schon jetzt feine Fältchen um Augen und Mundwinkel, tiefer eingegraben, als seine Jahre vermuten ließen – vom ständigen Wachen über fremde Träume, sagen manche im Eisnar Fanu –, bis auf den kurzen Bart, den jeder Harmoniewahrer bei seiner Einführung von Grau nach Weiß färbt: ein sichtbares Zeichen des Amtes, kein Hinweis auf Alter, auch wenn Fremde ihn deswegen zuverlässig für einen alten Mann halten. Unterwegs trägt er den kunstvoll verzierten Schleier aus Traumseide über den Augen, den jeder seines Standes bei sich führt – Nachtfalter umschwirren ihn mitunter im Zwielicht, als suchten sie das schwache Schimmern der eingewebten Fäden; im Ruhezustand liegt der Schleier locker um seinen Hals wie ein zweiter Kragen. Seine Bewegungen sind bedächtig, seine Hände auffallend oft sichtbar leer und offen gehalten – eine Angewohnheit, die er sich in der Ausbildung zugelegt hat und die ihm inzwischen so natürlich ist wie Atmen.


Persönlichkeit

Vellan glaubt an das, was er tut, mit einer Aufrichtigkeit, die sich nicht spielen lässt. Wo andere Harmoniewahrer mit den Jahren eine gewisse Routine entwickeln, begegnet er jeder Dissonanz noch mit derselben ernsten Sorge wie am ersten Tag – nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil ihm das Leid der Betroffenen tatsächlich nahegeht. Er ist kein Mann der schnellen Urteile: Wo Sirina zur Härte neigt, sucht er das Gespräch, selbst mit denen, die er am Ende doch aufhalten muss. Seine Ruhe wirkt auf manche wie Weisheit, auf andere wie eine Art Blindheit gegenüber allem, was seiner eigenen Überzeugung widerspricht – beide haben, jeder auf seine Weise, nicht ganz unrecht.

Was ihn von den älteren Cipen unterscheidet, mit denen er selten direkt zu tun hat, ist eine Offenheit, die er selbst nicht als besonders empfindet: Er stellt Fragen, auch unbequeme, und erwartet ehrlich, Antworten zu bekommen. Dass diese Fragen bei ihm nie lange nachhallen, sondern sich nach kurzer Zeit von selbst zu klären scheinen, ist ihm nie aufgefallen – wieso auch sollte es ihm auffallen, wenn selbst die Erleichterung darüber sich echt anfühlt.


Hintergrund

Als der dreifache Traum ihn fand – ein Dorf am Luruna-See, Luritha genannt, über das sich ein Netz aus Dissonanz spannte –, war Vellan noch keine zwei Jahre im Amt. Er brach auf, wie es sein Auftrag verlangte, und traf im Innenhof des Eisnar Fanu auf Luritha Velitnei, eine Traumdeuterin, die denselben Ort in ihren eigenen Bildern gesehen hatte. Am Südtor stießen Nethir Methlna, ein Weber aus Traumseide, und Sirina Aiseras, eine wandernde Jägerin, zu ihnen. Was die vier auf dem Weg dorthin gemeinsam träumten – ein Netz aus unsichtbaren Fäden, fest wie Stahl, über einem schlafenden Dorf –, bestätigte, was Vellan bereits ahnte: Hier war jemand am Werk, der die Harmonie eines ganzen Ortes gestört hatte.

In einer Höhle am Nordufer des Sees fanden sie fünf Mitglieder der Zilac Hevil, die mit einem Gerät aus Kupferdrähten und Kristallen die Dorfbewohner absichtlich von den tieferen Schichten des Taru abschnitten – in der Überzeugung, sie damit aus einem Käfig zu befreien, den sie kollektive Harmonie nannten. Vellan versuchte zunächst das Gespräch; als die Fremden stattdessen mit einem mentalen Angriff antworteten, der auch ihn traf – Zweifel an seiner eigenen Ausbildung, Stimmen hinter verschlossenen Türen, die er aus einem alten Traum kannte –, war es Sirina, die mit gezielten Pfeilen das Gerät zerstörte. Die Frau mit dem Kupferarmreif, die die Gruppe angeführt hatte, brach weinend zusammen. Vellan sorgte dafür, dass keiner der fünf bestraft, sondern in die Obhut eines Velanikreises in Rasnal gegeben wurde. Innerhalb weniger Tage kehrte die Harmonie nach Luritha zurück.

Am letzten Abend am Ufer des Sees, allein unter den drei Monden, spürte Vellan für einen Herzschlag lang etwas, das er nie wieder erwähnt hat: die Frage, ob die Frau mit dem Kupferarmreif nicht vielleicht recht gehabt haben könnte. Der Gedanke war noch nicht ganz zu Ende gedacht, als das vertraute, beruhigende Pulsieren der Harmonie ihn schon wieder auflöste, sanft wie eine Hand auf einem fiebrigen Kind. Am nächsten Morgen erinnerte sich Vellan an eine schöne, klare Nacht am See – und an sonst nichts.


Rolle in der Welt

Vellan gehört zu jenen Harmoniewahrern, die man Dörfern schickt, wenn Zartgefühl wichtiger ist als Härte. Er hat seither mehrere ähnliche Dissonanzen begleitet, stets mit demselben Muster: aufsuchen, zuhören, überzeugen, wenn nötig eingreifen, nie strafen. In den östlichen Kommunen der Luruna-Region kennt man ihn inzwischen als den jungen Wahrer mit den leeren, offenen Händen, der lieber fragt als befiehlt – ein Ruf, der ihm unter den Cel Hushi mehr Vertrauen einbringt als jede Autorität es könnte.

Für Spielercharaktere, die in Cel Atiz auf Widerstand gegen die herrschende Harmonie stoßen, ist Vellan eine der zugänglichsten Figuren des Eisnar Fanu – aufrichtig, gesprächsbereit, nie bedrohlich. Gerade das macht ihn zu einem besonders wirksamen Werkzeug der Ordnung, die er vertritt, ohne es zu wissen.


Gerüchte und Geheimnisse

In den äußeren Ringen des Eisnar Fanu flüstert man, dass besonders vielversprechende junge Harmoniewahrer irgendwann in die inneren Ringe eingeladen werden – und dass jene, die zurückkehren, sich stets ein wenig verändert anfühlen. Niemand, der Vellan kennt, hat diesen Gedanken je laut zu Ende gesprochen.

Eine ehemalige Bewohnerin von Luritha, die das Dorf nach jener Nacht verließ und nie zurückkehrte, soll einmal gesagt haben: „Er glaubt wirklich, dass er uns geholfen hat. Das macht es nicht leichter zu ertragen."

Vellan selbst würde, danach gefragt, zugeben, dass er manchmal – für einen Lidschlag, kaum spürbar – etwas wie eine Frage in sich aufsteigen fühlt, kurz bevor die gewohnte Ruhe zurückkehrt. Er hat aufgehört, sich zu fragen, wonach sie eigentlich fragt.


"Er glaubt wirklich, dass er uns geholfen hat. Das macht es nicht leichter zu ertragen." — Eine ehemalige Bewohnerin von Luritha