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Vellan Aclasri

"Wir sind keine Wächter über die Träume der Menschen. Wir sind Gärtner. Wenn ein Baum krankt, entfernen wir die kranken Äste, damit der ganze Garten wieder gedeihen kann."
— Meister Avinus zu Vellan, bei dessen Einführung


Kurzprofil

Kategorie Information
Volk/Region Cel Hushi, Rasnal (Eisnar Fanu)
Funktion/Titel Harmoniewahrer im Dienst des Eisnar Fanu
Aufenthaltsort Rasnal, äußerer Ring des Eisnar Fanu; reist in die Dörfer und Traumzirkel der Luruna-Region, sobald eine Dissonanz gemeldet wird
Alter 26 Jahre (späte Jahre)
Verbindungen Luritha Velitnei, Nethir Methlna, Sirina Aiseras (Gefährten seiner ersten großen Reise); Meister Avinus, sein Lehrer im Eisnar Fanu; das Andenken Thanas, seiner verstorbenen Frau; die Eisnar Cipen, denen er dient, ohne dass er behaupten würde, sie wirklich zu kennen
Besondere Fähigkeiten Ein Schleier aus Traumseide, der gestörte Traumfäden sichtbar macht und neu zu verbinden vermag; Schulung im Abwehren fremder Eingriffe in den eigenen Geist; kein Kämpfer – seine Werkzeuge sind Gespräch und Geduld

Erscheinungsbild

Porträt des Cel-Hushi-Harmoniewahrers Vellan Aclasri – kurzgeschorenes Haar, weiß-grau gefärbter Bart, ein golden verzierter Schleier aus Traumseide über den Augen, zwei Nachtfalter am Schleierrand.

Vellan trägt das Haar kurzgeschoren, das Gesicht bis auf einen kurzen Bart glatt. Um Augen und Mundwinkel der olivfarbenen Haut liegen schon jetzt feine Fältchen, tiefer eingegraben, als seine Jahre es erwarten ließen – vom ständigen Wachen über fremde Träume, sagen manche im Eisnar Fanu. Den Bart färbt jeder Harmoniewahrer bei seiner Einführung von Grau in Weiß: ein sichtbares Zeichen des Amtes, kein Hinweis auf Alter, auch wenn Fremde ihn deswegen zuverlässig für einen alten Mann halten.

Unterwegs liegt der kunstvoll verzierte Schleier aus Traumseide über seinen Augen, den jeder seines Standes bei sich führt; im Zwielicht umschwirren ihn mitunter Nachtfalter, als suchten sie das schwache Schimmern der eingewebten Fäden. Ruht die Arbeit, liegt der Schleier locker um seinen Hals wie ein zweiter Kragen. Seine Bewegungen sind bedächtig, seine Hände auffallend oft sichtbar leer und offen gehalten – eine Angewohnheit aus der Ausbildung, die ihm inzwischen so natürlich ist wie Atmen. Nur wer genauer hinsieht, bemerkt, dass diese Hände breiter und schwieliger sind, als man es von einem Harmoniewahrer erwarten würde – ein Rest aus Jahren an der Töpferscheibe, den keine Ausbildung mehr glätten konnte.


Persönlichkeit

Vellan glaubt an das, was er tut, mit einer Aufrichtigkeit, die sich nicht spielen lässt. Wo andere Harmoniewahrer mit den Jahren eine gewisse Routine entwickeln, begegnet er jeder Dissonanz noch mit derselben ernsten Sorge wie am ersten Tag – nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil ihm das Leid der Betroffenen tatsächlich nahegeht. Er ist kein Mann der schnellen Urteile: Wo Sirina zur Härte neigt, sucht er das Gespräch, selbst mit denen, die er am Ende doch aufhalten muss. Seine Ruhe wirkt auf manche wie Weisheit, auf andere wie eine Art Blindheit gegenüber allem, was seiner eigenen Überzeugung widerspricht – beide haben, jeder auf seine Weise, nicht ganz unrecht.

Was ihn von vielen anderen Harmoniewahrern unterscheidet, ist eine Offenheit, die er selbst nicht als besonders empfindet: Er stellt Fragen, auch unbequeme, und erwartet ehrlich, Antworten zu bekommen. Dass diese Fragen bei ihm nie lange nachhallen, sondern sich nach kurzer Zeit von selbst zu klären scheinen, ist ihm nie wirklich aufgefallen.


Hintergrund

Den ersten und längeren Teil seines Lebens formte Vellan Krüge, nicht Träume. In einem Weiler am Luruna-See drehte er Tag für Tag denselben Ton auf derselben Scheibe, die schon sein Vater bedient hatte, und teilte Haus und Werkstatt mit Thana, die die Krüge bemalte, nachdem er sie gebrannt hatte. Als eine Lungenentzündung sie in einer einzigen Schattenruhezeit dahinraffte, ohne dass die Kräuterfrauen des Dorfes mehr als Trost anzubieten hatten, hörte er auf, Ton anzurühren. Was er noch anzurühren vermochte, waren die Nächte: Er begann, an einem Velani am Seeufer teilzunehmen, zunächst nur, weil ein Nachbar ihn mitnahm und die Alternative das leere Haus war.

Was er dort fand, war keine Erklärung für seinen Verlust, aber ein Ort, an dem der Schmerz nicht allein lag. Sein Velatari bemerkte bald, dass Vellans Träume ungewöhnlich klar in den geteilten Bildern der anderen anklangen, dass er Fäden sah, die andere erst nach Jahren zu unterscheiden lernten. Die Empfehlung nach Rasnal kam ohne große Worte, wie es unter den Cel Hushi üblich ist, und Vellan folgte ihr, weil ihm zum ersten Mal seit Thanas Tod etwas wieder wie ein Weg vorkam und nicht wie ein Tag, der überstanden werden musste. Er tauschte die Töpferscheibe gegen den Schleier aus Traumseide; sein Bart trägt seither die weiße Farbe des Amtes.


Rolle in der Welt

Vellan gehört zu jenen Harmoniewahrern, die man Dörfern schickt, wenn Zartgefühl wichtiger ist als Härte. Er hat seither mehrere ähnliche Dissonanzen begleitet, stets mit demselben Muster: aufsuchen, zuhören, überzeugen, wenn nötig eingreifen, nie strafen. In den östlichen Kommunen der Luruna-Region kennt man ihn inzwischen als den jungen Wahrer mit den leeren, offenen Händen, der lieber fragt als befiehlt – ein Ruf, der ihm unter den Cel Hushi mehr Vertrauen einbringt als jede Autorität es könnte.

Für Spielergruppen, die in Cel Atiz auf Widerstand gegen die herrschende Harmonie stoßen, ist er die zugänglichste Tür in den Eisnar Fanu: aufrichtig, gesprächsbereit, nie bedrohlich. Gerade das macht ihn zum wirksamsten Werkzeug jener Ordnung, für die er einsteht – ohne dass er es wüsste.


Gerüchte und Geheimnisse

In den äußeren Ringen des Eisnar Fanu flüstert man, dass besonders vielversprechende junge Harmoniewahrer irgendwann in die inneren Ringe eingeladen werden – und dass jene, die zurückkehren, sich stets ein wenig verändert anfühlen.

Vellan selbst würde, danach gefragt, zugeben, dass er manchmal – für einen Lidschlag, kaum spürbar – etwas wie eine Frage in sich aufsteigen fühlt, kurz bevor die gewohnte Ruhe zurückkehrt. Er hat nie den Drang verspürt, diese Frage zu erkunden.


"Er glaubt wirklich, dass er uns geholfen hat. Das macht es nicht leichter zu ertragen."
— Eine ehemalige Bewohnerin von Luritha