Direkt zum Hauptinhalt

Aldrich Eichental

"Man nannte mich einst nur Druide. Doch der Stein in meiner Faust und das Fell auf meinem Arm gehorchen keinem einzelnen Namen."


Kurzprofil

Kategorie Information
Volk/Region Aus'Harringer, Eichental-Stamm
Funktion/Titel Druide; ohne offiziellen Titel Hüter einer alten Stätte nahe Eichenhain
Aufenthaltsort Meist unterwegs mit Nilas und Saula in den nördlichen Grenzgebieten; Heimatzirkel in Eichenhain
Alter 28 Jahre (späte Jahre)
Verbindungen Nilas, Noaidi vom Guovssahas-sidd; Saula, argitarischer Krieger; sein Zirkel in Eichenhain
Besondere Fähigkeiten Naturkommunion, seltene doppelte Bindung an Tier- und Steinwesen, Gespür für unruhige alte Stätten

Erscheinungsbild

Aldrich trägt seinen Pelzmantel wie ein zweites Fell – abgewetzt an den Schultern, an den Ärmeln geflickt mit Leder aus drei verschiedenen Häuten, jede von einer anderen Reise. Sein rotbraunes Haar hält er in enge, geflochtene Zöpfe gebunden, durchzogen mit kleinen Holzperlen, von denen jede einen Ort markiert, an dem er einst rastete. Sein Gesicht ist wettergegerbt, jünger als sein Blick vermuten lässt, und seine Hände tragen feine, helle Narben, die nicht von Waffen stammen – eher von etwas, das sich unter der Haut bewegt hat und wieder zur Ruhe kam.


Persönlichkeit

Aldrich ist der Ruhepunkt zwischen zwei ungleichen Gefährten – Nilas' Gewissheit und Saulas Ungeduld treffen in ihm auf einen Mann, der beides ernst nimmt und keinem von beiden vorschnell folgt. Er spricht selten zuerst, hört lange zu, und wenn er sich äußert, klingt es weniger nach Meinung als nach einer Beobachtung, die er sich lange nicht erlaubt hat auszusprechen. Diese Zurückhaltung wird gelegentlich als Zögerlichkeit missverstanden; wer länger mit ihm reist, erkennt darin eher Vorsicht – die eines Mannes, der einmal zu schnell gehandelt hat und die Folgen noch immer in den Narben an seinen Händen trägt.

Was ihn von den meisten Druiden seines Zirkels unterscheidet, ist eine leise Unruhe, die ihn selten ganz loslässt: das Wissen, dass er zwei Kräfte in sich trägt, die eigentlich getrennten Pfaden angehören – eine Doppelung, die seine Linie offenbar erwartet, ohne sie je zu erklären. Man lehrte ihn, was zu tun ist, nie warum. Seit dem Bruch mit seinem Vetter fragt er sich häufiger, als er zugeben würde, ob diese Art zu schweigen seine Familie eher schützt oder am Ende verliert.


Hintergrund

Aldrichs Familie gehört zu jenen Eichenhainer Häusern, die seit Generationen eine bestimmte alte Stätte nahe der Stadt betreuen – ein Steinkreis kleiner als der Große Steinkreis von Eichental, kaum bekannt außerhalb des Zirkels. Man lehrt die Kinder dieser Häuser, den Kreis zu grüßen, ihn zu pflegen und zu bestimmten Zeiten dorthin zu gehen, ohne je zu fragen, warum – ein striktes Schweigegebot, dessen eigentlichen Grund ihm sein Vater nie erklärte, wohl weil auch er ihn nicht mehr kannte. Als Junge durchlief Aldrich, wie es Brauch seiner Linie ist, eine Nacht allein am Kreis; was genau dort mit ihm geschah, bespricht die Familie bis heute nicht, doch seither trägt er zwei Zeichen: die Fähigkeit, seine Fäuste zeitweise in Stein zu verwandeln, und – seltener, unwillkürlicher – ein Rückfall in beinahe tierische Reflexe, Klauen und Fell, wenn ihn Angst oder Zorn übermannen. Sein Zirkel sah darin kein Unglück, sondern die Bestätigung eines alten Musters, und schickte ihn früh und gründlich in Ausbildung, weit über das übliche Maß eines Druidenlehrlings hinaus.

Reifer wurde er nicht durch jene Nacht, sondern durch das, was ihr folgte: Ein Vetter seines Hauses, mit dem er aufgewachsen war, wandte sich in seinen jungen Jahren von den stillen Pflichten der Familie ab und einem anderen, lauteren Pfad zu, den man dort seither nicht mehr beim Namen nennt. Was zwischen ihnen vorfiel, spricht Aldrich nicht aus – nur, dass er seither weiß, wie schmal der Grat zwischen Bewahren und Verlorengehen sein kann, und dass Blutsbande dafür keine Gewähr sind.

Vor mehreren Jahren begleitete er als Schutz einer Handelskarawane aus Wolfsthal in den hohen Norden, nahe Duottar-Vari, wo er auf Nilas und Saula traf. Was als gemeinsamer Auftrag begann, wurde zu einer dauerhaften Gefährtenschaft, nachdem die drei gemeinsam eine entführte Karawane aus den Klauen der Vajaldahti befreiten und dabei erstmals von einer Gestalt namens Azaril hörten, die selbst jene Wesen zu fürchten scheinen. Seither reisen sie gemeinsam weiter, getrieben von einer Ahnung, dass diese Begegnung kein Einzelfall war.


Rolle in der Welt

In Eichenhain gilt Aldrich als einer, der weiter gereist ist als die meisten seines Zirkels und dennoch wiederkommt, um seiner Familie bei den stillen Pflichten an der alten Stätte beizustehen, sooft es sein Weg erlaubt. In den Grenzgebieten des Nordens ist er weniger als Druide denn als Teil eines verlässlichen Dreiergespanns bekannt, das Karawanen sicher durch unruhige Pässe geleitet und sich nicht scheut, dorthin zu gehen, wo andere Geleitschützer umkehren.

Mit der nahenden Himmelsgleiche wächst seine Sorge, dass die Ruhe an der Stätte seiner Familie nicht mehr selbstverständlich ist – eine Sorge, die er bislang nur Nilas anvertraut hat.


Gerüchte und Geheimnisse

In Eichenhain flüstert man, die Eichentals hüteten seit Menschengedenken etwas, das größer ist als ein gewöhnlicher Steinkreis – niemand außerhalb der Familie weiß, was.

Reisende aus dem Norden erzählen von einem Druiden, dessen Fäuste zu Stein wurden, um Kristalle zu zerschlagen, die Menschen ihre Träume raubten – manche halten die Geschichte für ausgeschmückt, andere schwören, sie hätten die Narben mit eigenen Augen gesehen.

Ein Ältester seines Zirkels soll einmal gesagt haben, Aldrich sei „mit zwei Zungen gesegnet, von denen keine ganz die seine ist" – eine Bemerkung, die Aldrich bis heute nicht kommentiert.

Manche in Eichenhain erinnern sich an einen zweiten Sohn seines Hauses, der vor Jahren fortging und nie zurückkehrte – man nennt seinen Namen nicht mehr laut, doch mancher alte Nachbar mustert Aldrich seither mit einem Blick, der mehr fragt, als er sagt.


"Wo Aldrich rastet, rasten auch die Steine. Das ist kein Zufall, sagen die Alten. Zufälle merkt man sich nicht so lange." — Zugeschrieben einem Ältesten aus Eichenhain