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Weraldiz – Kosmologie

Zwischen Sternenrhythmus und Ringschatten: Die himmlische Mechanik einer Welt mit zwei Sonnen, drei Monden, zwei Ringführern und einem lebendigen Ring


"Mit bloßem Auge zählen wir alles, was über uns wandelt: zwei Sonnen, drei wahre Monde, zwei Ringführer und Barkuz, der sie alle umfängt. Eine tägliche Erinnerung an das Geschenk, als so kleiner Teil des Kosmos vom wohlwollenden Blick des Höchsten Seins und der Führung seiner Heerscharen gesegnet zu sein."
— Lichtträger Theomund, Orden der Lampe

Der Himmel über Weraldiz gibt den Rhythmus von Tag und Jahr vor – und mit ihm die Bilder, in denen die Völker ihr Innerstes fassen. Der goldene und der blaue Tanz der Doppelsonnen, die ungleichen Bahnen der fünf Wanderer und der schimmernde Ring Barkuz sind niemandem auf dieser Welt fremd; wohl aber ist jedem etwas anderes an ihnen heilig.


Die Himmlische Ordnung

Im Zentrum steht das ungleiche Gespann aus Dagaz und Kaldaz – zwei grundverschiedene Sterne, deren Reigen die fünf Jahreszeiten bestimmt. Dagaz leuchtet in warmem Gold und schenkt Leben, Kaldaz erstrahlt in kaltem Blau und bringt Klarheit. Wo ihre Sternwinde aufeinandertreffen, entstehen Polarlichter, die vielen als Zeichen göttlicher Zwiesprache gelten.

Über diesem Sonnentanz kreisen fünf Himmelskörper, die keine Kultur miteinander verwechselt: die drei wahren Monde Hwīlô, Marōną und Draupnaz – der letzte rückläufig, farbwechselnd und ohne jeden festen Zyklus –, die über Wochen ihre Phasen durchlaufen und die Meere bewegen, sowie die beiden Ringführer Inara und Velka, phasenlose Sternpunkte, die ihre Bahn in Stunden vollenden und den Ring lenken. Nach den Monden richtet man das Gebet, nach den Ringführern die Uhr.

Der silbern schimmernde Barkuz umschließt die Welt wie eine Krone. Jeden Tag wandert eine verdichtete Zone des Rings über den Himmel und taucht die Welt für sechs Stunden in das gedämpfte Licht der Schattenruhe. Der Ring ist kein starres Gebilde, sondern ein wanderndes System aus Dichtewellen, das dem Lauf der Ringführer mit uhrmacherischer Genauigkeit folgt.


Fünf Wege des Verstehens

Alle Bewohner von Weraldiz betrachten denselben Himmel; die Deutungen aber entzweien sich, kaum dass der Blick nach oben wandert. Nirgends schärfer als an Draupnaz, der sich als einziger jeder Berechnung entzieht.

Wo die Kirche von Auwharin in den himmlischen Bewegungen die geordnete Herrschaft der Himmlischen Heerscharen erkennt, sucht Non'Gauden in denselben Bahnen nur Muster, die sich mit hinreichender Genauigkeit erfassen lassen – Glaube gegen Berechnung. Und doch ringt derselbe Mond beiden dasselbe Eingeständnis ab: Auwharin nennt Draupnaz einen unberechenbaren göttlichen Boten, ein Zeichen dafür, dass selbst das Höchste Sein Überraschungen bereithält; Non'Gauden nennt ihn schlicht die Variable, die jedes Modell zum Einsturz bringt.

Die Lithi kennen keine Bahnen, nur Geister: Die Gestirne leben, und Draupnaz ist unter ihnen "Mánnák Nieida", die Mondtochter, die frei zwischen den Sphären wandelt, während Barkuz als Heimat der aufgestiegenen Bajasdolgi und ihrer Ahnen gilt. Bei Cel Atiz löst sich diese Lebendigkeit noch weiter auf: Die Himmelsbewegungen selbst werden Teil eines großen Netzes kollektiver Traumarbeit, in dem "Manna Rixna", der immer neue Mond, aus den tiefsten Schichten aufsteigt.

Die Ungesehenen der Küstenstädte sprechen selten über den Himmel, und wenn, dann nur in Andeutungen. Draupnaz heißt bei ihnen Unveyn'lavar, „das Licht, das nicht sein sollte" – ein Name, den man ihnen nur mit gesenkter Stimme entlockt.


„Wir sind Kinder zweier Sonnen, Erben dreier Monde, Zeugen tanzender Sterne und Bewohner unter dem ewigen Ring. Unser Schicksal ist in den Himmel geschrieben – nicht als unabänderliches Urteil, sondern als ewige Einladung zum Tanz zwischen Erde und Gestirn."
— Aus Philosophische Betrachtungen zur Himmelskunde von Maistra Izaskun ez'Adimen-goi-bat Begiesle