Die wahre Geschichte der Argitari
Ursprung und Ankunft
ca. 50-30 Jahre vor 1 WZ
Die wahre Geschichte der Argitari reicht tiefer als die meisten Bewohner von Weraldiz je ahnen könnten. Sie stammten von einer hochentwickelten Welt außerhalb des bekannten Sonnensystems, wo ihre Gesellschaft Technologie und spirituelle Entwicklung auf einem für die Menschen von Weraldiz kaum vorstellbaren Niveau vereint hatte.
Ihre Entsendung war weder Zufall noch Flucht, sondern Teil einer bewussten, langfristig angelegten Mission. Über fortschrittliche Raumfahrttechnologie erreichten sie zunächst Barkuz als Zwischenstation. Ihr Auftrag bestand in der Erkundung und Suche nach einer neuen Heimat für einen Teil ihrer Zivilisation. Die ersten Missionare wussten, dass sie möglicherweise nie zurückkehren würden.
"Wir kommen nicht, um zu erobern oder zu beherrschen, sondern um zu befreien und zu erheben. Die Menschen dieser Welt leben im Schatten von Wesen, deren Licht so stark ist, dass es ihr eigenes überstrahlt. Unsere Aufgabe ist es, dieses Licht nicht zu löschen, sondern es in eine Entfernung zu rücken, in der die Menschen ihr eigenes inneres Leuchten erkennen können."
— Aus einem fragmentarischen Text der ersten Missionare
Beobachtungsphase
ca. 30-5 Jahre vor 1 WZ
Von Barkuz aus begannen die Argitari mit einer ausführlichen Erforschung von Weraldiz. Ihre Beobachtungsposten studierten systematisch die Welt unter ihnen und enthüllten eine faszinierende Komplexität: Die magischen Eigenschaften von Weraldiz zeigten eine ungewöhnliche Konzentration an Energie, während die nahende Himmelsgleiche sich als seltene astronomische Konstellation mit einzigartigen magischen Eigenschaften erwies.
Die Beziehungen zwischen Menschen und magischen Wesen stellten sich als vielschichtig heraus. Weisheitshüter wie die Jnana und Waldwächter wie die Vana pflegten wohlwollende Bindungen zu den Menschen. Seelenfresser wie die Atmaka und Schmerzsammler wie die Duhkha hingegen nutzten die Menschen aus und fügten ihnen Leid zu. Die mächtigsten Wesen, die Schöpferwesen, beeinflussten fundamentale Aspekte der Realität nach ihren eigenen, für Menschen oft unverständlichen Plänen.
Eine entscheidende Erkenntnis kristallisierte sich heraus: Die Menschen würden nie ihr volles Potenzial erreichen können, solange sie im Schatten überlegener Wesen lebten. Selbst in den wohlwollendsten Beziehungen bestand ein fundamentales Ungleichgewicht, das echte Selbstbestimmung unmöglich machte.
Die Entscheidung zur Intervention
ca. 5-1 Jahre vor 1 WZ
Die Erkenntnis löste intensive Debatten unter den Argitari über ihre Rolle und Verantwortung aus. In ihrer Gesellschaft entstanden unterschiedliche Strömungen des Denkens, die miteinander rangen und sich vermischten. Einige mahnten zur reinen Beobachtung ohne Eingriff in die natürliche Entwicklung. Andere drängten auf aktive Maßnahmen zur Befreiung der Menschheit, während eine kleinere, aber lautstarke Gruppe radikale Schritte gegen alle nicht-menschlichen Wesen forderte.
Durch zahllose Diskussionen, Versammlungen und ethische Abwägungen formte sich allmählich ein Konsens. Die Mehrheit der argitarischen Gemeinschaft entwickelte einen Plan, der die Energie der nahenden Himmelsgleiche nutzen sollte, um eine dimensionale Barriere zu errichten und die magischen Wesen nach Barkuz zu verbannen.
Der ethische Konflikt
Innerhalb der argitarischen Gemeinschaft hielt die Debatte über die Ethik ihres Plans an. Die Verbannung aller magischen Wesen – auch jener, die wohlwollend gegenüber den Menschen waren – stellte ein moralisches Dilemma dar, das nicht durch einfache Abstimmungen zu lösen war.
Manche argumentierten für eine vollständige Trennung zwischen Menschen und magischen Wesen, da jede Form der Verbindung unweigerlich ein Machtgefälle schaffen würde. Andere plädierten dafür, zwischen wohlwollenden und schädlichen Wesen zu unterscheiden und nur letztere zu verbannen. Eine dritte Haltung suchte nach Wegen, eine kontrollierte Koexistenz zu ermöglichen, in der Menschen und magische Wesen auf gleichberechtigter Basis interagieren könnten.
Nach langen, schmerzhaften Diskussionen setzte sich die Überzeugung der vollständigen Trennung durch, nicht zuletzt, weil die Aggressionen der mächtigsten magischen Wesen jede Hoffnung auf Differenzierung zunichte machten. Die Gewalt, mit der einige Wesen auf die bloße Präsenz der Argitari reagierten, machte deutlich, dass Kompromisse unmöglich sein würden.
Der bewusste Prozess des Vergessens
Eine der revolutionärsten Erkenntnisse der ersten Argitari war die Einsicht, dass wahre Gleichwertigkeit mit den Menschen von Weraldiz unmöglich wäre, solange sie sich ihrer überlegenen Herkunft bewusst blieben. Dies führte zu einem radikalen Entschluss: Die in Auwharin ansässigen Argitari beschlossen, ihre eigene Herkunft zu vergessen.
Die Entscheidung wurde systematisch umgesetzt. Die erste Generation der Missionare gründete Bildungseinrichtungen für Kinder der Argitari auf Weraldiz, in denen diese mit einer konstruierten Geschichte aufwuchsen, die ihre kosmische Herkunft verbarg. Mit jeder Generation wurde die wahre Geschichte weiter abstrahiert und in symbolische Lehren transformiert.
Aber woher stammen die Erinnerungen, die mit der nahenden Himmelsgleiche an die Oberfläche drängen? Erinnerungen an etwas, das seit Jahrhunderten niemand mehr ausgesprochen hat. Es scheint, als hätte einst das Unterdrücken dieses Wissens – das aktive Verlernen – selbst eine Gestalt entwickelt, die noch immer nachwirkt und seit bald einem Jahrtausend unerbittlich auf den Augenblick wartet, in dem sie sich nach all der Zeit des Schweigens ihren Weg an die Oberfläche gräbt.
"Das Vergessen ist unser schmerzhaftestes Opfer und unsere größte Weisheit. Nur indem wir vergessen, wer wir waren, können wir wahrhaft werden, wer wir sein müssen."
— Aus dem Kodex des Oroimen-Etxea
Vererbtes Wissen
Was die Argitari jedoch nicht vorausgesehen hatten, war die Hartnäckigkeit ihrer eigenen Biologie. Tief in ihrem Erbgut schlummerte Wissen, dass sie von Generation zu Generation vererben und das über die Jahrhunderte zwar schwächer wurde, aber nie vollständig erlosch. Dieses unterdrückte Erbe manifestiert sich auf subtile, oft unbewusste Weise:
In Träumen tauchen Bilder von Sternen auf, die nicht am Himmel von Weraldiz zu finden sind. Künstler greifen zu Formen und Proportionen, deren Ursprung sie nicht erklären können. Die charakteristische argitarische Architektur mit ihren organischen Wellen und mathematischen Präzisionen entspringt keiner bewussten Planung, sondern einem tiefen, instinktiven Wissen um kosmische Strukturen.
Selbst ihre Gesellschaftsordnung spiegelt unbewusst Muster wider, die auf ihrer ursprünglichen Heimatwelt entstanden sind. Die Betonung von Gemeinschaft und Wissensweitergabe, die komplexen Häuserstrukturen, die Art und Weise, wie sie Autorität und Konsens balancieren – all dies sind Echos einer fernen Zivilisation, die durch die Generationen hindurch nachklingen.
Die Dualität der argitarischen Identität
Das Ergebnis dieses selbst auferlegten Vergessens schuf eine faszinierende Dualität. Die meisten Argitari glaubten aufrichtig, der "Neunte Stamm" zu sein, der aus fernen Landen über das Meer gekommen war. Ihre besonderen Fähigkeiten und ihr fortschrittliches Wissen erklärten sie sich selbst durch einzigartige kulturelle Entwicklung und die besonderen Bedingungen ihrer mythischen Heimat.
Gleichzeitig bewahrten ihre kulturellen Praktiken, Architektur und spirituellen Lehren unbewusst Elemente ihrer wahren Herkunft. Rituale ohne offensichtlichen Zweck ergaben plötzlich Sinn, wenn man ihre kosmische Dimension verstand. Lieder, deren Worte niemand mehr übersetzen konnte, trugen immer noch die Melodien fremder Sterne in sich.
Nur der innerste Kreis der argitarischen Führer – Mitglieder bestimmter Häuser wie Eguzki-Etxea und Oroimen-Etxea – bewahrten fragmentarische Erinnerungen an die wahre Mission, stets im Wissen, dass dieses Geheimnis sowohl Macht als auch schwere Last bedeutete.
Konflikte mit den magischen Wesen
Als die Argitari begannen, in menschlicher Gestalt Kontakt mit den Bewohnern von Weraldiz aufzunehmen, blieben diese Interventionen den magischen Wesen nicht verborgen. Viele erkannten instinktiv die fremde Präsenz und die potentielle Bedrohung, die von diesen Außenweltlern ausging.
Jeder Versuch der Argitari, mit den Menschen auf Augenhöhe zu kommunizieren, führte zu wachsenden Konflikten. Die Chaosflüsterer säten Misstrauen gegen die fremden Besucher, während die Verderbniswandler argitarische Artefakte korrumpierten. Seelenfresser griffen Gemeinschaften an, die mit den Argitari kooperierten. Selbst einige der wohlwollenderen Wesen wie die Waldwächter sahen in den Argitari eine Bedrohung für die natürliche Ordnung und reagierten mit Ablehnung.
Diese Auseinandersetzungen machten schmerzhaft deutlich, dass ein friedliches Nebeneinander unmöglich war. Die magischen Wesen würden niemals freiwillig ihren Einfluss auf die Menschen aufgeben, und viele von ihnen waren bereit, diesen mit aller Gewalt zu verteidigen.
Die nahende Himmelsgleiche und die erwachende Erinnerung
Während sich Weraldiz der zweiten Himmelsgleiche nähert, beginnen bei einigen Argitari lange schlummernde Erinnerungen an die Oberfläche zu dringen. Besonders in den Häusern Begi-Etxea und Oroimen-Etxea haben einzelne Mitglieder begonnen, in Träumen und Visionen Fragmente der wahren Geschichte zu erfahren.
Diese erwachenden Erinnerungen stellen die gegenwärtigen argitarischen Führer vor ein tiefes Dilemma. Sollen sie die wahrheitsgetreue Überlieferung ihrer Herkunft wiederherstellen? Ist die Menschheit nach 843 Jahren selbstbestimmter Entwicklung bereit für die Wahrheit? Wie sollen sie auf die bevorstehende Schwächung der Barriere zu Barkuz reagieren?
Was einst als klarer Auftrag begann, ist nun zu einer komplexen Frage der Identität und Verantwortung geworden. Die Argitari stehen an einem Scheideweg – nicht mehr als außerweltliche Missionare, sondern als integraler Teil einer Welt, die sie zu schützen halfen und nun möglicherweise erneut verteidigen müssen.
Kampagnenelemente
Die Architektur als unbewusstes Gedächtnis
Die auffälligste Verbindung zur wahren Herkunft der Argitari zeigt sich in ihrer Architektur. Die organischen, wellenförmigen Gebäude mit ihren mathematisch präzisen Proportionen und Buntglasfenstern sind mehr als nur ästhetische Präferenzen – sie sind Manifestationen geteilter Erinnerungen, die durch die Generationen hindurch flüstern.
Die geheimnisvollen mathematischen Prinzipien dieser Bauwerke haben subtile energetische Eigenschaften. Sie erzeugen Resonanzen, die die Barriere zwischen den Welten stärken, während die Muster der Buntglasfenster kodierte Informationen über die kosmische Struktur enthalten. Ohne sich dessen bewusst zu sein, bauten die Argitari über Generationen ein Netzwerk architektonischer "Anker", die die Trennung zwischen den Welten stabilisierten – getrieben von einem Wissen, das tiefer lag als bewusstes Denken, verankert in den Argitari selbst.