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Die Tiefenschlünde

Wo die Welt aufhört, sich zu verstellen


„Wer in die Tiefe steigt, der findet nicht, was unter der Welt verborgen liegt. Er findet, was die Welt an der Oberfläche zu sein vorgibt — und was sie darunter aufgehört hat vorzugeben." — Aus den versiegelten Schriften des Ordens der Lampe

Tief unter der Oberfläche von Weraldiz verbirgt sich ein Geheimnis, das selbst den meisten hohen Ordensmitgliedern verborgen bleibt. Was oberflächlich wie ein gewöhnliches — wenn auch ungewöhnlich weitläufiges — Höhlensystem erscheint, ist in Wahrheit etwas grundlegend anderes: Die Tiefenschlünde sind jene Orte, an denen die Wirklichkeit ihren festen Charakter verliert, an denen Stein aufhört, nur Stein zu sein, und die Ordnung der Dinge durchlässig wird für etwas, das dahinter liegt. Nur die innersten Kreise der Sieben Orden und der Hohe Rat kennen das volle Ausmaß dieser Wahrheit — und sie hüten sie mit allen Mitteln.


Struktur und Erscheinung

Wer sich in die Tiefenschlünde vorwagt, wird von einem Anblick empfangen, der die Grenzen zwischen dem Festen und dem Lebendigen verwischt. Entlang der Wände, Decken und Böden verlaufen schimmernde Bahnen — von tiefem Blau über wechselndes Silber bis zu warmem Gold —, die in Rhythmen pulsieren, welche den Zyklen der Monde und der Doppelsonnenstellungen zu antworten scheinen. Es ist, als würde das Gestein an diesen Stellen durchsichtig für etwas, das gewöhnlich unter der Oberfläche verborgen bleibt. Der Fels selbst verändert sich in ihrer Nähe: Er wird härter oder weicher, kristallin oder teilweise durchscheinend, als wüsste er nicht mehr recht, was er sein soll — als hätte er vergessen, fest zu sein, und erinnere sich nur noch ungefähr.

Die Tiefenschlünde sind kein starres Gebilde. Gänge verlängern sich oder verzweigen, Passagen verengen sich oder schließen sich, und manche Höhlen scheinen ihren Ort im Ganzen zu wechseln, als folge die Geographie keiner festen Regel, sondern einer Neigung, die sich von Stunde zu Stunde wandelt. Die räumlichen Verhältnisse gehorchen nicht immer den Gesetzen, die an der Oberfläche selbstverständlich gelten — eine Eigenschaft, die mit zunehmender Tiefe drastisch zunimmt, bis Richtungen ihre Bedeutung verlieren und der Begriff des Ortes selbst ins Schwanken gerät.

Wo mehrere der leuchtenden Bahnen zusammenfließen, bilden sich Knotenpunkte von atemberaubender Weite: kathedralenartige Höhlen, manche von mehreren Meilen im Durchmesser, erfüllt von Formationen aus Säulen und Terrassen, die kein Wasser und kein Druck geformt haben kann. Diese Kammern entwickeln eigene Klimate und einzigartige Lebensgemeinschaften — winzige, eigenständige Welten, in denen andere Regeln gelten als unter dem offenen Himmel.

Die mächtigsten und fremdesten Gebilde sind die Knäuel — Stellen, an denen sich die schimmernden Bahnen so dicht ineinanderverweben, dass die Wirklichkeit selbst ihre Fassung verliert. In ihrer Nähe ändert die Schwere ihre Richtung, die Zeit fließt in ungleichem Maße, und Licht bricht sich in Winkeln, die kein Prisma erzeugen könnte. Im Innersten besonders dichter Knäuel, dort, wo das Gefüge am dünnsten wird, kann es reißen — und Öffnungen freigeben, die an andere Orte oder in gänzlich andere Ordnungen der Dinge führen.


Die Risse

Diese Risse wirken wie zerrissene Bahnen eines Gewebes, das unter Spannung steht — unregelmäßige Öffnungen, die schwebend in der Luft hängen und sich in unvorhersehbaren Zyklen öffnen und schließen. Manche erlauben den Durchgang von Körpern, andere übertragen nur Licht, Klang oder etwas Unbenennbares aus einer fremden Ordnung der Dinge.

Was jenseits dieser Risse liegt, wechselt. Manche führen in Weiten unter fremden Gestirnen, andere zeigen Spiegelungen von Weraldiz — Wirklichkeiten, die hätten werden können und es nicht wurden. Besonders bedeutsam sind die seltenen Verbindungen zu Barkuz, der Sphäre der verbannten Wesen. Ihre Existenz beschäftigt die Gelehrten zunehmend, je näher die Himmelsgleiche rückt.


Das Fundament

Was in den leuchtenden Bahnen sichtbar wird, liegt allem zugrunde, was an der Oberfläche als Magie erfahren wird. Feine, unsichtbare Ausläufer durchziehen die gesamte Welt bis hinauf ans Tageslicht, wo bewusste Wesen sie durch Konzentration, Empfindung oder rituelle Handlung zu berühren vermögen. Die Oberfläche ist der Ort, an dem unzählige Geister täglich die Welt in ihrer gewohnten Gestalt halten, ohne es zu wissen — dort ist das Gefüge dicht und stabil, und nur mit Mühe lässt es sich bewegen. In der Tiefe, wo kein Bewusstsein darauf besteht, dass die Dinge so sein müssen, wie sie erscheinen, liegt das Gefüge offener. Nicht mächtiger, nicht stärker — nur weniger verborgen.

Was die verschiedenen magischen Traditionen unterscheidet, ist nicht, woran sie rühren — das ist für alle dasselbe —, sondern die Art des Rührens. Klerikale Praxis nutzt gemeinsamen Glauben und geteilte Sinnbilder, um starke, gebündelte Berührungen zu erzeugen. Arkane Gelehrsamkeit arbeitet mit Formeln und Gesten, die das Gefüge auf bestimmte, wiederholbare Weise ansprechen. Naturmagie beruht auf dem Einstimmen in die Muster, die im Lebendigen bereits schwingen — in Pflanzen, Gezeiten, Jahreszeiten. Und die Psionik ist der unmittelbarste Zugang: Psioniker berühren das Gefüge ohne Vermittlung, ohne Ritual, ohne Werkzeug — und spüren es dort, wo es für andere unsichtbar bleibt. Die Nähe zu den Tiefenschlünden verstärkt diese Berührung erheblich, denn wo weniger zwischen dem Bewusstsein und dem Grund der Dinge steht, braucht es weniger Kraft, um hindurchzugreifen. Doch allzu inniger Kontakt birgt die Gefahr der Überresonanz — ein Zustand, der von ungewollten Erscheinungen bis zur Auflösung geistiger Ordnung führen kann.


Der Aufstieg und die Barriere zu Barkuz

Das Ritual des Aufstiegs — jene gewaltige Handlung, die einst alle nicht-menschlichen magischen Wesen aus der Welt der Menschen nach Barkuz verwies — griff tief in das Gefüge der Tiefenschlünde ein, und seine Spuren dauern fort bis in die Gegenwart.

Was das Ritual bewirkte, lässt sich am ehesten so beschreiben: Es verdichtete die Muster der Tiefe auf eine Weise, die bestimmten Formen des Bewusstseins den Durchgang verwehrt. Nicht als Mauer im gewöhnlichen Sinne, sondern als eine Ordnung, die bestimmte Schwingungen nicht mehr trägt — gleichwie ein Gewebe, das so fest gezogen wurde, dass nur noch bestimmte Fäden hindurchgleiten können. Was von Weraldiz nach Barkuz fließt, findet seinen Weg; was von Barkuz nach Weraldiz drängt, stößt auf einen Widerstand, der tiefer reicht als bloße Materie.

Die großen Knotenpunkte dienten als Brennpunkte des Rituals, das Netz der leuchtenden Bahnen verteilte die Wirkung über den gesamten Planeten, und bestimmte Knotenpunkte wurden dauerhaft als Halter dieser veränderten Ordnung eingerichtet. Die Spuren sind noch heute sichtbar: In Stein geritzte Kreise, die kein Werkzeug hinterließ. Verborgene Kammern, in denen Dinge aufbewahrt werden, die älter sind als jede Überlieferung. Und sogenannte Echokammern, in denen Bruchstücke des Rituals noch immer nachhallen — nicht als Klang, sondern als Erinnerung, die der Ort selbst zu tragen scheint.


Die nahende Himmelsgleiche

Mit der bevorstehenden zweiten Himmelsgleiche — in etwa dreiunddreißig Jahren — steht die verdichtete Ordnung vor ihrer größten Bewährung. Die Ausrichtung aller Himmelskörper könnte für einen kurzen Zeitraum jene Verdichtung aufheben: Das Gefüge würde durchlässig, in beide Richtungen, und an bestimmten Stellen könnten sich Wege öffnen, durch die Wesen aus Barkuz in die Tiefenschlünde und von dort an die Oberfläche gelangen könnten.

Diese Entwicklung kündigt sich bereits an. Die Bahnen leuchten heller und pulsieren rascher, als hätte sich ihr Atem beschleunigt. Gänge verändern sich schneller denn je, als verlöre das Gefüge seine Geduld mit der eigenen Gestalt. Neue Risse erscheinen an Orten, die seit Menschengedenken ruhten, und sogenannte Barkuz-Echos — flüchtige Durchblicke in die verbannte Sphäre — öffnen sich an verschiedenen Stellen wie Risse in einem Stoff, der zu lange gespannt war.


Die Schichten der Tiefe

Die Tiefenschlünde erstrecken sich über Bereiche, die mit zunehmender Ferne von der belebten Oberfläche an Fremdheit gewinnen — als löse sich Schicht um Schicht das ab, was die Welt an der Oberfläche zusammenhält.

Schicht Tiefe Was der Wanderer erfährt
Oberflächennahe Zone 0–500 Schritt Natürlich wirkende Höhlen, schwach schimmernde Bahnen. Die Welt verhält sich noch wie erwartet — beinahe.
Mittlere Tiefen 500 Schritt–3 Meilen Die Bahnen werden deutlich sichtbar, die Winkel der Gänge beginnen zu irritieren. Erste Lebensformen, die es an der Oberfläche nicht gibt.
Tiefe Regionen 3–10 Meilen Die leuchtenden Bahnen überwiegen das natürliche Gestein. Schwere Verzerrungen des Raumes, erste Knäuel. Hier hört der Fels auf, sich als etwas Beständiges auszugeben.
Abgründige Zone Jenseits von 10 Meilen Gestein und Bahnen sind nicht mehr zu unterscheiden. Die Gesetze des Ortes, der Schwere, der Zeit gelten nur noch als Erinnerung. Permanente Risse. Wenige kehren aus dieser Tiefe zurück, und jene die es tun, sind nicht mehr dieselben.

Regionale Eigenheiten

Unter Auwharin finden sich vernetzte, vergleichsweise beständige Höhlensysteme, deren Ordnung durch alte Rituale gefestigt scheint. Unter Lumaris zieht sich ein dichtes Netz von Knotenpunkten, und der Wolfsthal birgt unter seinem großen See einen besonders lebhaften Knotenpunkt mit Unterwasserzugängen, die sich den Gezeiten der Monde fügen.

Unter den Lithi-Territorien steigen im Duottar-Gebirge senkrechte Schächte in die Tiefe, während sich unter der Tundra flache, weitläufige Kammern erstrecken wie unterirdische Meere. Die Heiligen Berge bergen uralte Knotenpunkte von ungewöhnlicher Beständigkeit — als habe das Ritual des Aufstiegs sie vor dem Wandel der Zeitalter bewahrt, oder als hielte etwas an diesen Orten die Ordnung mit besonderer Sorgfalt aufrecht.

Unter Non'Gauden werden die zugänglichen Bereiche von den Jakintza-Enklaven sorgfältig erkundet und vermessen — soweit sich messen lässt, was seine Maße nicht behält. Die östliche Grenzregion zeigt eine auffällige Häufung von Rissen. Unter Cel Atiz ruht ein mächtiger Knotenpunkt unterhalb von Rasnal, verbunden mit dem zentralen Gebäudekomplex durch Wege, die älter sind als die Stadt selbst. Die Luruna-Region birgt Bahnen, die auf Träume und Gemütszustände antworten, als lauschten sie dem Innenleben derer, die über ihnen wandeln.

Besondere Orte

Der Kristalldom ist eine der gewaltigsten bekannten Knotenpunkt-Höhlen — eine Kaverne von mehr als fünf Meilen im Durchmesser, deren Decke mit leuchtenden Kristallen besetzt ist wie ein Firmament unter der Erde. Diese Kristalle tragen Erinnerungen. Gedanken und Bilder früherer Besucher erscheinen denen, die sich lange genug in ihrer Nähe aufhalten, als Visionen von fremder Klarheit. Doch wer zu heftig denkt, zu laut empfindet in dieser Stille, der kann die Kristalle zum Bersten bringen — und was sie dann freisetzen, ist nicht mehr Erinnerung, sondern rohe Kraft. Der Dom liegt im Osten Auwharins und wird von den Orden streng bewacht.

Das Labyrinth der Echos, gelegen unter dem südlichen Auwharin nahe der Glühenden Küste, besteht aus gewundenen Tunneln, die den Klang auf eine Weise bewahren, wie es kein natürlicher Stein vermag. Worte, die dort gesprochen werden, wandern über große Entfernungen und überdauern bisweilen Tage — als weigere sich der Ort, das Gesagte loszulassen. Manche dieser Echos stammen von Erkundern, die seit langem verschwunden sind. Sie zu hören ist verwirrend; ihnen zu folgen ist gefährlich.

Der Zwischenhof — ein Knotenpunkt in den tiefsten Regionen unter den Lithi-Territorien — berührt zeitweilig Barkuz selbst. In seiner schimmernden Mitte werden bisweilen fremdartige Landschaften sichtbar, und zu bestimmten Stunden können Dinge und selbst Lebewesen zwischen den Welten wechseln, ohne dass jemand sie rief. Die Übergänge folgen keiner erkennbaren Regel, und manche führen in Zwischenbereiche, aus denen kein Weg zurück bekannt ist.


Das geheime Wissen

Was die Wenigen wissen

Das Wissen um die wahre Natur der Tiefenschlünde ist auf wenige beschränkt — und dies nicht durch Zufall, sondern durch jahrhundertealte Absicht. Die breite Bevölkerung kennt sie aus vagen Sagen und gemiedenen Orten. Niedere Ordensmitglieder wissen von den Gefahren; höhere begreifen Teile des Zusammenhangs. Doch nur die innersten Kreise erahnen, was die Tiefenschlünde wirklich sind — und selbst sie gestehen einander ein, dass ihr Wissen Stückwerk bleibt.

Diese Geheimhaltung schützt vor vielem: vor dem Missbrauch dessen, was in der Tiefe zugänglich wird; vor einer Erschütterung, die ganze Gesellschaften erfassen könnte; vor dem Verlust jener Autorität, die auf der Annahme gründet, Magie sei göttlichen Ursprungs; und vor dem Zugriff derer, die Macht suchen, ohne ihre Folgen zu tragen.

Die Wächter

Vier Gruppen innerhalb der Orden überwachen die Tiefenschlünde, jede für sich und weitgehend im Unwissen über die anderen — denn Geheimhaltung gedeiht am besten, wenn auch die Hüter nur Teile kennen.

Die Tiefenläufer des Ordens des Schildes bewachen die bekannten Eingänge und begegnen dem, was aus der Tiefe aufsteigt, mit Schwert und Wille. Die Gewebebeobachter des Ordens der Lampe studieren die leuchtenden Bahnen mit einer Geduld, die an Hingabe grenzt — sie kommen dem Verständnis am nächsten, und vielleicht ist es gerade das, was manche von ihnen so schweigend macht. Die Grenzwächter, eine verschwiegene Gruppe innerhalb des Ordens des Spiegels, lauschen an den Stellen, wo Barkuz am nächsten kommt, nach Zeichen eines Durchbruchs. Und die Sehenden — seltene Menschen, die die leuchtenden Bahnen auch an der Oberfläche wahrnehmen, als schimmere die Tiefe durch den Boden hindurch — werden vom Orden des Gefäßes aufgespürt und ausgebildet. Zwischen diesen Gruppen bestehen Spannungen, die aus dem Misstrauen wachsen, das jedes geteilte Geheimnis mit sich bringt.

Was die Tiefe hergibt

Die Tiefenschlünde enthalten Stoffe, die an der Oberfläche nicht vorkommen — oder die an der Oberfläche nicht so sind, wie sie in der Tiefe werden.

Adergestein — Fels, der so lange neben den leuchtenden Bahnen lag, dass er etwas von ihrer Durchlässigkeit angenommen hat — eignet sich für dauerhafte Verzauberungen, als habe er verlernt, ganz fest zu sein. Gewebewasser, das in der Nähe der Bahnen stand und sich verändert hat, ohne dass jemand zu sagen vermag, worin genau die Veränderung besteht, dient als Grundlage ungewöhnlich wirksamer Tränke. Knäuelsplitter — kristalline Bruchstücke aus der Nähe der Knäuel — besitzen Eigenschaften, die sich jeder Vorhersage entziehen, als habe die Ungewissheit der Knäuel sich in ihnen niedergeschlagen. Resonanzstaub aus den klangbewahrenden Höhlen verfeinert die geistige Wahrnehmung und die Empfänglichkeit für das Gefüge. Und die seltsamsten aller Funde sind Risspartikel — Bruchstücke, die aus den Rissen selbst stammen und sich so verhalten, als seien sie an zwei Orten gleichzeitig. Ihre Eigenschaften weigern sich, den Gesetzen zu folgen, die an der Oberfläche gelten.


Was die Tiefe mit denen macht, die in ihr verweilen

Wer sich lange in den Tiefenschlünden aufhält, verändert sich — als würde die Durchlässigkeit der Tiefe auf den Besucher übergehen, sachte und unerbittlich.

In den ersten Stunden kribbelt die Haut, die Sinne schärfen sich, und das Wirken fällt leichter als gewohnt — als sei ein Widerstand verschwunden, der an der Oberfläche stets vorhanden war. Nach Tagen leuchten die Augen im Dunkeln, die Träume werden lebhaft und fremd, und die Wirkungen der eigenen Kunst verstärken sich merklich.

Nach Wochen beginnen feine, schimmernde Linien unter der Haut sichtbar zu werden, und Visionen stellen sich ein, die weder gerufen noch gewollt sind — Bruchstücke von etwas, das nicht aus dem eigenen Geist zu stammen scheint. Kleine Wirkungen treten spontan auf, als handle das Gefüge von sich aus, ohne gefragt worden zu sein.

Wer Monate in der Tiefe verbringt, dessen Augenfarbe wandelt sich dauerhaft, dessen innere Bahnen beginnen unter der Haut zu pulsieren, und dessen Geist empfängt Gedanken, die Fremden gehören — Erinnerungen, Empfindungen, Bruchstücke anderer Leben. Die Grenze zwischen dem Eigenen und dem Anderen wird dünn.

Und nach Jahren — doch nur wenige haben es so lange ausgehalten — wird die Haut stellenweise durchscheinend, die Körpersäfte beginnen zu leuchten, und der Geist zerfasert in Fragmente, die sich nicht mehr zu einer einzelnen Gestalt fügen wollen. Was dann noch lebt, ist nicht mehr ganz der Mensch, der hinabgestiegen ist — und vielleicht nicht mehr ganz Mensch.


„Die Oberfläche ist der Traum, den die Welt sich selbst erzählt. In der Tiefe hört sie auf zu träumen, und was darunter liegt, ist weder gut noch böse — es ist nur wahr. Und Wahrheit ist nicht immer das, was wir ertragen." — Maisu Mikel ez'Ezagutza-goi-hiru Hausnartzaile