Die Entwicklung nach dem Aufstieg
Etablierung neuer Ordnungen (Jahr 5-100 WZ)
Nach dem Aufstieg und der Implementierung des Schleiers des Vergessens stand die Menschheit von Weraldiz vor der gewaltigen Aufgabe, eine neue Weltordnung zu etablieren. Die Abwesenheit der magischen Wesen hinterließ ein Vakuum, das gefüllt werden musste – sowohl in praktischer als auch in spiritueller Hinsicht.
Die Kirche der Himmlischen Heerscharen als Werkzeug der Verschleierung
Die Religion der Himmlischen Heerscharen existierte bereits vor dem Aufstieg – ein gewachsener spiritueller Rahmen, der sich über Generationen in Auwharin verwurzelt hatte. Nach dem Aufstieg wurde diese bestehende Religion gezielt umgedeutet, um die verblassenden Erinnerungen an die verschwundenen magischen Wesen zu verschleiern. Die bereits vorhandenen theologischen Konzepte der Heerscharen wurden systematisch auf die Kategorien der magischen Wesen abgebildet, sodass die Bevölkerung die Erinnerung an diese Wesen nicht mehr als Erinnerung an reale Wesen, sondern als Ausdruck einer vertraut empfundenen Glaubenstradition empfand.
Die Zuordnung geschah nicht zufällig – jede Heerschaft wurde auf die von ihr am meisten ähnlichen magischen Wesenkategorien gelenkt:
| Heerschaft | Verschleierte Wesen |
|---|---|
| Die Erleuchtung (Liuhtją) | Weltenweber (Vishwa), Himmelsbeobachter (Akasha) |
| Die Wahrheit (Sunją) | Weisheitshüter (Jnana) |
| Die Standhaftigkeit (Stōanā) | Erdwächter (Bhumi) |
| Das Leben (Lībanā) | Wasserwandler (Jala), Lebensgeber (Prana) |
| Die Saat (Sēdiz) | Waldwächter (Vana) |
| Der Odem (Atimā) | Windflüsterer (Vayu) |
| Der Geist (Þankijaną) | Traumsinger (Svapna), Zeitwanderer (Kala) |
Kirchliche Feste wurden mit traditionellen Feiertagen synchronisiert, damit die Verschleierung sich nahtlos in den bestehenden Lebensrhythmus integrierte. Die Heiligen Lehren wurden in der späteren Phase (um 198 WZ) kodifiziert – ein Zeitpunkt, in dem die unmittelbaren Erinnerungen bereits deutlich verblasst waren und die theologische Version der Geschichte sich als die „wahre" etabliert hatte.
Die dunkleren Aspekte – Schmerzsammler, Seelenfresser, Chaosflüsterer und Verderbniswandler – wurden kollektiv als "die Leere" oder "Unreinheiten" umgedeutet, gegen die die Heerscharen kämpfen. Diese Technik war besonders wirksam, da die Bevölkerung die Bedrohung durch diese Wesen noch lebhaft erinnerte, aber ihre konkrete Natur bereits verloren hatte.
Etablierung der Sieben Orden
Um die praktischen Aufgaben der neuen Weltordnung zu bewältigen, wurden die Sieben Orden gegründet:
- Offizielle Funktion: Spezialisierung auf verschiedene religiöse und gesellschaftliche Aspekte
- Geheime Aufgabe: Überwachung und Verwaltung der Barriere zu Barkuz
- Struktureller Aufbau:
- Jeder Orden mit eigenem Aufnahmeritual und Hierarchie
- Gestaffelte Wissenszugangsstufen
- Innerer und äußerer Kreis in jedem Orden
- Geheime Kommunikationswege zwischen den Orden
| Orden | Offizielle Funktion | Geheime Funktion |
|---|---|---|
| Orden der Lampe | Wissensbewahrung, Bildung | Überwachung magischer Anomalien, Dokumentation von Barriereschwankungen |
| Orden der Waage | Rechtsprechung, Vermittlung | Identifikation verborgener Einflüsse aus Barkuz |
| Orden des Schildes | Schutz, Verteidigung | Bekämpfung von Eindringlingen aus Barkuz, Sicherung der Tiefenschlünde |
| Orden des Gefäßes | Heilung, Geburtshilfe | Identifikation und Betreuung geistesformend Begabter |
| Orden des Samens | Landwirtschaft, Fruchtbarkeit | Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts nach Abzug der Lebensgeber |
| Orden des Flügels | Verbreitung der Lehren | Netzwerk für schnellen Informationsaustausch bei Bedrohungen |
| Orden des Spiegels | Spirituelle Beratung | Traumüberwachung, Früherkennung von Barkuz-Kontakten |
Nach 800 Jahren haben sich die Orden in etwas verwandelt, das ihre Gründer kaum erkannt hätten. Die verstaubten Folianten sind noch da – die uralten Rituale zur Versiegelung von Tiefenschlünden, die Beschwörungsformeln gegen Eindringlinge aus Barkuz, die Richtlinien zur Identifikation von Anomalien. Sie werden noch praktiziert, mit Sorgfalt sogar, denn jeder Orden pflegt seine Tradition wie einen kostbaren Schatz. Aber verstehen, was man eigentlich tut? Das ist eine andere Frage. Die meisten Mönche des Ordens des Schildes führen ihre Schutzrituale aus wie eine Gebetsfolge, die man von Generation zu Generation übernimmt – ob man die Bedeutung kennt oder nicht. Wer nachfragt, wird auf die Texte verwiesen. Wer die Texte liest, findet Anweisungen für Kämpfe gegen Wesen, die – so glauben viele – nie wirklich existiert haben. Nicht aus bösem Willen wurde das Wissen verloren, sondern aus dem einfachsten Grund: In 800 Jahren Friede war es einfach nie nötig, es wirklich zu brauchen.
Etablierung stammesföderaler Struktur in Auwharin
Die politische Struktur Auwharins entwickelte sich zu einem stabilen, aber komplexen System:
- Neun-Stämme-Modell: Integration der Argitari als "neunter Stamm"
- Harkönig-System: Rotierender Königstitel, alle acht Jahre zwischen den Stämmen wechselnd
- Hwerfan-Mag (Konsensrat): Entscheidungsfindung durch Konsens statt Mehrheit
- Balancierendes Element: Hoher Rat mit 30 Mitgliedern aus verschiedenen Stämmen und Bereichen
Diese Struktur gewährleistete politische Stabilität während der kritischen ersten Jahrhunderte nach dem Aufstieg und verhinderte die Konzentration von Macht bei einem einzelnen Stamm.
Geheimhaltungssystem zur Bewahrung der wahren Geschichte
Ein ausgeklügeltes System wurde etabliert, um das Wissen über die wahre Natur des Aufstiegs zu bewahren und gleichzeitig zu beschränken:
- Der innere Kreis der Geheimhaltung: Die wahre Geschichte ist nur einer kleinen Elite bekannt:
- Der innerste Kreis der Orden in Auwharin
- Der Hohe Rat von Auwharin (teilweise)
- Die Vajal (Die Zwölf) bei den Lithi
- Der Egiaren Zirkulua in Non'Gauden (später)
- Osotasunaren Kontseilua (Rat der Vollkommenen) in Non'Gauden (später)
- Die Eisnar Cipen in Cel Atiz (später)
- Geheimhaltungsmethoden:
- Kodierte Überlieferungen in heiligen Texten
- Gestaffelte Zugangsstufen zu Wissen
- Manipulation kollektiver Erinnerungen
- Umdeuten historischer Ereignisse in religiöse Symbole
Die langsame Erosion des Wissens
Was das Geheimhaltungssystem nie verhindern konnte, war die einfachste aller Kräfte: die Macht der Zeit. Nach über 800 Jahren ununterbrochener Friedensperioden – in denen die Bedrohung durch Barkuz nicht mehr erlebt, nur noch überliefert wurde – begann das Wissen selbst in den innersten Kreisen zu verwässern. Eingeweihte, die durch ihre eigene Prägung in einer stehenden, realen Welt aufgewachsen waren, fanden es zunehmend schwer, Geschichten von magischen Wesen und einem pulsierenden Geisterreich ernst zu nehmen. Was einst lebendiges Überzeugungswissen war, wurde zu einer Art ritueller Pflicht – man las die Texte, führte die Zeremonien aus, aber die emotionale Gewissheit, dass da draußen eine andere Welt existierte, bröckelte Generation für Generation. Heute wissen die meisten Angehörigen der inneren Kreise kaum mehr, als dass irgendwo jenseits einer Barriere eine weitere Realität existiert – Barkuz als vages, abstraktes Konzept, entleert von allem, was es einst konkret und bedrohlich gemacht hatte.
Die einzigen, die diese Verwässerung nicht teilten, waren die Vajal bei den Lithi – die Zwölf Unsterblichen, deren Gedächtnis sich über Jahrhunderte erstreckt. Doch auch sie waren nicht vor dem Vergessen geschützt. Menschliches Gedächtnis, wie lange auch immer es erhalten bleibt, überliefert nur das Lebhafte: die Schocks, die Wendepunkte, die Momente, in denen die Welt sich für immer veränderte. Was zwischen diesen Momenten lag – die langsamen Verschiebungen, die alltäglichen Zusammenhänge, die Logik hinter den Ereignissen – das glättete sich im Laufe der Jahrhunderte aus wie eine Küste unter dem Meer. Die Vajal erinnern sich daran, dass es geschah. An warum und wie genau, hätten selbst sie heute kaum noch Antwort.