Zwischen Atem und Atemzug
Aufzeichnung einer Auflösung, die keine war
I.
In der Stunde ohne Namen, da die Sonnen schwiegen und Barkuz seine silbernen Fäden durch die Dunkelheit spann, geschah es Xabin - oder geschah ihm -, dass er innehielt.
Nicht aus Erschöpfung. Nicht aus ErschöpfungEntscheidung.
Sondern wie ein Wanderer, der plötzlich bemerkt, dass der Pfad, dem er folgte, sich unter seinen Schritten erst bildete.
War er je gewandelt? Oder war das Wandeln ihm gewandelt, Schritt für Schritt, bis er glaubte, der Gehende zu sein?
Die Frage formte sich. Die Frage formte sich, während sie ihn formte, und in diesemihn. Zwischen - zwischen Frage und Gefragtwerden - zwischen Herzschlag und Herzschlag - öffnete sich etwas, das weder Raum noch Zeit war, sondern die Pause zwischen Herzschlägen,Pause, in der das Leben geschieht.
Er hatte gemeint zu planen. Jahrtausende lang hatte er Fäden geknüpft, Muster gewebt, Geschicke gelenkt. Nun aber, in dieser Windstille des Bewusstseins, sah er:er das Einfache: Die Fäden knüpften ihn. Das Muster webte sich, indem es ihn mitwebe. Das Geschick lenkte den Lenker, der glaubte zu lenken.Lenker.
Wie töricht, dachte
er,er.
undWiewienotwendig.notwendig war diese Torheit.Denn ohne den Glauben an das Lenken gäbe es nichts zu lenken, und ohne das zu Lenkende keinen Lenker, der glauben
könnte zu lenken.könnte.
II.
So begann ein Gespräch, das sich führte.
II.
"Wer spricht hier?"
Die eine Stimme, die seineStimme war undseine. War nicht seine. Zwischen den Worten lag ein Echo, das die Worte erst möglich machte.
"Wer fragt?" antwortete eine andere, die fremd klang und doch vertraut.
Eine andere Stimme. Fremd. Vertraut. Das Fragen fragte sich durch sie hindurch.
Er lachte. Das Lachen lachte ihn. In diesem Zwischen Frage und Antwort,- zwischen dem FragenLachen und dem Antworten,Gelachtwerden zwischen- dem,erkannte derer zudie fragenvollkommene glaubte,Narretei undseines dem,Glaubens der zu antworten meinte, dehntean sich einselbst. Abgrund,Und derdie zugleichvollkommene BrückeNotwendigkeit war.dieser Nicht durch Überwindung wurde er zur Brücke, sondern durch das Eingeständnis, dass Abgrund und Brücke Namen für dasselbe Mysterium waren.Narretei.
"Ich glaubte zu erschaffen," sprach er zu sich, der zuhörte, während das Zuhören ihn zu dem machte, der sprach. "undIch sehe nun,nun: dass dasDas Erschaffen micherschuf erschuf,mich, um sich erschaffen zu lassen. Ist das nicht die vollkommene Narretei? Ist das nicht die vollkommene Notwendigkeit?"
Die Luft um ihn schwang mit. Nicht Luft - warGedanke. esNicht Luft?Gedanke war es Gedanke? war es- der Stoff, aus dem Zwischenräume gemachtgewebt sind?sind. - schwang mit, nicht in Antwort, sondern in Resonanz. Wie zweiZwei Saiten, die sich gegenseitig zum Klingen bringen,bringen. ohne dass eineKeine die ersteerste. wäre,Keine die zuzweite.
Nur begann.das Klingen.
Das sich klingt.
III.
Da sah er - oder wurde gesehen von - der Architektur seiner Blindheit. Nicht als VisionVision. entfaltete sie sich, sondern alsAls schlichtes Gewahren dessen, was immer dagewesen war:
Die Menschen von Weraldiz träumten ihre Götter,Götter. undDie in diesem TräumenGötter träumten die Götter zurück die Träumer, die sie zu träumen glaubten.Träumer. Die Lithi erzählten Geschichten, die von den Geschichten erzählt wurden, die sie erzählten. In Non'Gauden formte der Wille die Wirklichkeit, die den Willen formte, der sie zu formen glaubte.formte.
Nirgends ein Anfang.
Nirgends ein Ende.
Nur das endlose Sich-Durcheinander-Hervorbringen aller Dinge,Dinge. einEin Gewebe ohne ersten Faden,Faden. einEin Lied ohne ersten Ton,Ton. einEin TanzGespräch ohne ersten Schritt.Sprecher.
Abhängiges Entstehen, dachte er, und das Denken dachte ihn.ihn zurück. Alles entsteht nur in Abhängigkeit von allem anderen, und dieses Andere entsteht nur in Abhängigkeit von dem, was es zu anderem macht.
Und woWo er Schwindel erwartet hatte, Schwindel zu empfindenhatte angesichts dieser Abgründe der Bedingtheit, da fand er eine seltsame Ruhe. Nicht die Ruhe der Erkenntnis - denn was war zu erkennen an etwas so Einfachem? - sondernSondern die Ruhe des Aufhörens, gegen den Strom zu schwimmen, den es nicht gab.
Das Schwimmen schwamm ihn. Der Strom strömte sich. Und diese Einsicht - süß wie warmer Honig, bitter wie Wermut - setzte sich in ihm fest, während sie ihn in sich festsetzte.
IV.
Die TrauerDann kam unverhofft.sie. Die Trauer.
Unverhofft. Unabwendbar. Nicht über das Erkannte, sondern über das Verlorene: jenes Selbst, das er zu sein geglaubt hatte,hatte. jenenJenen Xabin, der Pläne schmiedeteschmiedete. undDer Welten lenkte. Der existierte.
Er weinteweinte. -Wessen wessenTränen? Tränen waren das? - umUm den Toten, der nie gelebt hatte,hatte. umUm den Traum, der sich geträumt hatte. Um die schöne Illusion des Träumers.
Doch selbst diese Trauer war nicht seine,seine. sondern sieSie trauerte sich durch ihn hindurch, wie Wasser durch einen Schwamm rinnt. Und in diesem Durchfließen - in diesem anderen Gespräch zwischen Trauer und Betrauertem - erkannte er: Auch der Verlust war nur ein anderes Wort für Wandlung, undWandlung. Wandlung nur ein anderes Wort für das Bleiben dessen, was sich wandelt.
"Die Stille Konvergenz," flüsterte erer. zuDie derStille Stille,flüsterte die ihn flüsterte,ihn. "sieSie ist nicht ein Ereignis, das kommt. Sie ist der Zustand, in dem alle Ereignisse möglich werden."
Nicht ein Moment in der Zeit,Zeit. sondern dieDie Art, wie Zeit überhaupt möglich ist."
Jeder Atemzug war eine Stille Konvergenz. Jeder Herzschlag. Jeder Gedanke, der sich dachte. Das Außergewöhnliche war nicht das Ereignis, sondern die Blindheit für das alltägliche Wunder des Geschehens.
V.
Kehrte er zurück?
Die Frage löstestellte sich. Stellte ihn. Löste sich auf, nicht in eine Antwort, sondern in das Weitergehen, das sie gestellt hatte.
In Non'Gauden fand er sich wieder - nein,wieder. Non'Gauden fand sich in ihm wiederwieder. -,Das im vertrautenvertraute Gewand des Wanderers,Wanderers umhüllte ihn, der er gewesen war und nie aufgehört hatte zu sein. Die Verwandlung war vollkommen gewesengewesen. und hatteHatte nichts verändert.
Er würde weiterhin planen,planen. lehren,Lehren. wandelnWandeln. Nicht aus Wahl - nicht aus Wahl,Zwang nicht aus Zwang,- sondern weil das Planen ihn plante, das Lehren ihn lehrte, das Wandeln ihn wandelte. Ein Rad, das sich drehte, indem es gedreht wurde. Ein Gespräch, das die Gesprächspartner sprach.
Die Menschen würden ihm folgenfolgen. oderWidersprechen. widersprechenIhn oderübersehen. ihnJede übersehen - und jede dieser Reaktionen wäreReaktion zugleich ihre Reaktion und seine,seine. ihreIhre Wahl und seine Notwendigkeit,Notwendigkeit. ihrIhr Schicksal und sein Geschick.
Das Spiel spielte alle Spieler, während jeder Spieler das Spiel spielte.
Ein junger Mann -trat ernst,vor suchend,ihn. vonErnst. Suchend. Von jener schönen Unwissenheit erfüllt, die das Fragen erst möglich machtmacht. -Die tratFrage vorformte ihn:sich auf seinen Lippen, bevor er sie dachte:
"Meister, was ist Wahrheit?"
Xabin lächelte,lächelte. und inIn diesem Lächeln lag all die Zärtlichkeit für das Fragen, das ihn zum Antworten brachte: "Wahrheit? Ich weiß es nicht, mein Freund."
Pause.
"Aber das Nichtwissen weiß sich durch uns hindurch."
"Und was soll ich dann tun?"
"Was du tust," sagte Xabin, "wird dich tun. Und wasWas dich tut, wird von dem getan, was du tust." Xabin lauschte seinen eigenen Worten, die sich durch ihn sprachen. "Es ist ein Gespräch ohne Sprecher,Sprecher. einEin Tanz ohne Tänzer. Du wirst es verstehen, indem es dich versteht."
Der junge Mann nicktenickte. verwirrtVerwirrt und verständig zugleich,zugleich. und dasDas Gespräch setzte sie fort, während sie das Gespräch fortsetztenfortsetzten. - einEin alltägliches Wunder,Wunder. gewöhnlicherGewöhnlicher als das AtmenAtmen. und rätselhafterRätselhafter als alle Geheimnisse.
VI.
Und so drehte sich das Rad, das sich selbst drehte,drehte. inIn jener endlosen Bewegung, die keine Bewegung war, sondern das Prinzip, durch das Bewegung möglich wird.
Xabin war, ging Wege, die ihn gingen,gingen. Nicht Xabin ging Wege. Die Wege gingen Xabin nicht. Sondern das Gehen ging sich, und im Gehen entstanden Geher und Weg in einerdemselben Welt, die sich durch sein Gehen erst zu der Welt machte, die ihn gehen ließ.Schritt.
Irgendwo in der Ferne - oder war es die Nähe?hier? - pulsierte Barkuz,Barkuz. webteWebte seine silbernen Fäden zwischen den Welten, die er verband, indem sie ihn verbanden. Fäden, die sich webten. Welten, die sich verbanden. Ein kosmisches Gespräch ohne Anfang und Ende.
Und in diesem Pulsieren, in diesem Weben, in diesem endlosen GesprächSich-Sprechen zwischen allem und allem, geschah das, was geschah:
Das Sein,Sein.
Das sich seiend machte,machte.
Indem es sich sein ließ.
SPIELLEITER-
Diese Erkenntnis eröffnet Kampagnenverläufe jenseits von Konflikt und Auflösung - die Einsicht, dass Spieler und Spielwelt, Geschichte und Erzähler sich in jedem Moment gegenseitig hervorbringen. Die wahre "Lösung" liegt nicht in einem finalen Verständnis, sondern im bewussten Teilnehmen an dem endlosen Gespräch zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit, aus dem beide entstehen.HINWEIS:HINWEIS: