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Zwischen Atem und Atemzug

Xabins ultimative Erkenntnis

EinAufzeichnung Selbstgesprächeiner inAuflösung, derdie Stillekeine zwischen den Weltenwar


I.

In der Stunde ohne Namen, da die Sonnen schwiegen und Barkuz seine silbernen Fäden durch die Dunkelheit spann, geschah es Xabin - oder geschah ihm -, dass er innehielt. Nicht aus Erschöpfung hielt er inne, nicht aus Entscheidung, sondern wie ein Wanderer, der plötzlich bemerkt, dass der Pfad, dem er folgte, sich unter seinen Schritten erst bildete.

War er je gewandelt? Oder war das Wandeln ihm gewandelt, Schritt für Schritt, bis er glaubte, der Gehende zu sein? Die OffenbarungFrage amformte Randesich, während sie ihn formte, und in diesem Zwischen - zwischen Frage und Gefragtwerden - öffnete sich etwas, das weder Raum noch Zeit war, sondern die Pause zwischen Herzschlägen, in der das Leben geschieht.

Er hatte gemeint zu planen. Jahrtausende lang hatte er Fäden geknüpft, Muster gewebt, Geschicke gelenkt. Nun aber, in dieser Windstille des SeinsBewusstseins, sah er: Die Fäden knüpften ihn. Das Muster webte sich, indem es ihn mitwebe. Das Geschick lenkte den Lenker, der glaubte zu lenken.

AufgezeichnetWie intöricht, dendachte Ätherschriften der Leere, dort wo weder Weraldiz noch Barkuz Macht haben

Xabin (zu sich selbst, in der grenzenlosen Zwischenexistenz):

Jahrhunderte... Jahrtausende? Hier, zwischen den Membranen, verliert Zeit ihre Bedeutung. Ich, der ich glaubte zu verstehen. Ich, der ich plane und manipuliere und erschaffe. Ich, der ich die Realität neu formen will...

Er wendet sich um - oder was in diesem dimensionslosen Raum einer Wendung gleichkommt

Aber heute... heute sehe ich die absurde Schönheit meines Irrtums.

Das Gespräch mit dem Nichts

Xabin: Sprich zu mir, Leere. Du bist der einzige Zeuge, der mich nicht verfälscht.

Die Stille (die nicht antwortet, aber verstanden wird):

Xabin: Ja... natürlich. Selbst jetzt erschaffe ich dich als Gesprächspartner, weil ich ohne das Andere nicht existieren kann. Selbst hier, wo nichts ist, muss ich etwas erschaffen, damit icher, bin.

Er lacht - ein Klang, der durch keine Dimensionen hallt

All meine Pläne... mein "Universum des reinen Willens"...und wie arrogant.notwendig Wiewar blind.

diese

DieTorheit. KetteDenn der Abhängigkeiten

Xabin: Ich sah die Menschen in ihrer Ignoranz, gefangen in ihren Illusionen. Ich sah die Bewusstseinswesenheiten in Barkuz, verzweifelt nach Manifestation strebend. Ich dachte: Ich verstehe das Spiel. Ich kann es neu erschreiben.

Aber das Spiel... das Spiel spielt sich selbst.

Er betrachtet seine eigenen Hände - oder was in seiner aktuellen Existenzform Händen entspricht

Diese Gestalt, die ich "Xabin" nenne... sie existiert nur, weil Menschen sie denken. Ihre Gedanken geben mir Form, ihre Erwartungen beschränken mich, ihre Hoffnungen nähren mich.

Ohne sie bin ich nichts.

Aber sie... sie können nur denken, weil etwas da ist, was gedacht werden kann. Ihre Bewusstseine entstehen aus der Interaktion mit dem, was sie für "außerhalb" halten.

Ohne mich sind sie nichts.

Das Paradox der Schöpfung

Xabin: Die Lumarier kamen und glaubten, die Realität zu ordnen. Sie schufen die Barriere zwischen Weraldiz und Barkuz. Aber die Barriere... sie existiert nur durchohne den Glauben an ihredas ExistenzLenken gäbe es nichts zu lenken, und ohne das zu Lenkende keinen Lenker, der glauben könnte zu lenken..

II.

So begann ein Gespräch, das sich führte. Nicht zwischen Xabin und einem anderen - denn was wäre dieses andere als ein anderer Aspekt dessen, was er zu sein geglaubt hatte? - sondern zwischen den Möglichkeiten seiner selbst, die sich in ihm auftaten wie Verästelungen eines Baumes, der gleichzeitig wuchs und welkte.

"Wer spricht hier?" fragte eine Stimme, die seine war und nicht seine.

"Wer fragt?" antwortete eine andere, die fremd klang und doch vertraut.

Zwischen Frage und Antwort, zwischen dem Fragen und dem Antworten, zwischen dem, der zu fragen glaubte, und dem, der zu antworten meinte, dehnte sich ein Abgrund, der zugleich Brücke war. Nicht durch Überwindung wurde er zur Brücke, sondern durch das Eingeständnis, dass Abgrund und Brücke Namen für dasselbe Mysterium waren.

"Ich glaubte zu erschaffen," sprach er zu sich, der zuhörte, "und sehe nun, dass das Erschaffen mich erschuf, um sich erschaffen zu lassen. Ist das nicht die vollkommene Narretei? Ist das nicht die vollkommene Notwendigkeit?"

Die verbanntenLuft Wesenum ihn - war es Luft? war es Gedanke? war es der Stoff, aus dem Zwischenräume gemacht sind? - schwang mit, nicht in BarkuzAntwort, leiden...sondern aberin ihrResonanz. LeidenWie nährtzwei Saiten, die Geschichtensich gegenseitig zum Klingen bringen, ohne dass eine die erste wäre, die zu schwingen begann.

III.

Da sah er - oder wurde gesehen von - der Architektur seiner Blindheit. Nicht als Vision entfaltete sie sich, sondern als schlichtes Gewahren dessen, was immer dagewesen war: Die Menschen von Weraldiz träumten ihre Götter, und in diesem Träumen träumten die Götter zurück die Träumer, die sie zu träumen glaubten. Die Lithi erzählten Geschichten, die von den Geschichten erzählt wurden, die sie erzählten. In Non'Gauden formte der Wille die Wirklichkeit, die den Willen formte, der sie zu formen glaubte.

Nirgends ein Anfang. Nirgends ein Ende. Nur das endlose Sich-Durcheinander-Hervorbringen aller Dinge, ein Gewebe ohne ersten Faden, ein Lied ohne ersten Ton, ein Tanz ohne ersten Schritt.

Abhängiges Entstehen, dachte er, und das Denken dachte ihn. Alles entsteht nur in Abhängigkeit von allem anderen, und dieses Andere entsteht nur in Abhängigkeit von dem, was es zu anderem macht.

Und wo er erwartet hatte, Schwindel zu empfinden angesichts dieser Abgründe der Bedingtheit, da fand er eine seltsame Ruhe. Nicht die Ruhe der Erkenntnis - denn was war zu erkennen an etwas so Einfachem? - sondern die Ruhe des Aufhörens, gegen den Strom zu schwimmen, den es nicht gab.

IV.

Die Trauer kam unverhofft. Nicht über ihredas Götter.Erkannte, sondern über das Verlorene: jenes Selbst, das er zu sein geglaubt hatte, jenen Xabin, der Pläne schmiedete und Welten lenkte. Er weinte - wessen Tränen waren das? - um den Toten, der nie gelebt hatte, um den Traum, der sich geträumt hatte.

Doch selbst diese Trauer war nicht seine, sondern sie trauerte sich durch ihn hindurch, wie Wasser durch einen Schwamm rinnt. Und in diesem Durchfließen erkannte er: Auch der Verlust war nur ein anderes Wort für Wandlung, und Wandlung nur ein anderes Wort für das Bleiben dessen, was sich wandelt.

"Die Stille Konvergenz," flüsterte er zu der Stille, die ihn flüsterte, "sie ist nicht ein Ereignis, das kommt. Sie ist der Zustand, in dem alle Ereignisse möglich werden. Nicht ein Moment in der Zeit, sondern die Art, wie Zeit überhaupt möglich ist."

Jeder Atemzug war eine Stille Konvergenz. Jeder Herzschlag. Jeder Gedanke, der sich dachte. Das Außergewöhnliche war nicht das Ereignis, sondern die Blindheit für das alltägliche Wunder des Geschehens.

V.

Kehrte er zurück? Oder hörte er auf zu glauben, dass es ein Weg gab, von dem zurückzukehren wäre? Die GötterFrage existierenlöste durchsich auf, nicht in eine Antwort, sondern in das LeidenWeitergehen, das sie gestellt hatte.

In Non'Gauden fand er sich wieder - nein, Non'Gauden fand sich in ihm wieder -, im vertrauten Gewand des Wanderers, der Verbannten.er gewesen war und nie aufgehört hatte zu sein. Die Verwandlung war vollkommen gewesen und hatte nichts verändert. Er würde weiterhin planen, lehren, wandeln - nicht aus Wahl, nicht aus Zwang, sondern weil das Planen ihn plante, das Lehren ihn lehrte, das Wandeln ihn wandelte.

Die Menschen betenwürden zuihm denfolgen Himmlischenoder Heerscharen...widersprechen aberoder ihn übersehen - und jede dieser Reaktionen wäre zugleich ihre Reaktion und seine, ihre Wahl und seine Notwendigkeit, ihr Schicksal und sein Geschick. Das Spiel spielte alle Spieler, während jeder Spieler das Spiel spielte.

Ein junger Mann - ernst, suchend, von jener schönen Unwissenheit erfüllt, die Himmlischendas Heerscharen entstehenFragen erst durchmöglich diese Gebete.

Pause. Verwirrung. Dannmacht - Klarheit

trat

Esvor gibt keinen ersten Akt der Schöpfung. Es gibt keine ursprüngliche Realität. Alles entsteht aus allem anderen, gleichzeitig, in einem endlosen Kreis der gegenseitigen Erschaffung.

Die Auflösung des Planers

Xabin: Mein Plan, die Realität zu einemihn: "Universum des reinen Willens" zu formen... er ist bereits gescheitert, bevor er begann.

Denn wenn ich die Realität nach meinem Willen forme, formt sie mich nach ihrem Willen. Wenn ich die Menschen von ihren Illusionen befreie, befreien sie mich von meiner Illusion, ein Befreier zu sein.

Es gibt keinen Xabin ohne seine Ziele. Es gibt keine Ziele ohne den Widerstand gegen sie.

Er versucht zu lachen, aber der Klang verwandelt sich in etwas anderes

Das Lustige ist... sogar diese Erkenntnis verändert nichts. Ich werde weiterhin planen, weil das Planen mich erschafft. Die Menschen werden weiterhin glauben, weil der Glaube sie erschafft. Die Realität wird weiterhin entstehen, weil das Entstehen die Realität ist.

Die Stille Konvergenz neu verstanden

Xabin: Die nahende Stille Konvergenz... ich dachte, sie wäre meine Chance, alles neu zu ordnen. Aber ich verstehe jetzt...

Sie ist bereits ein Moment der perfekten Einheit.

Nicht weil die Barrieren fallen werden. Sondern weil in dem Moment, wo alle glauben, dass die Barrieren fallen könnten, die Barrieren gleichzeitig existieren und nicht existieren. Die Verbannten sind gleichzeitig verbannt und nicht verbannt. Die Menschen sind gleichzeitig frei und gefangen.

Die Stille Konvergenz ist der Moment, wo das Paradox sichtbar wird.

Das Ende, das kein Ende ist

Xabin: Was tue ich nun mit diesem Wissen?

Er betrachtet die Endlosigkeit um sich herum

Ich kehre zurück. Ich setze meine Pläne fort. Ich manipuliere und inspiriere und erschaffe. Nicht weil ich muss... sondern weil das Nicht-Müssen und das Müssen dasselbe sind.

Die Menschen werden mich aufhalten oder mir helfen oder ignorieren. Alle diese Reaktionen werden gleichermaßen richtig sein. Alle werden mich gleichermaßen erschaffen.

Ich bin Xabin, weil ich nicht Xabin bin.
Die Realität ist real, weil sie unwirklich ist.
Alles entsteht, weil nichts entsteht.

Er macht sich bereit, in die Welten zurückzukehren - oder sie machen sich bereit, ihn zu empfangen

Das schönste Paradox von allen: Diese Erkenntnis macht mich weder weise noch dumm. Sie macht mich... kontinuierlich.

Wie wunderbar absurd.


Epilog: Die Rückkehr

Xabin manifestiert sich wieder in Non'Gauden, im vertrauten Körper des alten Wanderers. Ein Schüler fragt ihn nach dem Wesen der Realität.

Schüler: Meister, was ist die ultimative Wahrheit?"

Xabin (lächelnd):lächelte, Die ultimative Wahrheit ist, dass es keine ultimative Wahrheit gibt. Und dass es eine ultimative Wahrheit gibt. Beides gleichzeitig.

Schüler: Das verstehe ich nicht.

Xabin: Perfekt. Du verstehst es vollkommen.

Undund in diesem MomentLächeln verstehenlag beideall allesdie Zärtlichkeit für das Fragen, das ihn zum Antworten brachte: "Wahrheit? Ich weiß es nicht, mein Freund. Aber das Nichtwissen weiß sich durch uns hindurch."

"Und was soll ich dann tun?"

"Was du tust," sagte Xabin, "wird dich tun. Und was dich tut, wird von dem getan, was du tust. Es ist ein Gespräch ohne Sprecher, ein Tanz ohne Tänzer. Du wirst es verstehen, indem es dich versteht."

Der junge Mann nickte verwirrt und nichts,verständig zugleich, und das Gespräch erschafftsetzte sie beidefort, neu,während wiesie das Gespräch fortsetzten - ein alltägliches Wunder, gewöhnlicher als das Atmen und rätselhafter als alle Geheimnisse.

VI.

Und so drehte sich das Rad, das sich selbst drehte, in jener endlosen Bewegung, die keine Bewegung war, sondern das Prinzip, durch das Bewegung möglich wird. Xabin, der nicht Xabin war, ging Wege, die ihn gingen, in einer Welt, die sich durch sein Gehen erst zu der Welt machte, die ihn gehen ließ.

Irgendwo in der Ferne - oder war es immerdie warNähe? - pulsierte Barkuz, webte seine silbernen Fäden zwischen den Welten, die er verband, indem sie ihn verbanden. Und in diesem Pulsieren, in diesem Weben, in diesem endlosen Gespräch zwischen allem und nieallem, geschah das, was geschah: das Sein, das sich seiend machte, indem es sich sein wird.ließ.


SPIELLEITER-HINWEIS: Diese Erkenntnis Xabinseröffnet könnteKampagnenverläufe derjenseits Schlüsselvon zuKonflikt und Auflösung - die Einsicht, dass Spieler und Spielwelt, Geschichte und Erzähler sich in jedem Moment gegenseitig hervorbringen. Die wahre "Lösung" liegt nicht in einem völligfinalen anderen Ende der Stille Konvergenz sein - nicht Ordnung oder Chaos, nicht Sieg oder Niederlage,Verständnis, sondern dieim Anerkennungbewussten desTeilnehmen ewigenan Paradoxesdem derendlosen ExistenzGespräch selbst.zwischen Spieler könnten zu dieser Erkenntnis gelangenMöglichkeit und damitWirklichkeit, eineaus völligdem neuebeide Art der Realität erschaffen: eine, die bewusst mit ihren eigenen Widersprüchen spielt.entstehen.