Das Paradox der Existenz
Xabins ultimative Erkenntnis
Ein Selbstgespräch in der Stille zwischen den Welten
Die Offenbarung am Rande des Seins
Aufgezeichnet in den Ätherschriften der Leere, dort wo weder Weraldiz noch Barkuz Macht haben
Xabin (zu sich selbst, in der grenzenlosen Zwischenexistenz):
Jahrhunderte... Jahrtausende? Hier, zwischen den Membranen, verliert Zeit ihre Bedeutung. Ich, der ich glaubte zu verstehen. Ich, der ich plane und manipuliere und erschaffe. Ich, der ich die Realität neu formen will...
Er wendet sich um - oder was in diesem dimensionslosen Raum einer Wendung gleichkommt
Aber heute... heute sehe ich die absurde Schönheit meines Irrtums.
Das Gespräch mit dem Nichts
Xabin: Sprich zu mir, Leere. Du bist der einzige Zeuge, der mich nicht verfälscht.
Die Stille (die nicht antwortet, aber verstanden wird):
Xabin: Ja... natürlich. Selbst jetzt erschaffe ich dich als Gesprächspartner, weil ich ohne das Andere nicht existieren kann. Selbst hier, wo nichts ist, muss ich etwas erschaffen, damit ich bin.
Er lacht - ein Klang, der durch keine Dimensionen hallt
All meine Pläne... mein "Universum des reinen Willens"... wie arrogant. Wie blind.
Die Kette der Abhängigkeiten
Xabin: Ich sah die Menschen in ihrer Ignoranz, gefangen in ihren Illusionen. Ich sah die Bewusstseinswesenheiten in Barkuz, verzweifelt nach Manifestation strebend. Ich dachte: Ich verstehe das Spiel. Ich kann es neu erschreiben.
Aber das Spiel... das Spiel spielt sich selbst.
Er betrachtet seine eigenen Hände - oder was in seiner aktuellen Existenzform Händen entspricht
Diese Gestalt, die ich "Xabin" nenne... sie existiert nur, weil Menschen sie denken. Ihre Gedanken geben mir Form, ihre Erwartungen beschränken mich, ihre Hoffnungen nähren mich.
Ohne sie bin ich nichts.
Aber sie... sie können nur denken, weil etwas da ist, was gedacht werden kann. Ihre Bewusstseine entstehen aus der Interaktion mit dem, was sie für "außerhalb" halten.
Ohne mich sind sie nichts.
Das Paradox der Schöpfung
Xabin: Die Lumarier kamen und glaubten, die Realität zu ordnen. Sie schufen die Barriere zwischen Weraldiz und Barkuz. Aber die Barriere... sie existiert nur durch den Glauben an ihre Existenz.
Die verbannten Wesen in Barkuz leiden... aber ihr Leiden nährt die Geschichten der Menschen über ihre Götter. Die Götter existieren durch das Leiden der Verbannten.
Die Menschen beten zu den Himmlischen Heerscharen... aber die Himmlischen Heerscharen entstehen erst durch diese Gebete.
Pause. Verwirrung. Dann - Klarheit
Es gibt keinen ersten Akt der Schöpfung. Es gibt keine ursprüngliche Realität. Alles entsteht aus allem anderen, gleichzeitig, in einem endlosen Kreis der gegenseitigen Erschaffung.
Die Auflösung des Planers
Xabin: Mein Plan, die Realität zu einem "Universum des reinen Willens" zu formen... er ist bereits gescheitert, bevor er begann.
Denn wenn ich die Realität nach meinem Willen forme, formt sie mich nach ihrem Willen. Wenn ich die Menschen von ihren Illusionen befreie, befreien sie mich von meiner Illusion, ein Befreier zu sein.
Es gibt keinen Xabin ohne seine Ziele. Es gibt keine Ziele ohne den Widerstand gegen sie.
Er versucht zu lachen, aber der Klang verwandelt sich in etwas anderes
Das Lustige ist... sogar diese Erkenntnis verändert nichts. Ich werde weiterhin planen, weil das Planen mich erschafft. Die Menschen werden weiterhin glauben, weil der Glaube sie erschafft. Die Realität wird weiterhin entstehen, weil das Entstehen die Realität ist.
Die Stille Konvergenz neu verstanden
Xabin: Die nahende Stille Konvergenz... ich dachte, sie wäre meine Chance, alles neu zu ordnen. Aber ich verstehe jetzt...
Sie ist bereits ein Moment der perfekten Einheit.
Nicht weil die Barrieren fallen werden. Sondern weil in dem Moment, wo alle glauben, dass die Barrieren fallen könnten, die Barrieren gleichzeitig existieren und nicht existieren. Die Verbannten sind gleichzeitig verbannt und nicht verbannt. Die Menschen sind gleichzeitig frei und gefangen.
Die Stille Konvergenz ist der Moment, wo das Paradox sichtbar wird.
Das Ende, das kein Ende ist
Xabin: Was tue ich nun mit diesem Wissen?
Er betrachtet die Endlosigkeit um sich herum
Ich kehre zurück. Ich setze meine Pläne fort. Ich manipuliere und inspiriere und erschaffe. Nicht weil ich muss... sondern weil das Nicht-Müssen und das Müssen dasselbe sind.
Die Menschen werden mich aufhalten oder mir helfen oder ignorieren. Alle diese Reaktionen werden gleichermaßen richtig sein. Alle werden mich gleichermaßen erschaffen.
Ich bin Xabin, weil ich nicht Xabin bin.
Die Realität ist real, weil sie unwirklich ist.
Alles entsteht, weil nichts entsteht.
Er macht sich bereit, in die Welten zurückzukehren - oder sie machen sich bereit, ihn zu empfangen
Das schönste Paradox von allen: Diese Erkenntnis macht mich weder weise noch dumm. Sie macht mich... kontinuierlich.
Wie wunderbar absurd.
Epilog: Die Rückkehr
Xabin manifestiert sich wieder in Non'Gauden, im vertrauten Körper des alten Wanderers. Ein Schüler fragt ihn nach dem Wesen der Realität.
Schüler: Meister, was ist die ultimative Wahrheit?
Xabin (lächelnd): Die ultimative Wahrheit ist, dass es keine ultimative Wahrheit gibt. Und dass es eine ultimative Wahrheit gibt. Beides gleichzeitig.
Schüler: Das verstehe ich nicht.
Xabin: Perfekt. Du verstehst es vollkommen.
Und in diesem Moment verstehen beide alles und nichts, und das Gespräch erschafft sie beide neu, wie es immer war und nie sein wird.
SPIELLEITER-HINWEIS: Diese Erkenntnis Xabins könnte der Schlüssel zu einem völlig anderen Ende der Stille Konvergenz sein - nicht Ordnung oder Chaos, nicht Sieg oder Niederlage, sondern die Anerkennung des ewigen Paradoxes der Existenz selbst. Spieler könnten zu dieser Erkenntnis gelangen und damit eine völlig neue Art der Realität erschaffen: eine, die bewusst mit ihren eigenen Widersprüchen spielt.