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Symbiose III - Die Reise nach Wolfstal

Elvas Tagebuch

Aus den Aufzeichnungen der jungen Elva Eichental

Mama sagte, ich dürfe mit Oma Sigrid und Opa Jorund nach Wolfstal reisen, weil ich alt genug sei und weil Oma jemanden bräuchte, der ihr bei den Webarbeiten hilft. Aber ich glaube, das stimmt nicht ganz. Ich bin zwar erst sechs Sommer - fast zwölf irdene Sommer - alt, aber nicht dumm. Die Erwachsenen denken immer, wir Kinder merken nichts, aber ich sehe mehr als sie glauben.

Heute Morgen stehen wir noch vor Sonnenaufgang auf. Der Himmel ist noch dunkel, und Hwīlô hängt bleich über den Dächern von Haselhain. Ich schaue aus dem Fenster unserer kleinen Kammer und sehe, wie Opa Jorund den Karren belädt. Er wirkt angespannt, ganz anders als sonst, wenn wir zum Markt nach Lumaris fahren. Da scherzt er immer und singt alte Lieder.

Oma Sigrid sitzt am Tisch und webt noch schnell etwas zu Ende. Ihre Finger fliegen über den kleinen Rahmen, schneller als ich je gesehen habe. Das Muster, das entsteht, ist seltsam – es sieht aus wie verschlungene Wege oder Flüsse, die sich kreuzen und wieder trennen. Als ich näher trete, lächelt sie zu mir hoch, und für einen Moment scheinen ihre Augen im Halbdunkel zu leuchten, wie die einer Katze.

"Elva, Liebes," sagt sie, "bist du bereit für die große Reise?"

Ich nicke und setze mich neben sie. "Was webst du da, Oma?"

"Eine Karte," antwortet sie, ohne aufzublicken. "Damit wir den Weg finden."

"Aber Opa kennt doch den Weg nach Wolfstal," sage ich verwirrt.

Oma lacht leise, ein Geräusch wie plätscherndes Wasser. "Es gibt viele Wege, mein Schatz. Manche sind sichtbar, manche nicht."

Oma ist ganz anders

Seit dem Frühling ist Oma anders. Nicht schlimm anders, nur... fremd manchmal. Als hätte sie Geheimnisse, die sie mit niemandem teilt. Meine Mutter sagt, sie mache sich Sorgen um Oma, und Papa flüstert manchmal mit Opa Jorund, wenn sie denken, ich höre nicht zu.

Ich habe Oma einmal heimlich beobachtet, als sie dachte, sie sei allein. Sie saß in ihrem Zimmer und hielt einen seltsamen Stein in ihren Händen. Er war flach und oval, mit merkwürdigen Zeichen darauf, die im Kerzenlicht zu glühen schienen. Oma streichelte ihn und flüsterte Worte in einer Sprache, die ich noch nie gehört hatte. Als ich sie später danach fragte, steckte sie den Stein schnell in ihre Schürzentasche und sagte, es sei nur ein Erinnerungsstück an meinen Urgroßvater.

Oma war früher immer so vorhersehbar, so... gewöhnlich. Eine Weberin wie viele andere im Dorf, die schöne, aber einfache Tücher und Decken machte. Jetzt weben ihre Finger Muster, die niemand versteht. Muster, die sich zu bewegen scheinen, wenn man nicht direkt hinsieht.

Und dann ist da noch ihr Garten. Alle im Dorf reden darüber. Die Pflanzen dort wachsen so üppig, als hätte man sie mit Zauberei gedüngt. Letzten Monat pflückte Oma eine Birne, die von innen heraus leuchtete, als hätte sie einen kleinen Stern verschluckt. Sie ließ mich davon kosten, und sie schmeckte süßer als Honig und hinterließ ein Kribbeln auf meiner Zunge.

"Beeil dich, Elva," ruft Opa vom Hof. "Die Sonnen werden bald aufgehen, und wir haben einen weiten Weg vor uns."

Ich schnappe meinen Beutel und einen Korb mit Webgarn, den Oma vorbereitet hat. Die Fäden darin schimmern in seltsamen Farben – tiefblau wie der Nachthimmel, silbrig wie Barkuz und ein Grün, das so tief und lebendig ist, dass es fast zu atmen scheint.