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Symbiose I - Sternschnuppen über Haselhain

Sigrids Bericht

Sigrid Eichental, Weberin hier in Haselhain seit fast zwanzig Sommern nun. Niemand mit Rang und Namen, nur eine einfache Frau mit flinken Fingern für die Muster, die mir meine Großmutter noch beibrachte. Unsere kleinen Häuser stehen so weit vom Trubel Lumaris' entfernt, dass die meisten nicht einmal wissen, dass es uns gibt. Und das ist auch gut so.

Was ich euch nun erzähle, habe ich niemand anderem anvertraut – nicht Pfarrer Leofric, nicht meiner Schwester, nicht einmal meinem Mann Jorund. Sie würden entweder denken, der Webstuhl hätte meinen Verstand endlich mürbe geklopft, oder sie würden es den Ordensleuten melden. Und ich will keine fremden Männer hier, die mich ausfragen und mit wichtigen Mienen in meinem Garten herumstochern.

Es begann vorgestern Abend, als ich noch am Fenster saß und Wolle kämmte. Jorund und die Kinder schliefen bereits, aber der Tag war so heiß gewesen, dass ich noch etwas frische Luft schnappen wollte, bevor ich mich niederlegte. Der Nachthimmel war klar wie ein Bergsee, und Barkuz leuchtete silbrig über unserem Dorf, wie ein glänzendes Band, das die Himmlischen Heerscharen dort oben aufgespannt haben.

Ich habe nie viel über Barkuz nachgedacht. Er ist einfach da, so wie die beiden Sonnen und die Monde. "Das Auge der Götter", nannte ihn meine Großmutter manchmal, wenn sie von den Alten Pfaden sprach. Aber in dieser Nacht... in dieser Nacht war etwas anders.

Es war, als hätte sich eine kleine Stelle an Barkuz verdunkelt, ein winziger Fleck, der sich langsam löste. Ich dachte erst, meine Augen spielten mir einen Streich – vielleicht doch zu viele Stunden am Webstuhl. Dann wurde der dunkle Punkt größer, und plötzlich sah ich, wie er sich bewegte. Wie ein schwarzer Stern, der sich vom silbernen Band löste und auf die Erde zufiel.

Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich verstand, dass dieses Ding auf unser Dorf zukam. Nein, nicht nur unser Dorf – auf unser Haus! Es fiel schneller und schneller, bis es wie ein schwarzer Pfeil durch die Nacht schoss. Ich wollte aufspringen, wollte die Kinder und Jorund wecken, aber meine Beine waren schwer wie Blei.

Dann schlug es in unserem Garten ein, gleich neben dem alten Birnbaum. Kein Krachen, kein Donner – nur ein dumpfes, weiches Geräusch, als wäre etwas sehr Schweres auf weichen Boden gefallen. Und dann sah ich es: Wo das Ding gelandet war, verdorrte das Gras in einem perfekten Kreis. Es wurde braun, dann schwarz, dann zu Asche, die sich im Nachtwind auflöste. Der Kreis wurde größer und größer, breitete sich aus wie Tinte auf einem Leinentuch.

Ich schlug meinen Schutzrufnamen, den mir meine Großmutter beigebracht hatte, und zwar dreimal hintereinander. Ein alter Brauch, den kaum noch jemand kennt. Niemand hat uns diese Dinge beigebracht, nicht in der Kirche und nicht in der Schule, aber meine Großmutter bestand darauf, dass ich ihn nie vergessen dürfe.

Und dann – so schnell wie es begonnen hatte – war es vorbei. Der schwarze Kreis hörte auf zu wachsen, gerade als er den Rand unseres Gartens erreichte. Wo zuvor saftig grünes Gras gewachsen war, lag nun ein Kreis aus... nichts. Nicht einmal Asche war übrig geblieben, nur ein dunkler Abdruck auf der Erde, als hätte jemand einen runden, schwarzen Teppich dort ausgelegt.

Ich weiß nicht, wie lange ich dort saß, starr vor Angst, unfähig, meinen Blick abzuwenden. Irgendwann muss ich eingeschlafen sein, denn das nächste, woran ich mich erinnere, ist Jorunds Stimme, die mich weckte. "Sigrid, was machst du am Fenster? Die Sonne ist schon aufgegangen!"

Mit pochendem Herzen sprang ich auf und eilte zum Fenster. Draußen war alles... normal. Das Gras im Garten war grün, der alte Birnbaum stand unversehrt. Keine Spur von dem schwarzen Kreis, keine Anzeichen, dass etwas vom Himmel gefallen war. Es musste ein Traum gewesen sein, dachte ich erleichtert.

Bis Hildegard, unsere Nachbarin, an die Tür klopfte. Ihr Gesicht war bleich, ihre Hände zitterten.

Mit brüchiger Stimme sagte sie zu Jorund, "Ihr solltet zur südlichen Weide kommen. Etwas ist mit den Schafen geschehen."

Die blutige Weide

Jorund eilte sofort los, und ich folgte ihm. Auf dem Weg erklärte Hildegard, dass ihr Mann beim Morgengrauen die Herde überprüft hatte und mehrere Tiere tot aufgefunden hatte. Einfach so, ohne Anzeichen von Krankheit oder Verletzung.

Als wir bei der Weide ankamen, sah ich es mit eigenen Augen. Sieben unserer besten Schafe lagen leblos im Gras, alle in einem perfekten Kreis angeordnet, als hätte sie jemand so hingelegt. Genau wie der Kreis in meinem Garten letzte Nacht. Das Gras unter ihnen war völlig normal – saftig und grün. Keine Spur von Verdorrung oder Verbrennung.

"Was ist passiert?" fragte Jorund und kniete neben einem der Tiere nieder. "Sie sehen aus, als würden sie schlafen."

"Sie müssen etwas Giftiges gefressen haben," meinte Hjalmar, Hildegards Mann. "Aber ich kann nichts finden. Keine giftigen Pflanzen, keine seltsamen Spuren."

Jorund und die anderen Männer des Dorfes untersuchten die Schafe und das umliegende Land stundenlang. Manche sprachen von Wölfen, obwohl es keine Bissspuren gab. Andere vermuteten eine Krankheit, doch warum sollten dann nur diese sieben Tiere betroffen sein, und warum in einem so perfekten Kreis?

Während sie diskutierten, schlich ich mich zurück zu der Stelle, wo unser Garten liegt. Da war wirklich nichts zu sehen – das Gras wuchs so gesund wie immer. Aber als ich mich hinkniete und mit den Fingern durch die Halme fuhr, spürte ich es: eine seltsame Kälte, die aus dem Boden aufstieg. Nicht die natürliche Kühle der Erde, sondern etwas Anderes... Fremdes.

Ich grub ein wenig mit den Fingern und fand darunter eine dünne Schicht schwarzen Staubs. Als ich ihn berührte, fühlte er sich an wie Asche, aber kälter. Viel kälter. Als ich meine Hand zurückzog, sah ich, dass kleine schwarze Adern über meine Fingerspitzen krochen, wie winzige Wurzeln oder Flüsse auf einer Karte. Sie verschwanden nach wenigen Augenblicken, aber die Kälte blieb noch eine Weile in meinen Knochen.

Der Orden des Gefäßes

Der Orden des Gefäßes schickte noch am selben Tag einen jungen Kleriker ins Dorf, nachdem Leofric ihnen einen Boten gesandt hatte. Er war höflich und ernst, untersuchte die toten Schafe und stellte mir und den anderen viele Fragen. Ich erzählte ihm von den Schafen, aber nichts von dem, was ich in der Nacht gesehen hatte oder von dem schwarzen Staub unter dem Gras. Etwas sagte mir, dass ich schweigen sollte.

Der Kleriker erklärte schließlich, dass es sich wahrscheinlich um eine seltene Krankheit handele und die Tiere verbrannt werden müssten. Er führte ein kleines Ritual durch und bestreute die Kadaver mit einem weißen Pulver, bevor er sie anzündete. Die Flammen waren ungewöhnlich hell und hatten einen grünlichen Schimmer.

"Eine Vorsichtsmaßnahme", sagte er mit einem Lächeln, das seine Augen nicht erreichte.

Er verließ unser Dorf noch am selben Abend, aber nicht bevor er mir einen langen, nachdenklichen Blick zuwarf. Ich glaube, er wusste, dass ich nicht alles gesagt hatte.

Transformation

Jede Nacht seit jenem Abend stehe ich am Fenster und schaue hinauf zu Barkuz. Manchmal glaube ich, weitere dunkle Flecken zu sehen, die sich lösen könnten, aber vielleicht ist es nur meine Angst, die mir Streiche spielt.

Das Merkwürdigste ist jedoch: Seit jenem Tag wachsen die Pflanzen in unserem Garten schneller und üppiger als je zuvor. Die Blumen blühen in Farben, die ich noch nie gesehen habe, und die Früchte am alten Birnbaum sind doppelt so groß und süßer als in jedem Jahr zuvor.

Und manchmal, wenn ich allein im Garten arbeite, glaube ich, ein leises Flüstern zu hören, das aus dem Boden kommt. Worte in einer Sprache, die ich nicht verstehe, aber die mir seltsam vertraut vorkommt, als hätte ich sie schon einmal gehört – vielleicht in einem vergessenen Traum oder in den alten Geschichten meiner Großmutter.

Ich habe angefangen, diese Flüstern in meine Webmuster einzuarbeiten. Seltsame Symbole und Linien, die meine Finger zu weben scheinen, ohne dass mein Kopf sie plant. Die Stoffe, die dabei entstehen, schimmern manchmal im Mondlicht, als wären silberne Fäden eingewoben, obwohl ich nur gewöhnliche Wolle verwende.

Heute Morgen fragte mich Jorund, woher ich die neuen Muster hätte. Ich konnte ihm keine Antwort geben.

Ich weiß nicht, was vom Himmel fiel in jener Nacht. Ich weiß nicht, ob es von Barkuz kam oder von noch weiter her. Aber ich weiß, dass es etwas zurückgelassen hat – nicht nur in meinem Garten, sondern auch in mir. Etwas, das langsam Wurzeln schlägt und wächst, genau wie die seltsamen Pflanzen unter meinem Fenster.

Und manchmal, wenn ich nach Einbruch der Dunkelheit meine Hände betrachte, sehe ich wieder diese feinen schwarzen Linien unter meiner Haut pulsieren, wie ein Echo jener Nacht, als ein Stück des Himmels in meinen Garten fiel.