Gesang der fünf Wenden
Vom ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens

„Was ward, wird wieder, was weht, wird still, was fällt, wird Frucht, was fault, wird Grund." — Aus dem Liederkreis des Erþôhringaz
Werdelicht weckte die Wälder vom Schlaf,
Frühfrost fiel von den fahlen Zweigen.
Lenzlüfte lösten die Lippen der Erde,
und Saaten sogen den sinkenden Schnee.
Dagaz dehnte den dörrenden Tag,
Mittsommer mästete Mark und Halm.
Brummend blieben die Bienen im Klee,
die Ähre schwoll im schweigenden Feld.
Spätsommer spann den spröden Glanz,
bernsteinern brannten die beiden Gestirne.
Sensen sangen, es sank das Korn,
die Ernte kam ein, eh der Abend fiel.
Herbsthaft hingen die Himmel schwer,
Windwellen wühlten im welkenden Laub.
Das Vieh zog heim in die vertrauten Ställe,
Nebel nahm den Nächten die Stimme.
Winterwille wütete weit übers Land,
Kältekronen klirrten am kahlen Geäst.
Kaldaz brach blau durch bleichende Himmel,
Sturmsaat säte im sterbenden Schoß.
Kein Ausgang, kein Ende — der Anfang kehrt heim.
Zeit zehrt am Werk und zeugt es aufs neu.
Wer den Wandel weiß, wankt nicht im Sturm
und wandelt sich mit, wenn die Wende ihn ruft.