Die Kreise der Zeit
Eine uralte Erzählung aus der Tradition der Aus'Harringer, in der charakteristischen Stabreimform überliefert. Solche Verse werden bei Feierlichkeiten der Alten Pfade rezitiert und speziell zur Wintersonnenwende beim Fest des Wiederkehrenden Lichtes vorgetragen. Die rhythmischen Muster und wiederkehrenden Anfangslaute werden beim lautstarken Vortrag betont, oft begleitet vom dumpfen Schlag der Eichenfässer.
Wabernde Winde wehen weiter, während Welten wandern wild.
Kreise kehren kunstvoll wieder, künden Kunde, krönen Kraft.
Finster fließen Fäden fort, folgend früherer Fürsten Fährte.
Zeitlos zucken Zeichen zu, zehrend zahllos Zeitalter.
Ewger Eiswind eilt empor, endlos endend, ewig einsam.
Rundum rauschen Räder rastlos, rinnend, rückwärts, raunend, rufend.
Horchet, Helden, himmlisch Hallen! Hört der Huld'gung heil'gen Hall!
Lange lauschten lichte Lehren, lernten langsam Lebens Lied.
Mächtig Mal der Monde marschiert, malt mit Magie Mahnmal der Manen.
Wandrer wählen weise Wege, wissend: Weben wird zum Walten.
Heerscharen hielten hohe Hände, hütend Herde, Herd und Hain.
Sterne singen seltsam säuselnd, sammeln Seelen, segnen Schar.
Tiefe Tore tragen Träume, Tränen tropfen tausendfach.
Alte Ahnen atmen Asche, Ahnung alter Anbeginn.
Pfade prangen prächtig plötzlich, Pein und Pracht: Ein Paar, ein Plan.
Von Vorvätern vorbestimmt, Verlangen, Vergessen, Vergang.
Nebel nisten nah und näher, Nacht und Neubeginn: Ein Nichts.
Dämmernd dreht das Dasein dumpf, drängend durch der Dinge Drehung.
Kreise kommen, Kreise klingen, Kreise kehren kunstvoll heim.
Blut und Bann und Brandung binden, beugen breite Brücken bald.
Seht der Sphären sanftes Schwingen, schweigend schwebt die Schicksalsschrift.
Uralt undurchdringlich Urmacht, unters Ungescheh'nes Unheil.
Webt und wirkt und waltet weiter, wispert wundersames Wort.
Folgt dem Faden, faßt ihn fest, findet Frieden, fühlt und fahrt.
Wissend wandern wir als Wächter, wenden weit den Weltenlauf.
Dunkle Dämm'rung droht dem Dasein, dennoch dauert Daseinsgrund.
Jauchzend jubeln Jahre, Jugend, jammern jenseits jähem Joch.
Quellen quellen quälend queer, Qualm und Qual und Quecksilber.
Zeugen zittern, zahlen Zoll, zaubern zärtlich Zukunftszeit.
Ende eint mit Anbeginn, ewig eilt der Erdenpfad.
Vom Verstorbenen verstanden, vom Vergangenen vergessen.
Heil'ge Hallen hören heimlich, halten Hüter, Herz und Hand.
Mutter Mondlicht mildert Mühsal, mahnt mit mildem Mahngesang.
Raunend rauschen Runen rot, retten Reiche, richten Rat.
Fühlet fernes Feuer fließen, folget furchtlos festem Faden.
Kreise klingen, Kreise kehren, künden kunstvoll Kräfte klar.
"In diesen alten Versen liegen mehr Wahrheiten verborgen, als die meisten Menschen zu erkennen vermögen. Wer mit offenen Augen zuhört, kann die Geheimnisse der Stille Konvergenz darin erahnen."
— Aldrich vom Orden des Spiegels, 821 WZ
Notizen zur Interpretation
Forscher der Alten Pfade und Gelehrte des Ordens der Lampe streiten seit Jahrhunderten über die tiefere Bedeutung dieser Verse. Während manche darin lediglich poetische Naturbetrachtungen sehen, deuten andere auf eine verschlüsselte Überlieferung kosmischer Zyklen hin. Besonders die wiederkehrenden Verweise auf "Kreise" und die "marschierenden Monde" werden von einigen als Hinweis auf die Himmelsgleiche interpretiert.
Die Strophen über "tiefe Tore" und "Träume" könnten auf die unbewussten Verbindungen hindeuten, die manche Gelehrte zwischen unserer Welt und dem mysteriösen Barkuz vermuten. Die Erwähnung der "Heerscharen" erscheint manchen als spätere Einfügung, um die Verse mit der Kirche der Himmlischen Heerscharen in Einklang zu bringen, während andere darin einen Beweis für die uralte Herkunft dieser spirituellen Konzepte sehen.
Besonders umstritten ist die Zeile "Ende eint mit Anbeginn" – einige Druiden der Alten Pfade interpretieren dies als Hinweis auf ein zyklisches Weltverständnis, während Ordensgelehrte darin eine Prophezeiung über die Rückkehr vergessener Kräfte vermuten.
Wie bei vielen Überlieferungen der Alten Pfade bleibt der wahre Kern im Nebel der poetischen Sprache verborgen, doch in Zeiten zunehmender seltsamer Träume und verstärkter Nordlichter hat das Interesse an diesen alten Versen merklich zugenommen.