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Nilas Áilu-bártni Guovssahas-sidd

"Man fragt mich, was ich sehe, wenn ich die Trommel schlage. Ich sehe wenig, das ich nicht auch ohne sie sähe. Ich höre nur endlich zu."


Kurzprofil

Kategorie Information
Volk/Region Lithi, Guovssahas-sidd (Nordlicht-Familie), nordöstliche Tundra
Funktion/Titel Noaidi des Guovssahas-sidd – Stimme zwischen den Welten
Aufenthaltsort Ziehend mit dem Guovssahas-sidd durch die nordöstliche Tundra; häufig in den Grenzgebieten nahe Duottar-Vari unterwegs
Alter 27 Jahre (späte Jahre) – für einen Lithi bereits ungewöhnlich viele Winter
Verbindungen Aldrich Eichental und Saula Zaintza-Etxea (Gefährten seit Jahren); das Andenken Aslaks, seines verstorbenen Lehrmeisters; der Vuorrasiidráđđi (Ältestenrat) des Guovssahas-sidd; Olva Heaika-nieida Matis-sidd, eine weise Frau in Nordstrand
Besondere Fähigkeiten Trommelreise und Windwanderung; Joik-Gesang mit spürbarer Wirkung auf Geistwesen; Divination durch Nordlicht- und Knochenlese; Heilkunst. Kein Beseelter – seine Stärke liegt in Vermittlung und Ausdauer, nicht im Kampf

Erscheinungsbild

Porträt des Lithi-Noaidi Nilas Áilu-bártni Guovssahas-sidd – junges, bärtiges Gesicht im Gákti, erste Ansätze einer Wangentätowierung, auffallend helle Augen, eine Rahmentrommel im Arm.

Nilas trägt sein Gákti nicht als Schmuck, sondern als Werkzeug – die Ornamente an Saum und Ärmel sind praktisch angeordnet, griffbereit mehr als schön. Sein dunkler Bart ist noch kurz und schütter, kaum mehr als ein Schatten auf der Haut, doch gerade lang genug für zwei geflochtene Strähnen, die die Farben des Guovssahas-sidd tragen. Auf seinen Wangenknochen zeichnen sich die ersten schmalen Linien einer Tätowierung ab, wie Aslak sie in vollendeter Form trug – bei Nilas sind es bislang nur Andeutungen, kaum begonnene Zeichen einer Verbindung, die sich noch vertieft. Seine Augen gelten unter jenen, die ihn lange kennen, als auffällig hell; nur wer sehr genau hinsieht, bemerkt manchmal einen Schimmer darin, der nicht ganz zum übrigen Licht passt. An einer Kette aus Holzperlen und Knochenschmuck, die er unter dem Kragen seines Gákti trägt, hängt stets eine kleine Kristallphiole mit Purpurmoos-Essenz aus den lichtlosen Höhlen jenseits des Fjords von Nordarmen. Die erste hat er in einer Höhle bei Duottar-Vari über fremde Kristalle ausgegossen; seither füllt er sie nach, ehe er aufbricht, gleich wohin der Weg führt.


Persönlichkeit

Nilas gehört zu jenen, die die Lithi mit Jávohisvuohta beschreiben – der Stille, die zuhört, ehe sie urteilt. Unter Fremden gilt er leicht als schweigsam bis zur Unnahbarkeit; wer länger mit ihm reist, erkennt darin keine Kälte, sondern eine Gewohnheit, jedes Wort erst gegen sein Gewicht zu prüfen, ehe er es ausspricht – eine Übung, die sechzehn Jahre unter Aslak in ihm gefestigt haben. Er entscheidet selten schnell, doch wenn er entscheidet, duldet seine Stimme keinen Widerspruch mehr; jene Bestimmtheit, mit der er einst den Weg in die Schlucht bei Duottar-Vari wies, ist bei ihm die Ausnahme, nicht die Regel, und er selbst weiß, dass sie ihn ebenso oft in Gefahr wie aus ihr herausgeführt hat.

Sein Verhältnis zur eigenen Tradition ist komplizierter, als es sein ruhiges Auftreten vermuten lässt. Er führt jedes Ritual aus, das sein Amt verlangt, ohne sichtbares Zögern – und fragt sich zugleich, öfter als er es zugäbe, ob Aslaks letzter Rat, nicht blind an allem festzuhalten, ihn zu einem schlechteren oder zu einem ehrlicheren Noaidi gemacht hat. Für die Jüngeren des Sidd, die nach Nordstrand oder in die Aus'Harringer-Siedlungen abwandern, hat er mehr Verständnis, als die Älteren des Vuorrasiidráđđi gerne hören – und mehr Sorge, als die Abwandernden selbst vermuten.


Hintergrund

Sechzehn Jahre lang war Nilas Schüler Aslaks, des großen Noaidi vom Guovssahas-sidd, der beinahe vierzig Winter erlebte – ein Alter, das unter den Lithi als übernatürlich gilt. Von ihm lernte er die Trommelreise, die Gesänge, die Traumsprache der Bajasdolgi und, mehr als alles andere, das Gewicht des Amtes, das er eines Tages tragen würde. Als Aslak unter tanzenden Nordlichtern starb, übertrug er Nilas mit seinen letzten Atemzügen nicht nur die Trommel, sondern auch einen Zweifel, den der alte Mann sein Leben lang für sich behalten hatte: dass der Weg der Lithi vielleicht nicht der einzige sei, und dass die Sidd eher an der eigenen Starre als an äußeren Feinden zugrunde gehen könnten. Der Guovssahas-sidd zählte damals kaum mehr als achtzig Seelen; zwei Generationen früher waren es fast zweihundert gewesen, und junge Familien zog es weiter zu den festen Häusern der Aus'Harringer. Nilas übernahm das Amt, ohne sich bereit zu fühlen – niemand sei das je, hielt Aslak ihm entgegen, er selbst am wenigsten.

Noch im ersten Jahr seines Amtes suchte er, wie Aslak es ihm geraten hatte, Olva Heaika-nieida Matis-sidd auf – eine in Nordstrand ansässige weise Frau, die angeblich beide Welten kennt. Was sie ihm sagte, hat er nie wiederholt; seither reist er häufiger als andere Noaidi seines Ranges an die Ränder des Lithi-Landes. Auf einer dieser Reisen suchte er die Karawane aus Wolfsthal, auf die der Sidd seit sieben Tagen mit ungetauschten Fellen wartete, und traf in den Anhöhen vor Duottar-Vari auf Aldrich Eichental und Saula Zaintza-Etxea. Was als geteilte Sorge um Vermisste begann, endete in einer Höhle voller singender Kristalle und tanzender Vajaldahti – und mit einem Namen, den keiner von ihnen seither vergessen hat: Azaril.


Rolle in der Welt

Innerhalb des Guovssahas-sidd ist Nilas kein Reformer – dieses Wort kennt seine Sprache kaum –, sondern ein Noaidi, der die alten Pflichten mit ungewöhnlicher Offenheit für das verbindet, was von außen kommt. Er duldet den Handel mit Nordstrand, wo andere Sidd ihn misstrauisch beäugen, und er hat gelernt, mit Ältesten zu streiten, ohne die Ärga zu verlieren, die seinem Amt zusteht. Unter den drei Gefährten ist er selten der Erste, der spricht, doch fast immer derjenige, dessen Wort am Ende den Ausschlag gibt – eine Rolle, die er nicht gesucht hat und die ihm, wie er manchmal Aldrich gesteht, mit jedem Jahr schwerer auf den Schultern liegt.

Mit der nahenden zweiten Himmelsgleiche hat sich sein Blick geschärft: Jedes ungewöhnliche Zeichen, das andere Noaidi als bloßes Omen abtun, prüft er inzwischen zweimal – aus Vorsicht, sagt er, nicht aus Furcht, auch wenn kaum jemand ihm das ganz glaubt.


Gerüchte und Geheimnisse

Manche im Guovssahas-sidd murren, Nilas sei durch seine Reisen unter Fremden weicher geworden, kein Noaidi mehr alter Prägung – andere erwidern, genau das habe Aslak mit seinen letzten Worten gemeint.Prägung.

Was Nilas niemandem anvertraut hat, nicht einmal Aldrich: Seit jener Nacht in der Höhle bei Duottar-Vari meint er manchmal, in stillem Wasser einen Schimmer in den eigenen Augen zu erkennen, der vor der Berührung des schwarzen Kristallfragments nicht da war. Er hat das Fragment seither nicht wieder berührt.berührt, Eraber er hat auch nicht aufgehört, es bei sich zu tragen.

Was Olva Heaika-nieida ihm in Nordstrand sagte, hat er nie wiederholt – nicht einmal, als ihn die Ältesten des Vuorrasiidráđđi direkt danach fragten. Manche im Sidd glauben, es habe mit dem Schwinden ihres Volkes zu tun. Andere fürchten, es habe mit der kommenden Himmelsgleiche zu tun. Beide könnten recht haben.


"Wer Aslak kannte, erkennt in seinem Nachfolger nicht dessen Stimme, sondern dessen Schweigen – und weiß, dass beides seinen Platz hatte."
— Eine Älteste des Vuorrasiidráđđi vom Guovssahas-sidd