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Navil Rashthar ✪

"Sie fragen mich, was mein Name bedeutet. Er bedeutet nichts. Das ist seine ganze Kraft: An einem Wort, das nichts bedeutet, findet nichts einen Griff."
— Navil Rashthar, bei der Erklärung seines Beinamens vor drei Zeugen, 816 WZ


Kurzprofil

Kategorie Information
Volk/Region Cel Hushi, Rasnal
Funktion/Titel Gründungsmitglied der Zilac Hevil; Wortführer der Zilac Methian; Urheber der Huin-Zera-Techniken
Aufenthaltsort Rasnal, Haus der Sieben Spiegel; unterweist neue Mitglieder im Schlaflosen Garten am Stadtrand
Alter 39 Jahre (hochbetagt)
Verbindungen Ithira Lethu und Kelitha Lurunathi, mit denen zusammen er 816 WZ die Zilac Hevil gründete; Svethina Ravnthu, die seine Techniken erforscht und ihn selbst gleich mit; die Luchva, deren ältestes Mitglied er ist; der Eisnar Fanu, dessen sechsten Ring er als Einziger der Bewegung von innen kennt
Besondere Fähigkeiten Die vier Huin-Zera-Techniken – Siebenfacher Atem, Spiegelgeist, Namenstechnik, Gedankenprüfung –, die er selbst entwickelt hat und wie kein Zweiter beherrscht; ein Gedächtnis für Traumbilder, das noch aus seiner Ausbildung stammt. Er führt keine Waffe, formt keinen Geist und hat beides nie gelernt

Erscheinungsbild

Porträt Navil Rashthars – ein hagerer, kahlgeschorener alter Mann in tiefgrünem Ornat mit Goldbrokat, der silberweiße Bart in einen langen Zopf mit Goldfäden geflochten, am linken Handgelenk ein nahtloser, schwach bläulich schimmernder Reif.

Navil ist hager bis an die Grenze dessen, was ein Leib von neununddreißig Jahren noch trägt, und steht dabei so aufrecht, als habe ihm das nie jemand gestattet. Der Schädel ist kahl geschoren, wie er es seit seinem ersten Jahr in den Ringen hält; der Bart dagegen fällt lang und silberweiß über die Brust, zu einem einzigen Zopf geflochten und mit feinen Goldfäden durchwirkt. Die eine Seite ist um einen Schlag fester geflochten als die andere – die Arbeit einer Hand, die das seit Jahrzehnten in der Besinnung verrichtet, im Halbdunkel, ohne hinzusehen.

Er trägt noch immer das tiefgrüne Ornat des Eisnar Fanu, das Schultertuch mit dem Muster, das wandert, wenn das Licht darüber streicht. Nicht aus Anhänglichkeit: In diesem Gewand geht er durch das Tagestor in den Zilath-Ring, und niemand fragt ihn, wohin. Am linken Handgelenk sitzt ein schmuckloser Reif aus einem Stoff, den keiner benennen kann, mit einem schwachen bläulichen Schimmern darin, ohne Schloss, ohne Naht, ohne Ansatz. Er lässt sich nicht abnehmen. Das ist keine Redensart.

Am längsten bleibt Fremden das Auffälligste im Gedächtnis: Seine Augen sind von einem blassen Bernstein, fast durchscheinend, und in bestimmtem Licht scheint etwas darin zu stehen, das nicht von außen hineinfällt. Er blinzelt zu selten. Wer mit ihm spricht, verliert nach einer Weile den Faden und weiß hinterher nicht, woran es lag.


Persönlichkeit

Navil hört zu wie jemand, der es sich angewöhnt hat, ein Gespräch nicht zu führen, sondern zu prüfen. Er unterbricht nie, er widerspricht selten, und er antwortet oft erst nach einer Pause, die den anderen unangenehm wird – nicht, weil er nach Worten sucht, sondern weil er zuvor seinen eigenen Einfall gegen die Gedankenprüfung hält. Das macht ihn zu einem geduldigen Lehrer und zu einem zermürbenden Verbündeten. Die Jüngeren in der Bewegung sagen, mit Navil zu beraten heiße, dreimal dieselbe Frage zu stellen und dreimal dieselbe Gegenfrage zu bekommen.

Er hält nichts von Zorn, und er täuscht sich selbst nicht darüber, warum: Zorn ist eine Bewegung, die man nicht geprüft hat. Was er stattdessen anbietet, ist eine Aufmerksamkeit, die mitunter schwerer zu ertragen ist als Vorwürfe. Wer bei ihm lernt, merkt bald, dass er nicht die Manipulation des Eisnar Fanu unterrichtet, sondern das Misstrauen gegen den eigenen Kopf – und dass dieses Misstrauen, einmal gelernt, sich nicht wieder abstellen lässt.

Seine Freundlichkeit ist echt und kostet ihn Mühe. Beides sieht man ihm an.


Hintergrund

Sie holten ihn in seinem sechsten Jahr. Die Träume hatten begonnen wie bei allen, von denen man das erzählt – ein Raum, der größer war als das Haus, in dem er stand –, und die Eltern gaben ihn fort, wie man in Rasnal ein Kind fortgibt, das der Ruf erreicht hat: ohne Streit und ohne Hoffnung auf Wiedersehen. Was danach kam, hat er nie vollständig beschrieben. Bekannt ist die Richtung: Zilath, Tulpath, Lartuth, Velath, Trutvecie. Er stieg schneller als seine Jahrgänge und trug in seinen jungen Jahren den Vithurnei Phaistial, Lichtträger, wie ihn die Velitasmo-Ordnung jenen gibt, die andere unterweisen. In den Aufzeichnungen der Zilac Hevil heißt er bis heute schlicht „ehemaliger Berater des Eisnar Fanu" – das Wort, das Fremde für ihn haben.

Im Jahr 815 WZ führten sie ihn in den Zuveth, den Wohnring der Eisnar Cipen, und begannen, was dort begonnen wird. Es kam nicht zu Ende. Man sagte ihm, seine Traumverbindungen seien fehlerhaft; man sagte es freundlich, wie dort alles freundlich gesagt wird, und schickte ihn zurück nach außen. Drei Tage später ging er durch das Tagestor und kam nicht wieder. Er nahm nichts mit als das Gewand, das er trug, und den Reif, den er im Dunkeln unter dem Komplex an sich genommen hatte und dessen Herkunft er bis heute niemandem erklären kann.

Ithira Lethu fand ihn im Jahr darauf, ein Jahr nach ihrem eigenen Durchbruch der Schleier – einen Mann von elf Jahren, der in einem Töpferschuppen wohnte und seinen Beinamen abgelegt hatte. Vor drei Zeugen, wie es das Recht verlangt, erklärte er sich zu Rashthar, einem Wort, das in keine der sechs Kategorien fällt und dem er jede Bedeutung abspricht. Aus der Übung, mit der er sich damals an diesem Namen festhielt, wurde in den Jahren bis 823 WZ die Namenstechnik, und aus ihr und drei weiteren Übungen das Huin Zera, ohne das die Bewegung über die drei Gründer nie hinausgewachsen wäre.

Seither hat er siebenundzwanzig Jahre gelehrt. Von den Menschen, denen er das Erwachen beibrachte, sind die meisten vor ihm gestorben.


Rolle in der Welt

Navil führt die Zilac Methian, jene Strömung der Zilac Hevil, die auf geduldige Unterwanderung setzt: Mitglied für Mitglied in die unteren Ränge des Eisnar Fanu, Jahr für Jahr, ohne Bruch und ohne Zeichen. Die Operation „Stiller Spiegel" ist sein Werk, und sie ist erfolgreich – so erfolgreich, dass niemand sie vorweisen kann, ohne sie zu verraten. Genau das werfen ihm die Zilac Hastian vor. Kelitha Lurunathi rechnet öffentlich vor, wie viele Jahre bis zur Himmelsgleiche bleiben und wie viele Ringe des Tores in derselben Zeit gewachsen sind, und die Rechnung fällt nicht zu Navils Gunsten aus.

Für Spielergruppen ist er die Stelle, an der die Zilac Hevil aufhören, eine Widerstandsbewegung zu sein, und anfangen, eine Frage zu sein. Er kann mehr über das Innere des Eisnar Fanu sagen als jeder andere lebende Mensch außerhalb des Zuveth. Er wird es auch tun – ausführlich, genau, ohne Bedingungen. Was er nicht tun wird, ist zu handeln, solange er nicht geprüft hat, und geprüft hat er nie zu Ende. Eine Gruppe, die Verbündete sucht, findet bei ihm das beste Wissen des Kontinents und die langsamste Hand.

Er ist neununddreißig Jahre alt, in einem Land, in dem man mit fünfunddreißig als alt gilt. Er weiß, was das heißt, und er richtet seine Pläne danach ein, dass sie ohne ihn zu Ende gehen. Nur sagt er es niemandem.


Gerüchte und Geheimnisse

Innerhalb der Luchva ist bekannt, dass die Verwandlung im Zuveth Persönlichkeitsanteile durch Fragmente der Verderbten Triade ersetzt und in frühen Stadien umkehrbar scheint. Navil ist der einzige bekannte Fall, bei dem sie unterbrochen wurde. Svethina Ravnthu hat zwei Lesarten aufgeschrieben und kann keine von beiden prüfen: dass das Bernsteinlicht in seinen Augen der Rest dessen ist, was ihm genommen wurde – oder der Rest dessen, was in ihm zurückblieb.

Die Gedankenprüfung, mit der Hunderte fremde Einflüsse im eigenen Denken erkennen gelernt haben, hat bei ihrem Urheber noch nie ein reines Ergebnis geliefert. Er hat das nie verschwiegen. Er hat auch nie erklärt, warum er dennoch jedem rät, ihr zu folgen.

Der Reif lässt sich nicht abnehmen, weil er keine Öffnung hat und die Hand breiter ist als sein Durchmesser. Zwei Dinge sind darüber gesichert: Er ist älter als die Freilegung von 603 WZ, und in seiner Nähe gelingt der Siebenfache Atem leichter. Ob er Navil schützt oder ihn hält, ist die Frage, die in den Kammern hinter dem Keramikatelier am längsten unbeantwortet geblieben ist. Navil selbst hat einmal gesagt, er habe aufgehört, sie zu stellen, und das sei die einzige Bequemlichkeit, die er sich je gestattet habe.

Unter den Rath Lecale, die ihn kennen, hält sich hartnäckig eine dritte Möglichkeit, die die Zilac Hevil nicht aufschreiben: dass man ihn nicht fortgeschickt hat, weil er fehlerhaft war, sondern weil er brauchbarer war draußen.


"Er lehrt uns, jeden Gedanken zu prüfen, ehe wir ihm folgen. Dann prüft er seinen eigenen und folgt ihm nie. Wie viele Jahre, Navil, nennst du Geduld?"
— Kelitha Lurunathi, Wortführerin der Zilac Hastian