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Die gefegte Stadt der Salzebenen

„Der Befund ist gesichert, wiederholt und unbestritten. Er ist bloß nicht veröffentlicht. Das ist etwas anderes als unbekannt, und wer den Unterschied nicht aushält, sollte nicht messen."
— Randnotiz in einer Aufnahmemappe der Jakintza Ezagutza, Verfasser gestrichen


Überblick

Kategorie Information
Art Bauwerk unbekannter Herkunft / Anlage in Betrieb
Region Westliche Salzebenen Non'Gaudens, abseits der Straße nach Egitura, sieben bis acht Tagesmärsche nördlich ihres letzten Brunnens
Örtliche Bezeichnung Garbihiri, „die gefegte Stadt" – ein Wort der Salzfahrer; in den Registern der Jakintza heißt sie „Westfeld, Aufnahme IV"
Kulturkreis Unbekannt. Kein Baustil, kein Zeichen, keine Schrift, keine Bestattung
Alter Nicht bestimmbar – das Baumaterial erneuert sich
Zugänglichkeit Grundsätzlich offen; die Anreise ist das Hindernis. Im Spätsommer nicht überlebbar
Gefahrenstufe Gering bei einer Nacht · Hoch ab der zweiten · Tödlich ab der vierten
Bekanntheitsgrad Unter Salzfahrern verbreitet; in Non'Gauden Gelehrtenwissen, das aus Gründen nicht gedruckt wird

Erscheinungsbild

Eine schnurgerade Gasse zwischen niedrigen, dachlosen Kammern aus geschnittenen Salzblöcken, die sich in Reihen bis zum flimmernden Horizont wiederholen. Im Vordergrund liegen lange, leicht überlappende Kehrbögen im Salzstaub. Am blassen Himmel stehen zwei Sonnen, eine große goldene und eine kleine blauweiße.

Die westliche Salzebene gibt dem Auge nichts. Sie ist weiß, sie ist eben, und sie ist es in jede Richtung so lange, bis das Flimmern über dem Boden den Himmel an den Rand des Bodens klebt und die Trennung aufhebt. Wer hier geht, geht ohne Bezug: Es gibt keinen Hügel, der wüchse, keinen Baum, der näher käme, nur die eigenen Fußspuren hinten und vorn dasselbe Nichts. Nach einem halben Tag hört man das Knirschen der Kruste unter den Stiefeln lauter als die eigene Stimme.

Dann steht die Stadt da, ohne sich vorher als Umriss am Horizont angekündigt zu haben – sie ist so flach gebaut, dass man sie erst erkennt, wenn man beinahe schon darin ist.

Es sind Blöcke aus geschnittenem Salz, kniehoch bis brusthoch, zu Mauerzügen gesetzt, die niedrige Kammern umschließen: keine Dächer, keine Türen, nur Öffnungen, immer an derselben Stelle der Westseite und immer gleich breit. Die Kammern stehen in Reihen, die Reihen in Blöcken und die Blöcke an Gassen, und das setzt sich fort, bis die Hitzeschlieren es auflösen; wer den Rand des Feldes abgehen will, braucht dafür anderthalb Tage.

Die Schwierigkeit beginnt damit, dass es keine Ruine ist. Die Kanten der Blöcke sind scharf, die Fugen schließen ohne Mörtel, und wo der Wind eine Fläche angefressen hat, ist sie nachgeschnitten – kenntlich an einem helleren Salz und an Schnittspuren, die frischer sind als das Übrige. Über das ganze Feld hinweg stimmen die Maße auf eine Fingerbreite überein, und das ist keine Leistung, die dem Wetter zuzutrauen wäre.

Dazu kommen die Gassen. Die Ebene legt jeden Tag eine feine Staubschicht ab, die man in jedem Lager am Morgen von allem abklopft, und in den Gassen liegt sie nicht: Sie ist fort, in langen, leicht überlappenden Bögen, wie sie ein Besen zieht.


Geschichte und Ursprung

Es gibt nichts, woraus sich eine Geschichte ableiten ließe – keine Inschrift, kein Bildzeichen, kein Werkzeug, keinen Abfall, keine Feuerstelle und keine Knochen –, und die beiden Dinge, die sich daraus mit einiger Sicherheit schließen lassen, lauten, dass dort nie jemand begraben wurde und nie jemand gegessen hat.

Auch das Alter entzieht sich. Salz aus dem Feld, mit Salz aus der umgebenden Kruste verglichen, zeigt keinen Unterschied, und da die angegriffenen Flächen nachgearbeitet werden, ist jede Oberfläche jünger als das Bauwerk und älter als der letzte Sturm. Der Vorschlag, eine unauffällige Kante zu markieren und nach einem Jahr wiederzukommen, ist zweimal gemacht und zweimal ausgeführt worden. Beim ersten Mal war die Markierung fort und die Kante scharf, und beim zweiten Mal war die Markierung fort und die Kante scharf.

Die Salzfahrer kennen das Feld seit mindestens acht Generationen und haben nie behauptet, es sei früher kleiner gewesen. Sie haben auch nie behauptet, es sei früher schmutzig gewesen.


Besondere Merkmale

  • Die Ordnung: Das Feld ist gegliedert, und die Gliederung ist nicht zufällig – Abstände, Öffnungsrichtungen und Kammergrößen wiederholen sich in einer Folge, die sich über drei Ebenen beschreiben lässt und auf der vierten aufhört, aufzugehen. Drei non'gaudische Aufnahmen haben unabhängig voneinander dieselbe Folge und dieselbe Stelle des Abbruchs verzeichnet.

  • Das Fegen: Es geschieht während der Schattenruhe. Das ist keine Vermutung, sondern die einzige Zeit, die bleibt: Vor der dreizehnten Stunde sind die Gassen bestäubt, nach der neunzehnten sind sie rein, und dazwischen schläft alles, was atmet, weil es nicht anders kann. Spuren, die vom Fegen selbst stammen, hat noch keiner im Staub gefunden, gehört hat es ebenfalls niemand, und aufgewacht ist davon in keiner der Aufnahmen auch nur ein Einziger.

  • Die Aufnahme: Was im Feld liegt, wird Teil des Feldes. Nacht für Nacht greift die Ordnung weiter aus – erst auf die Gassen, dann auf das Lager, dann auf die Schlafenden. Der Vorgang verläuft gleichmäßig und ohne Schnörkel; er verletzt niemanden und nimmt nichts fort, er stellt nur zurecht, was nicht zurechtsteht.

  • Der Spätsommer: In der heißesten Jahreszeit wird die Ebene zur Herdplatte, und arbeiten lässt sich ausschließlich in den kühlen Stunden. Das sind die Stunden der Schattenruhe. Wer darauf setzt, schläft, und wer nicht schläft, verbrennt, weshalb eine Aufnahme im Spätsommer nicht schwierig, sondern unmöglich ist – was alle drei Versuche, die es gegeben hat, auf dieselbe Weise bestätigt haben.


Gegenwärtiger Zustand

Unverändert und in Betrieb. Die Salzfahrer nutzen den Ostrand des Feldes als Wegmarke, lagern aber grundsätzlich eine Stunde außerhalb, und diese Stunde ist unter ihnen kein Aberglaube, sondern eine Zahl, über die man nicht verhandelt.

Von Non'Gaudener Seite sind seit 794 WZ sieben Aufnahmen erfolgt, die letzte 838 WZ. Alle sieben waren auf eine Nacht angelegt. Die Anweisung, die seither jeder Aufnahmeleitung mitgegeben wird, besteht aus einem Satz und ist in den Mappen jedes Mal gleich abgeschrieben: Eine Nacht, kein Versuch, kein Freiwilliger.

Seit etwa 835 WZ berichten Salzfahrer, dass die Bögen im Staub auch außerhalb der Gassen zu finden seien – auf der offenen Kruste, einige Schritte vor dem Ostrand, dann zwanzig, dann fünfzig. Die Meldungen sind uneinheitlich und schwer zu prüfen, weil der Wind sie über Tage einebnet. Eine achte Aufnahme ist beantragt und seit vier Jahren nicht bewilligt.


Magische und übernatürliche Eigenschaften

An diesem Punkt wird die Sache für Non'Gauden unangenehm, denn nachweisen lässt sich nichts.

Die westlichen Salzebenen gelten als das reinste Untersuchungsfeld des Kontinents – flach, tot, frei von natürlichen Einflüssen, weshalb Egitura überhaupt dort errichtet wurde: Was sich hier zeigt, ist künstlich, messbar, zurechenbar. Genau dieses Gelände trägt eine Anlage, an der sich mit sämtlichen verfügbaren Verfahren nichts nachweisen lässt. Kein Feld, keine Resonanz, keine Abweichung der Luft, des Bodens oder des Lichts, und die Blöcke bestehen aus nichts als dem Salz, auf dem sie stehen.

Es geschieht trotzdem etwas, und zwar zuverlässig, wiederholbar und unter Beobachtung – und ein Ort, der nichts aufweist und dennoch handelt, ist für die Naturlehre kein Rätsel mehr, sondern ein Einwand gegen sie, weshalb über Garbihiri viel gesprochen und nichts gedruckt wird.


Bewohner und Kreaturen

Keine – weder die Panzerläufer, die anderswo in der Kruste graben, noch die Schwärme, die den Zügen folgen –, und die Grenze verläuft scharf: Fünfzig Schritt vor dem Feld finden sich Gänge und Spuren wie überall auf der Ebene, danach keine einzige mehr.

Was fegt, ist nie gesehen worden. Es gibt dazu keine Beschreibung, keinen Schattenriss, keinen Laut, und die Berichte, die etwas dergleichen behaupten, stammen ausnahmslos von Leuten, die selbst nicht dort waren.


Erforschungsgeschichte

Die erste Aufnahme von 794 WZ verzeichnet den Bau, die Maße und das Fegen und schließt mit der Empfehlung, eine längere Beobachtung anzuschließen. Die zweite Aufnahme, 801 WZ, blieb drei Nächte.

In der ersten Nacht wurden die Gassen gefegt und die Spuren des Lagers darin mit. In der zweiten Nacht war beim Erwachen das Lager geordnet: Gerät in Reihen, Stiefel paarweise, die Steine der Feuerstelle ausgerichtet, die Feuerstelle selbst kalt und ausgeräumt. In der dritten Nacht lagen die Schlafenden nicht mehr dort, wo sie sich hingelegt hatten. Sie lagen in den Gassen, in einer Reihe, gleich ausgerichtet wie die Kammern, unverletzt, ordentlich zugedeckt, und sie erwachten zur üblichen Stunde. Niemand hatte etwas bemerkt. Die Aufnahmeleitung brach noch am selben Tag ab und trug ins Feldbuch ein, die Reihe sei „vollständig und ohne Zwischenfall" verlaufen.

Die vierte Aufnahme, 809 WZ, war als Gegenprobe ausgelegt und auf sieben Nächte angesetzt. Sie ist nicht zurückgekehrt. Der Ort, an dem sie lagerte, ist bekannt, weil die fünfte Aufnahme ihn aufsuchte und beschrieb. Das Lager steht noch, und es wird gepflegt: Die Zeltbahnen sind gespannt, das Gerät liegt in Reihen, die Stiefel stehen paarweise, und unter den Decken liegen sechs Körper, die aus Salz geschnitten sind und in Größe, Lage und Haltung mit den sechs vermissten Personen übereinstimmen, soweit sich das von außen beurteilen lässt. Die fünfte Aufnahme hat nichts berührt, nichts mitgenommen und ist nach einer Nacht abgereist.

Die sechste und die siebte Aufnahme haben bestätigt, dass das Lager weiterhin steht und weiterhin gepflegt wird.


Kulturelle Deutungen

Kultur Deutung
Auwharin Kaum jemand hat davon gehört; die Kirche führt das Feld nirgends. Wo Reisende davon erzählen, wird es als Warnung vor der Hoffart des Ostens verstanden: ein Volk, das die Ordnung über alles stelle, habe endlich einen Ort gefunden, der ordentlicher sei als es selbst. Das ist keine Theologie, sondern Spott, und es beruhigt.
Non'Gauden Der unangenehmste offene Vorgang des Konsiliarats. In Egitura, das seine Berechtigung auf die Leblosigkeit dieser Ebene gründet, gilt das Feld unter jüngeren Forschenden als das Argument, das man nicht führen darf. Es steht auf keiner Liste offener Fragen, weil niemand es dort eingetragen hat.
Lithi Aus zweiter Hand und ohne Neugier. Ein Ort, an dem etwas eine Arbeit verrichtet, die niemand in Auftrag gegeben hat, ist nach Lithi-Verständnis kein Rätsel, sondern schlicht nichts, womit man zu tun haben will. Man fragt einen Fremden nicht, warum er kehrt.
Cel Atiz Cel-Hushi-Händler in Ezagutza haben die Sache aufgeschnappt und geben sie als Erzählung weiter, in der die Stadt auf Gäste wartet. Dass diese Fassung freundlicher klingt als der Befund, ist den Erzählern bewusst; sie halten es für den Teil, den die Non'Gaudener nicht aussprechen wollen.

Lokale Legenden und Überlieferungen

  • Unter den Salzfahrern gilt es als ausgemacht, dass man im Feld nichts hinterlässt, auch keinen Abfall, auch nichts absichtlich. Was man hinterlässt, gehört ab dann dazu, und man soll nichts dazugeben, was man wiederhaben will.
  • Es heißt, wer eine Kammer betritt und sich hineinsetzt, fühle sich sofort besser. Die Salzfahrer halten das für zutreffend und genau deshalb für gefährlich.
  • Ein Führer, der dreimal dort war, soll gesagt haben, das Feld sei nicht unbewohnt, sondern unbezogen – fertig, in Ordnung gehalten und noch nicht übergeben. Der Satz wird viel zitiert und niemandem zugeschrieben.

„Es tut nichts, was ein Hausherr nicht täte. Das ist es ja."
— Aufzeichnung eines Salzfahrers der Egitura-Straße, 831 WZ