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Das Zweite Wachstum der östlichen Urwälder

„Der Junge hat sich an einem Dorn geritzt, mehr nicht, und ich habe ihn festgehalten und seine Mutter hat das Eisen geführt. Er hat geschrien, bis er heiser war. Er ist heute vierzehn und hat zwei ganze Hände. Frag mich nicht noch einmal, ob es hart war."
— Eine Händlerin von einem Tauschplatz an der östlichen Waldkante, aufgezeichnet 840 WZ


Überblick

Kategorie Information
Art Naturphänomen / Zone veränderter Wundheilung
Region Östliches Binnenland von Cel Atiz, im geschlossenen Tropenwald jenseits der letzten Tauschplätze
Örtliche Bezeichnung Keine. Die Randsiedlungen sagen „das Zweite Wachstum"; die Waldgruppen, die darin leben, geben auf die Frage keinen Namen
Kulturkreis Keiner. Es ist nichts gebaut, nichts errichtet, nichts hinterlassen
Alter Unbekannt; älter als jede Erinnerung der Tauschplätze
Zugänglichkeit Frei begehbar. Darin liegt die Schwierigkeit
Gefahrenstufe Gering für Unverletzte · Unumkehrbar ab der ersten offenen Wunde
Bekanntheitsgrad An der östlichen Waldkante allgemein bekannt; in Rasnal und Vetluna ein Gerücht, das man für übertrieben hält

Erscheinungsbild

Man sieht nichts.nichts, Dasund das ist bei diesem Ort die erste und wichtigste Feststellung, unddenn sie ist der Grund, warum er so viele gekostet hat.

Der östliche Tropenwald ist überall dicht, feucht und dunkel. Über dem Boden schließt sich das Kronendach so vollständig, dass selbst im hellen Morgenwerk unten ein grünes Zwielicht steht, in dem man die eigene Hand ausgestreckt noch erkennt und den Gefährten fünf Schritte weiter nicht mehr. Der Boden ist warm und weich von Laub, das zu zersetzen der Wald keine Zeit lässt, weil schon das Nächste darauf fällt. Es riecht nach nasser Rinde, nach Blüte und nach Fäulnis, und der Lärm ist ununterbrochen.

In der Zone istverhält sich all das alles genauso.genauso: Die Bäume sind nichtweder größer,größer nichtnoch anders gewachsen, nicht seltener oder häufiger. Eses gibt keine Kante, kein Zeichen,Zeichen und keinen Wechsel im Bewuchs, und die Tiere verhaltentun, sich, wiewas Tiere sich in diesem Wald verhalten.tun. Wer hindurchgeht und dabei heil bleibt, geht hindurch und merkt nichts, weder währenddessen noch danach.

Erkennbar wird die Zone ausschließlich an Verletzten. Ein Dornenriss, ein Schnitt beim Machetenschlag, eine aufgescheuerte Stelle unter dem Riemen – draußen verschorft so etwas in zwei Tagen.Tagen, Hierhier nicht.dagegen nimmt es einen anderen Weg. Die Wunde blutet normal,wie jede Wunde, sie schließt sich normal,wie jede Wunde, sie entzündet sich nicht,nicht sieund schmerzt nicht über das gewohnte Maß, undnur stehen im Wundgrund stehen am dritten Tag feine grüne Fäden. Am siebten ist die Stelle geschlossen, trocken und fest, und was sie schließt, ist nichtkeine Haut.Haut, Sie istsondern etwas, das in der Farbe zwischen Rinde und Blatt liegt und sich beim Darüberstreichen anfühlt wie die Unterseite eines Astes.


Geschichte und Ursprung

Es gibt keine.keine: Das Zweite Wachstum hat keinen Anfang, den jemand benennen könnte, keine Ruine in seiner Mitte und keine Erzählung,Erzählung die davon berichtet,darüber, dass es einmaljemals anders gewesen sei.wäre. Die Gruppen, die im Wald leben, behandeln es wie Regen: als eine Eigenschaft des Landes, nicht als Ereignis darin.

Was sich sagen lässt, ist, wo es beginnt und aufhört, und selbst das nur ungefähr und nur rückblickend, weil die Grenze sich ausschließlich an Verletzten zeigt. Die Tauschplätze an der östlichen Waldkante führen darüber eine Art Gedächtnis: Wo vor zwei Generationen ein Kratzer unbedacht bleiben durfte, wird heute gebrannt. Die Kante ist in dieser Zeit um schätzungsweise zwei bis drei Tagesmärsche nach Westen gerückt, auf die Siedlungen zu. Ob sie das stetig tut oder in Schüben, weiß niemand, weil niemand es aufgeschrieben hat, solange es noch niemanden betraf.


Besondere Merkmale

  • Es geht nur über Wunden: Unverletzte Haut bleibt unverletzte Haut, und zwar auf Dauer. Atmen, essen, trinken, baden, schlafen – nichts davon überträgt etwas. Wer den Wald ohne offene Stelle betritt und ohne offene Stelle verlässt, ist unberührt. Deshalb reisen erfahrene Gruppen dort in schwerer, geschlossener Kleidung bei einer Hitze, die das eigentlich verbietet, und deshalb gilt ein zerrissener Ärmel als ernster Vorfall.

  • Es hört draußen nicht auf: Das ist die Eigenschaft, an der die meisten sich getäuscht haben. Wer die Zone mit einer versorgten Wunde verlässt, nimmt sie mit. Das Wachstum ist langsam – über ein Jahr hinweg vielleicht eine Fingerbreite in die Fläche, über mehrere Jahre in die Tiefe –, es schmerzt nicht, es macht nicht krank, es fiebert nicht, und genau deshalb kommen die Betroffenen fast immer zu spät auf den Gedanken, dass etwas zu tun wäre.

  • Schneiden vermehrt es: Jeder Schnitt legt Wundfläche frei, und jede Wundfläche ist ein neuer Anfang. Es sind Fälle bekannt, in denen aus einer handtellergroßen Stelle nach dreimaligem Ausschneiden ein Unterarm wurde. Das Abtragen im Ganzen – eine Hand, ein Fuß – hilft, wenn es früh und vollständig geschieht, und trägt die Gefahren, die eine solche Trennung immer trägt.

  • Feuer hilft, aber nur sofort: Wird die Wunde innerhalb der ersten Stunde ausgebrannt, und zwar bis in den Grund, bleibt nichts zurück als eine gewöhnliche Brandnarbe. Nach einem Tag wirkt es unzuverlässig. Nach einer Woche wirkt es nicht mehr. Darum führt in der Zone jede Gruppe Feuer und Eisen mit sich, und darum ist das Eisen das Gerät, um das sich in diesen Lagern alles ordnet.


Gegenwärtiger Zustand

An den östlichen Tauschplätzen ist das Brennen eine eingeübte Handlung, die keiner Erklärung mehr bedarf und über die niemand spricht. Kinder lernen es, bevor sie lesen können, wenn sie es denn lernen; wer aus dem Wald an einen Tauschplatz kommt, wird nach offenen Stellen gefragt, ehe er nach seinem Namen gefragt wird. Fremde aus Rasnal oder Vetluna halten das für eine Roheit der Waldkante und sagen es auch, und die Leute dort lassen sie reden.

In den letzten zwei Jahrzehnten häufen sich zwei Beobachtungen. Erstens rückt die Kante spürbar schneller; drei Tauschplätze, die 820 WZ noch als sicher galten, brennen heute. Zweitens berichten mehrere Gruppen, dass das Wachstum bei frisch Betroffenen rascher einsetze als früher – Fäden im Wundgrund nicht am dritten Tag, sondern am ersten. Beides ist Erzählung und nicht Messung, denn es misst dort niemand.


Magische und übernatürliche Eigenschaften

Ob überhaupt etwas Übernatürliches vorliegt, ist unter den wenigen Gelehrten, die sich damit befasst haben, umstritten.umstritten, Derdenn der Vorgang verhält sich in allem wie ein Vorgang der Natur: Er ist gleichförmig, er ist an eine Bedingung gebunden,gebunden und aufhaltbar, er folgt dem Wundgrund und nicht dem Willen, er lässt sich aufhalten, und er lässt Unbeteiligte inunbehelligt. Ruhe.Es Nichtsliegt darannichts suchtdarin, das jemanden aus.aussuchte Nichtsoder daranmit verhandelt.ihm verhandelte.

Untersucht ist wenig. Das gewachsene Gewebe ist zäh, faserig, ohne Saft, und es lebt: Abgetragene Stücke welken über Tage, wie Grünzeug welkt, statt zu verwesen. Es trägt keine Blüte, keinen Samen, keine Frucht und keine Wurzel, und keine Pflanze des Waldes gleicht ihm genug, um es zuzuordnen. Was es ist, weiß niemand.niemand Waszu sagen, während das, was es tut, weiß an der Waldkante jedes Kind.Kind weiß.


Bewohner und Kreaturen

Die Zone ist bewohnt wie der übrige Tropenwald, von Tieren wie von Menschen. Mehrere Waldgruppen leben ganz darin und haben es immer getan.

Sie brennen nicht.nicht, Wasund was sie stattdessen tun, ist von außen nie zusammenhängend beobachtet worden; Berichte sprechen von Umgangsformen um Verletzte herum, von einem Abstand, der eingehalten wird, und von einer Zuwendung, die sich nicht in Behandlung erschöpft. In mehreren dieser Gruppen gibt es einzelne sehr alte Menschen, die kaum noch gehen, denen man alles bringt und die man beim Sprechen nicht unterbricht. Wer sie gesehen hat, beschreibt sie zurückhaltend und meist mit denselben zwei Angaben: dass an ihnen wenig Haut geblieben ist, und dass die Gruppe sie nicht als krank behandelt.

Die Händler der Randsiedlungen, die seit Generationen mit diesen Gruppen tauschen, haben es aufgegeben, darüber zu urteilen. Sie brennen ihre eigenen Wunden aus und schweigen über die der anderen, und das gilt auf beiden Seiten als die richtige Ordnung.


Schätze und verborgene Ressourcen

Keine, die jemand heben möchte. Das gewachsene Gewebe hat sich in keiner Anwendung als brauchbar erwiesen – es lässt sich nicht gerben, nicht färben, nicht ausziehen und nicht zu einem Heilmittel verarbeiten,verarbeiten –, und die Versuche, die es dazu gegeben hat, sindscheiterten sämtlich an der einfachen Tatsache gescheitert,Tatsache, dass man dafür jemanden bräuchte, von dem man es nimmt.

Der Wald selbst trägt, was der östliche Tropenwald überall trägt, und das ist viel:viel – Harze, Hölzer, Fasern,Fasern und Heilpflanzen, für die es in Pupluna und Vetluna gute Preise gibt.gibt Nur–, nur wird esin dortdieser nichtGegend geschlagen.nichts Diedavon geschlagen, weil jede Arbeit, die dabei anfällt, isteine Arbeit mit Klingen.Klingen ist.


Kulturelle Deutungen

Kultur Deutung
Auwharin So gut wie unbekannt. Wo die Kirche davon erfährt, ordnet sie es der Krankheit zu und der Süden bekommt einen Satz über die Wildnis, die den Menschen zurücknimmt, wenn er ihr zu nah kommt. Eine eigene Lehrmeinung gibt es nicht und ist nicht zu erwarten.
Non'Gauden Vereinzeltes, ernsthaftes Interesse ohne Zugang. Verboten ist nichts – es gibt in Cel Atiz niemanden, der etwas verbieten könnte –, aber ins östliche Binnenland führt keiner, und ohne Führer kommt man nicht drei Tage weit. Was über Vetluna nach Ezagutza gelangt, sind Händlerauskünfte aus dritter Hand. In den Registern steht der Vorgang als Hauterkrankung unbekannter Ursache geführt, mit einer Randbemerkung, die anmerkt, dass Hauterkrankungen keine Fasern bilden.
Lithi Nie davon gehört. Wer es erzählt bekommt, hält es für einen Krankheitsgeist des Südens und wundert sich nicht weiter – dass warme Länder eigene Plagen haben, ist im Norden selbstverständlich.
Cel Atiz Gespalten. In Rasnal und an der Küste gilt das Zweite Wachstum als Übertreibung der Waldkante, und wer darauf besteht, gilt als jemand, der gern schaudert. An den Tauschplätzen selbst wird darüber nicht gesprochen, weil es nichts zu besprechen gibt. Einzelne Fufluna aus dem Luruna-Gebiet, die weit genug östlich gewesen sind, haben es bestätigt und schweigen seither ebenfalls.

Lokale Legenden und Überlieferungen

  • An den Tauschplätzen sagt man, der Wald nehme nichts, was man ihm nicht gezeigt habe. Gemeint ist Blut, und gemeint ist es wörtlich.
  • Es heißt, man erkenne einen, der zu spät gebrannt hat, daran, dass er im Regen nicht mehr fröstelt. Ob das stimmt, ist nie geprüft worden; es wird trotzdem geprüft, jedes Mal, wenn jemand aus dem Osten zurückkommt.
  • Unter den Händlern kursiert die Geschichte eines Mannes, der die Behandlung verweigerte und bei den Waldgruppen blieb, weil er sehen wollte, wie es ausgeht. Die Geschichte hat kein Ende. Wer sie erzählt, sagt, das sei ja gerade der Punkt.

„Es tut nicht weh, es macht nicht krank, und es hört nicht auf. Von den dreien ist das letzte das Schlimme, und bis man es begreift, ist man meistens einen Finger weiter."
— Eine Fufluna aus dem Luruna-Gebiet, nach ihrer Rückkehr aus dem Osten