Urfauna von Alweidar
In den Liedern der Alten, die ich aus den Mündern der Feuerhüter der Sturmfelde und der schweigsamen Stimmen der Nordlichter aufzeichnen durfte, wimmelt es von Bestien, die heute nur noch als Schatten am Rande der Wälder existieren. Sie sprechen von Geschichten aus Zeiten, in denen Wissen nur in Wort und nicht in Schrift von Generation zu Generation weitergegeben wurde, von Herden donnernder Ygrak, die das Tal von Jávri in einem Zug durchquerten, von Wulmaren, die in Rudeln lebten, nicht in Einsamkeit, und von Schwingen, die den Himmel ganzer Sommerwochen verdunkelten. Solche Bilder weichen deutlich von dem zurück, was wir heute als Wirklichkeit kennen. Die Ausdehnung der Siedlungen, zweifellos, hat ihre Pfade verdrängt, doch ich wage anzumerken, dass auch das Land selbst sich gewandelt hat. Die feuchten, dampfenden Wälder, von denen die Lieder sprechen, scheinen einer kühleren, trockeneren Welt gewichen zu sein. Vielleicht ist es nicht nur die Menschheit, die sich von den Kreaturen entfernte – vielleicht hat sich auch Weraldiz selbst verändert, und mit ihm die Orte, an denen solche Wesen bestehen können. – Maikar Onthaz, Transkriptor des Hauses Oroimen-Etxea, aus „Fleisch und Feder – Erinnerung an die alte Fauna“, Band II
Wesen der alten Ordnung
Die sogenannte Urfauna umfasst tierische Großformen, die in ihrer Erscheinung an prähistorische Kreaturen erinnern, jedoch vollständig in die natürliche Ordnung von Weraldiz eingebettet sind. Ihre Verbreitung ist regional begrenzt, ihr Verhalten tierisch – doch ihr Erscheinungsbild erinnert daran, dass diese Welt älter ist, als ihre Geschichten.
Regionale Verbreitung und Bedeutung
Auwharin
- Verbreitung: Nur noch in schwer zugänglichen Gebirgszügen, Waldtälern und Fjorden.
- Nutzung: Felle und Panzerstücke gelten als Statusobjekte, besonders unter Tiefenläufern.
- Kulturelle Relikte: Schutzfetische aus Raptorenfedern und Knochen trotz kirchlicher Ablehnung verbreitet.
- Besondere Kreatur: Der Schatten von Dornfeld, ein legendärer schwarzer Wulmar, wurde nach jahrelanger Jagd vom Orden des Schildes gestellt – sein Fell hängt heute in der Zitadelle von Wolfstal.
Lithi-Territorien
- Verbreitung: In den nördlichen Wäldern und Gebirgsschneisen weit verbreitet, kaum Bedrohung für Sidds.
- Kooperation: Kein Besitz, sondern Verbindung durch Rituale; Jagd erfolgt nur bei Notwendigkeit.
- Orakelbrauch: In großen Krisenzeiten wird aus den frisch geopferten Eingeweiden bestimmter Urfauna gelesen.
- Besondere Kreatur: Vuolggánat, ein Garuun, soll einen alten Schamanen einst durch zehn Winter getragen haben, bis beide gemeinsam verstarben – ihr Ort ist heute heilig.
Non'Gauden
- Verbreitung: Um die Jakintza nahezu ausgerottet, in Wildzonen gefährlich verbreitet.
- Zweckbindung: Lebendfang für Experimente, Zoos, alchemische Verwendung.
- Soziale Rolle: Monsterjägerstatus als Aufstiegschance für Ungebildete – riskant, aber wirksam.
- Besondere Kreatur: Skirrh-Rudel Zeroth, ein nahe an einer Anomalie lebendes Rudel, es wurde komplett eingefangen und in der Jakintza Egitura zu empathischen Testserien verwendet. Alle Jäger verstarben binnen drei Jahren an „innerer Fragmentierung“.
Cel Atiz
- Verbreitung: Hohe Biodiversität, geringe Konflikte durch natürliche Ausweichung.
- Harmonie: Tiere vermeiden Siedlungen durch Einfluss kollektiver Traumfelder.
- Symbolische Nähe: Einige Kreaturen gelten als Trägerspiegel oder Traumpartner.
- Besondere Kreatur: Der Traumschlinger von Kev Sura, einst gefährliches Wesen, wurde durch den Eisnar Cipen Turms in einem Traumzirkel befriedet – heute lebt er als Symboltier unter den Bewohnern.
Verhalten und Besonderheiten
- Intelligenz: Tierisch. Kein Wille zur Zivilisation oder Domestizierung.
- Magisch-adaptive Fähigkeiten:
- Giftspucke (Tharex)
- Magieresistenz (Kirragon, Ornek)
- Dunkelsicht (Wulmar, Thulvik)
- Kurzsprung-Teleportation (Skirrh-Alpha)
- Zähmbarkeit: Nur durch Rituale der Alten Pfade oder Lithi-Schamanen möglich. Keine technische Zähmung.
Einbindung im Alltag
- Auwharin: Bestimmte Orden (Samens, Flügels) arbeiten mit Druiden an Schutzstrategien und Aufklärung.
- Lithi: Gelebte Koexistenz, Gefahr besteht nur für Außenstehende.
- Non'Gauden: Technologischer Zugriff, Jagdethik fehlt. Isolation erhöht Konflikte.
- Cel Atiz: Kreaturen als Sinnbilder. Begegnung = Zeichen, nicht Gefahr.
Fazit
Die Urfauna ist kein magisches Monstrum, sondern Ausdruck eines evolutionären Stranges, der in Auwharin eigene Wege fand. Ihre Welt ist nicht vergangen – aber ihre Klauen scheinen nicht mehr so scharf wie einst und ihre Schreie sind zu einem Raunen geworden, dass nur die entlegensten Orte Alweidars erfüllt.
„Sie gehorchen keinem Bann, keiner Leine, keinem Schwur. Nur der Ordnung, die sie selbst nie ausgesprochen haben.“
– Vaermir Runensang, Bewahrer der Alten Pfade