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Die Veyn - Begegnung mit den Wüstenbewohnern

Jenseits der Südküsten von Cel Atiz und hinter den unwirtlichen Gebirgen Auwharins erstreckt sich ein Land, das die meisten Bewohner von Alweidar nur aus Legenden kennen. Die große Südwüste mit ihren geheimnisvollen Bewohnern bleibt für die allermeisten ein fernes Rätsel – zu gefährlich die Seereise, zu lebensfeindlich das Landesinnere, zu fremd die Menschen, die dort leben.

"Ich habe die Veyn nur zweimal in meinem Leben gesehen. Das erste Mal dachte ich, es sei ein Traum. Das zweite Mal wusste ich, dass manche Träume wahr sind, aber dennoch Träume bleiben."
— Kapitän Izar Itsaslore aus Rasnal

Die Veyn – so nennen sie sich in ihrer eigenen Sprache – sind ein Volk von rätselhafter Würde und befremdlicher Distanz. Ihre wenigen Kontakte zur Außenwelt beschränken sich auf sporadische Handelsbeziehungen mit mutigen Seefahrern und die gelegentlichen Erscheinungen ihrer Botschafter, die höflich aber bestimmt jede tiefere Verbindung ablehnen.


Die unwirtlichen Grenzen eines fremden Landes

Seereise in unbekannte Gewässer

Die Fahrt zu den Veyn-Küsten ist bereits ein Abenteuer für sich. Etwa 200 Kilometer trennen die südlichsten Häfen von Cel Atiz von den nördlichsten erreichbaren Landungsstellen der Veyn-Gebiete – eine Seereise von ein bis drei Tagen bei günstigem Wind und ruhiger See.

Doch günstige Bedingungen sind selten. Die Gewässer vor der Veyn-Küste sind berüchtigt für:

Unberechenbare Nebelbänke, die selbst bei klarem Himmel plötzlich aufziehen und Sicht und Orientierung rauben. Erfahrene Seefahrer sprechen von "Wüstennebel", der anders riecht und sich anders anfühlt als gewöhnlicher Seenebel.

Tückische Strömungen, die Schiffe von ihrem Kurs abbringen und manchmal tagelang in Kreisen treiben lassen. Die Cel Hushi-Navigatoren haben zwar Karten dieser Strömungen, doch sie scheinen sich zu verändern – was vor Jahren sicher war, kann heute zur Falle werden.

Wechselhaftes Wetter, das binnen Stunden von völliger Windstille zu gefährlichen Stürmen umschlagen kann. Besonders die sogenannten "Wüstenwinde" – heiße, trockene Luftströme aus dem Landesinneren – können Segel und Takelung beschädigen.

Für Seefahrer
Nur hochseetaugliche Schiffe sollten die Fahrt wagen. Küstensegler und Flussschiffe sind den Bedingungen nicht gewachsen. Erfahrene Cel Hushi-Navigatoren sind praktisch unverzichtbar – sie kennen die wenigen sicheren Routen und können die Zeichen des Wetterumschwungs deuten.

Die gefährlichen Küsten

Die Westküste, von Auwharin aus theoretisch erreichbar, ist praktisch unzugänglich. Sandbänke, Untiefen und eine ständige, zermalmende Brandung machen jede Landung zum Himmelfahrtskommando. Dazu kommt der völlige Mangel an Süßwasser und jeglicher Infrastruktur.

Die Ostküste bietet etwas bessere Möglichkeiten, aber auch hier sind ortskundige Führer unerlässlich. Große Abschnitte bestehen aus Nebelwüste – einer eigenartigen Landschaft aus grobem Sand, salzigen Lagunen und rätselhaften Steinformationen, die ständig in dicke Nebelschwaden gehüllt ist.

"Die Küste der Veyn ist wie ein Wächter, der nicht schläft. Sie lässt nur die durch, die sie für würdig erachtet – und manchmal nicht einmal die."
— Aus dem Logbuch der "Meerestochter", Cel Hushi-Handelsgaleone


Erste Begegnungen mit den Küstenbewohnern

Die Ungesehenen

Die ersten Veyn, denen Reisende begegnen, sind meist die sogenannten Ungesehenen – ein Name, den sie sich selbst geben, auch wenn seine Bedeutung rätselhaft bleibt. Diese Menschen haben sich in kleinen Gemeinden an der zugänglicheren Ostküste niedergelassen und bilden die einzige verlässliche Verbindung zur Veyn-Kultur.

Erscheinung der Ungesehenen: Sie sind unverkennbar – große, schlanke Gestalten mit tiefschwarzer Haut, die bei Sonnenlicht in bronzenen und kupfernen Tönen schimmert. Ihre Bewegungen sind fließend und würdevoll, selbst bei alltäglichen Verrichtungen. Die Gesichtszüge sind markant und edel, mit hohen Wangenknochen und ausdrucksvollen Augen in bernsteinenen oder tiefbraunen Tönen.

An der Küste haben sich ihre ursprünglich wohl breiteren, flacheren Nasen – eine Anpassung an das Wüstenklima – bei manchen zu schmaleren, spitzeren Formen entwickelt. Ihre Kleidung ist praktisch, aber stets fein gearbeitet: Gewänder in Erd- und Sandtönen mit subtilen geometrischen Mustern.

Eigenartige Gewohnheiten: Besucher berichten von befremdlichen Verhaltensweisen. Die Ungesehenen scheinen manchmal auf Fragen zu antworten, bevor sie gestellt wurden, oder mehrere von ihnen beginnen gleichzeitig mit identischen Bewegungen, ohne sich abgesprochen zu haben. Manche Cel Hushi-Händler schwören darauf, dass die Ungesehenen ihre Träume der vergangenen Nacht kennen.

Die Küstenstädte

Nalzhveyn an der Ostküste ist die größte Ansiedlung der Ungesehenen mit etwa 4.000 Einwohnern. Die Stadt liegt geschützt in einer natürlichen Bucht, umgeben von rötlichen Felsen, die bei Sonnenuntergang wie geschmolzenes Kupfer glühen. Die Architektur ist schlicht aber elegant – niedrige Gebäude aus hellem Sandstein mit fließenden Linien und versteckten Innenhöfen.

Evalur'lir, die kleinere Schwesterstadt mit etwa 2.000 Einwohnern, liegt weiter südlich in einer weniger geschützten Bucht. Hier sind die Bewohner noch wortkärger und in sich gekehrter. Gerüchte sprechen davon, dass in Evalur'lir manchmal Dinge verschwinden oder an anderen Orten wieder auftauchen, ohne dass jemand sie bewegt hätte.

Dazu kommen eine Handvoll kleinerer Dörfer entlang der Küste: Unzhur'thal, Nalaven'mor und Lirleth'shore – Namen, die in der melodischen aber fremden Sprache der Veyn so viel bedeuten mögen wie "Vergessener Strand", "Tiefe Eigenheit" oder "Zerbrochene Verbindung".

Leben in den Küstenstädten

Die Ungesehenen leben in kleinen Familiengruppen oder losen Gemeinschaften. Ihre Gesellschaft wirkt egalitär, aber es gibt erkennbare Älteste oder Weise, die bei wichtigen Entscheidungen zu Rate gezogen werden.

Besucher berichten von einem beständigen Summen oder Murmeln, das durch die Straßen von Nalzhveyn zieht – nicht unbedingt hörbar, aber spürbar. Manche beschreiben es als kollektives Gebet, andere als geteilte Gedanken.

Die Handwerkskunst der Ungesehenen ist bemerkenswert. Ihre Töpferwaren haben eigenartige, hypnotisierende Muster, ihre Textilien scheinen je nach Blickwinkel die Farbe zu wechseln, und ihre Metallarbeiten zeigen eine Präzision, die mit den verfügbaren Werkzeugen eigentlich unmöglich sein sollte.


Die legendären Städte des Landesinneren

Phantome in der Wüste

Während die Küstenstädte der Ungesehenen für mutige Händler erreichbar sind, bleiben die großen Städte des Landesinneren reine Legende. Seit Jahrhunderten erzählen Cel Hushi-Traumwanderer von Visionen goldener Türme, die sich in der Hitze der Wüste spiegeln, und Non'Gaudener Gelehrte haben komplexe Theorien über die "Fata Morgana-Städte" entwickelt.

Die Cel Hushi haben drei legendären Stätten Namen gegeben:

Ametsetxe (Das Traumhaus) soll eine Stadt aus goldenem Sandstein sein, deren Türme bei Sonnenaufgang wie flüssiges Licht erstrahlen. Traumwanderer berichten von Visionen dieser Stadt, doch niemand hat sie je physisch erreicht.

Ikusmen (Der Sichtort) ist die rätselhafteste aller Legenden – eine Stadt, die wandert. Karawanen sollen sie am Horizont gesehen haben, doch wenn sie den Ort erreichen, finden sie nur Steine und Sand. Am nächsten Tag erscheint sie an einem völlig anderen Ort.

Oroigabe (Die Erinnerungsnacht) gilt als die älteste der Veyn-Städte, erbaut aus dunklem Stein und ständig in Schatten gehüllt, selbst bei hellem Sonnenlicht. Legenden sprechen von einer Stadt der Träume und Erinnerungen, wo die Zeit anders fließt.

Gescheiterte Expeditionen

Immer wieder haben mutige Abenteurer oder wissenschaftliche Expeditionen versucht, diese Städte zu erreichen. Die meisten kehren nie zurück. Die wenigen Überlebenden berichten von einer lebensfeindlichen Wüste voller unnatürlicher Gefahren:

Riesige, prähistorische Tiere durchstreifen das Landesinnere. Die Ungesehenen nennen sie mit Namen wie Thunal'kethvor (gigantische, friedliche Pflanzenfresser von der Größe eines Hauses) oder Ziran'naleth (säbelzahnartige Raubtiere, die in der Dämmerung jagen).

Verwirrende Luftspiegelungen und optische Täuschungen machen Navigation nahezu unmöglich. Selbst erfahrene Wüstenreisende verlieren die Orientierung.

Unerklärliche Phänomene – Expeditionsmitglieder berichten von Träumen, die sich auf andere übertragen, von Wasser, das plötzlich zu Sand wird, und von Stimmen in fremder Sprache, die aus leeren Dünen dringen.

"Wir sahen die goldene Stadt drei Tage lang am Horizont. Jeden Tag schien sie näher, jeden Abend schien sie weiter. Am vierten Tag war sie verschwunden. Am fünften Tag waren wir fast tot vor Durst. Vielleicht war sie nie da. Vielleicht waren wir nie da."
— Überlebender der Egitura-Expedition, 821 WZ


Handel und seltene Kontakte

Die Ware der Wüste

Trotz aller Gefahren lockt der Handel mit den Veyn immer wieder mutige Kaufleute an. Die Ungesehenen bieten Waren, die anderswo nicht zu finden sind:

Wüstensalz von außergewöhnlicher Reinheit und mit eigenartigen Eigenschaften. Köche schwören darauf, dass Speisen mit Veyn-Salz länger frisch bleiben und einen unvergleichlichen Geschmack entwickeln.

Exotische Tierhäute von den gewaltigen Wüstentieren. Das Leder der Eval'zhurran-Echsen ist wasserdicht und trotzdem atmungsaktiv, die Häute der kleineren Ilra'shadow-Echsen schimmern in irisierenden Farben.

Seltene Harze aus Wüstenpflanzen, die als Räucherwerk, Heilmittel oder für technische Anwendungen geschätzt werden. Manche dieser Harze haben angeblich bewusstseinsverändernde Eigenschaften.

Gewürze, die in den Oasen des Landesinneren wachsen und deren Geschmack und Wirkung in den bekannten Ländern unbekannt sind.

Handelsmöglichkeiten
Der Veyn-Handel steckt noch in den Kinderschuhen. Wer bereit ist, die Risiken auf sich zu nehmen und die nötige Expertise mitbringt, kann beträchtliche Gewinne erzielen. Die Ungesehenen sind an Metallwaren, Werkzeugen und manchmal an Büchern interessiert – besonders an Cel Hushi-Traumaufzeichnungen.

Die rätselhaften Botschafter

In der gesamten bekannten Geschichte sind Veyn-Botschafter nur eine Handvoll Male in den anderen Ländern aufgetaucht. Diese Erscheinungen sind stets spektakulär und befremdlich zugleich.

Die Botschafter sind noch größer und eleganter als die Ungesehenen, ihre Haut schimmert intensiver, und ihre Bewegungen haben eine fast überirdische Qualität. Sie tragen fließende Roben in gedeckten Farben mit subtilen geometrischen Mustern, die bei näherem Hinsehen hypnotisierend komplex erscheinen.

Ihr Auftreten folgt stets demselben Muster: Sie erscheinen unangekündigt an den Höfen oder in den Versammlungen der Mächtigen, überbringen eine höfliche aber bestimmte Botschaft der Ablehnung jeglicher tieferer Kontakte, und verschwinden wieder. Niemand hat je gesehen, wie sie kommen oder gehen.

Ihre Sprache ist die der Veyn, aber sie sprechen auch fließend die Sprachen ihrer Gastgeber – mit einem eigenartigen, melodischen Akzent, der manche Zuhörer in Trance versetzt.

Die letzte bekannte Botschafter-Erscheinung ereignete sich vor etwa zwanzig Jahren am Hof von Rasnal, als Cel Hushi-Gelehrte eine große Expedition ins Veyn-Land planten.


Zwischen Konflikten und Gemeinschaft

Spannungen an der Küste

Das Leben der Ungesehenen ist nicht frei von Problemen. Gelegentliche Konflikte zwischen den Küstenstädten führen zu Handelsstörungen und machen Besuche gefährlich. Diese Auseinandersetzungen scheinen oft um Ressourcen wie Süßwasser oder gute Ankerplätze zu gehen, aber Außenstehende vermuten tieferliegende, kulturelle Ursachen.

Nalzhveyn und Evalur'lir haben eine komplizierte Beziehung. Mal arbeiten sie zusammen, mal ignorieren sie sich völlig, und manchmal kommt es zu bewaffneten Scharmützeln. Die kleineren Dörfer schlagen sich mal auf die eine, mal auf die andere Seite.

Die Konflikte folgen keinem erkennbaren Muster, das Außenstehende verstehen könnten. Ein Cel Hushi-Händler berichtete, dass ein Krieg um Fischereirechte plötzlich endete, als beide Seiten gleichzeitig denselben Traum hatten.

Die Nomaden des Binnenlandes

Manche Ungesehene überleben nicht in den Küstenstädten. Sie ziehen ins Landesinnere und schließen sich nomadischen Gruppen an oder gründen ihre eigenen. Diese Wüstennomaden sind noch geheimnisvoller als ihre sesshaften Verwandten.

Gelegentlich tauchen sie an der Küste auf – meist einzelne Gestalten oder kleine Gruppen, gezeichnet von der Wüste, aber mit einem intensiven Blick in den Augen. Sie handeln selten, sprechen noch weniger und verschwinden oft so plötzlich, wie sie gekommen sind.

Ihre Waren sind die wertvollsten: Seltene Mineralien aus der Tiefwüste, Federn der großen Wüstenvögel, und manchmal eigenartige Objekte, deren Zweck niemand versteht, die aber zweifellos von hoher handwerklicher Qualität sind.


Praktische Hinweise für Reisende

Was man wissen sollte

Vorbereitung ist alles: Eine Reise zu den Veyn-Küsten erfordert monatelange Planung. Hochseetaugliche Schiffe, erfahrene Navigatoren, ausreichende Vorräte und Notfallausrüstung sind unverzichtbar.

Respekt zeigen: Die Ungesehenen reagieren positiv auf Höflichkeit und Respekt, aber negativ auf Aufdringlichkeit oder Neugier bezüglich ihrer Herkunft und Bräuche. Direkte Fragen über das Landesinnere oder die legendären Städte werden meist ignoriert.

Geduld mitbringen: Handel mit den Ungesehenen läuft nach ihren Regeln ab. Hektik oder Druck führen meist dazu, dass sich die Gesprächspartner zurückziehen. Verhandlungen können Tage dauern.

Realistische Erwartungen: Das Landesinnere ist für Außenstehende praktisch unerreichbar. Wer dennoch den Versuch unternimmt, sollte sich auf eine Reise ohne Wiederkehr vorbereiten.

Was man mitbringen sollte

Die Ungesehenen schätzen praktische Metallwaren, besonders Werkzeuge und Waffen von guter Qualität. Seltsamerweise zeigen sie auch Interesse an geschriebenen Werken, besonders an Cel Hushi-Traumaufzeichnungen und philosophischen Texten aus Non'Gauden.

Luxusgüter oder reine Zierobjekte interessieren sie wenig. Sie bevorzugen funktionale Gegenstände, aber von hoher handwerklicher Qualität.


Das bleibende Rätsel

Die Veyn bleiben eines der großen Mysterien von Weraldiz. Ihre bewusste Isolation, ihre befremdlichen Fähigkeiten und die Unmöglichkeit, ihre wahren Städte zu erreichen, machen sie zu einer Quelle endloser Spekulationen.

Manche Cel Hushi-Traumwanderer glauben, dass die Veyn in einer anderen Realitätsschicht leben, die nur gelegentlich mit der unseren in Berührung kommt. Non'Gaudener Gelehrte entwickeln komplexe Theorien über fortgeschrittene Illusionstechniken oder unbekannte Technologien.

Die Auwhariner sehen in ihnen möglicherweise Überreste einer vorsintflutlichen Zivilisation, während die Lithi-Schamanen sie für Geistwesen halten, die zwischen den Welten wandeln.

Was auch immer die Wahrheit sein mag – die Veyn haben es geschafft, in einer Welt zunehmender Verbindungen und Kontakte ihre Geheimnisse zu bewahren. Ob sie das auch in der Zeit der nahenden Stillen Konvergenz schaffen werden, bleibt abzuwarten.

"Die Veyn sind wie ein Traum, den alle träumen, aber niemand versteht. Vielleicht ist das ihre größte Weisheit – zu wissen, wann man träumen und wann man erwachen sollte."
— Eisnar Cipen Mirentxu von Rasnal


Für Abenteurer
Die Veyn-Küsten bieten Möglichkeiten für Handel, Erkundung und kulturelle Begegnungen, aber auch erhebliche Gefahren. Wer dorthin reist, sollte sich auf eine Welt einstellen, in der die gewohnten Regeln nicht gelten und das Unmögliche alltäglich sein kann.