Erek Noan
"Unter Barkuz' silbernem Schein ziehen wir mit den Herden durch die Weite des Nordens. Unsere Ahnen führen uns, die Geister begleiten uns, und die Geschichten der Bajasdolgi leben durch uns weiter. Wir sind die Gefäße, in denen die Weisheit alter Zeiten bewahrt wird."
— Aslak Mihkkál-bártni, Ältester des Guovssahas-sidd
Der ewige Norden
Jenseits der nördlichen Grenzen Auwharins, wo die Wälder lichter werden und der Wind die Geschichten vergangener Zeiten über die weiten Tundren trägt, beginnen die Territorien der Lithi. Erek Noan, Pfade der Ahnen, in der Sprache der Lithi. Ein raues, karges Land, dessen Schönheit sich nur jenen offenbart, die gelernt haben, mit seinen Extremen zu leben. Hier, unter dem schimmernden Licht der Nordlichter und dem silbrigen Schein von Barkuz, lebt ein stolzes Volk von Nomaden und Jägern, deren Name in ihrer eigenen Sprache "Gefäß" oder "Bewahrer" bedeutet.
Die Lithi sehen sich als Hüter uralter Traditionen und als lebendige Verbindung zu ihren Ahnen und den Bajasdolgi – den "Aufgestiegenen" – die nun in Barkuz weilen und von dort aus über ihre Kinder wachen.
Ein Volk der Bewahrer
Die Lithi-Nomaden bewohnen die nördlichsten Regionen von Weraldiz. Als Hüter alten Wissens, haben sie in Abgeschiedenheit jenseits des unwirtlichen Duottar-Gebirges eine einzigartige Lebensweise entwickelt, die vollständig auf den Rhythmus der Natur abgestimmt ist.
Als Nomaden folgen sie ihren Rentierherden durch die Jahreszeiten. Im Sommer ziehen sie in höhere Regionen, wo die Tiere frisches Grün finden, im Winter suchen sie Schutz in geschützten Tälern. Die Sidd – nomadische Familienverbände von 30 bis 100 Personen – bilden das soziale Rückgrat dieser Kultur und bündeln das kollektive Wissen, das über Generationen bewahrt und verfeinert wurde.
Unter dem Blick der Bajasdolgi
Die spirituelle Welt der Lithi wird dominiert von der Verehrung der Bajasdolgi – mächtiger Wesen, die einst auf Weraldiz lebten und nun in Barkuz, dem silbrigen Planetenring, wohnen. Anders als andere Kulturen, die Barkuz weniger Beachtung schenken, ist er für die Lithi von zentraler spiritueller Bedeutung. Sie glauben, dass die Bajasdolgi von dort aus über sie wachen und durch die Noaidi (Schamanen) mit ihnen kommunizieren.
Das dreischichtige Weltbild der Lithi – mit Dalvebak (der physischen Welt), Saivobak (der Geisterwelt) und Barkuz (der obersten Welt) – spiegelt ihr tiefes Verständnis kosmischer Zusammenhänge wider und prägt ihr alltägliches Leben. Jede Handlung, vom morgendlichen Rentiermelken bis zum nächtlichen Geschichtenerzählen, ist eingebettet in dieses spirituelle Verständnis der Welt.
"Der Mensch ist ein Gefäß für die Weisheit der Ahnen, die Erde ist ein Gefäß für das Leben, und der Himmel ist ein Gefäß für die Bajasdolgi."
— Altes Sprichwort der Lithi
Die Herausforderungen der Gegenwart
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Leben der Lithi subtil verändert. Die Nordlichter scheinen intensiver als in den Erinnerungen der Ältesten. Rentierherden ändern ihre traditionellen Wanderrouten. Schamanen berichten von ungewöhnlich lebhaften Träumen und Visionen.
Viele Lithi sehen diese Veränderungen im Zusammenhang mit der nahenden zweiten Himmelsgleiche, einem seltenen astronomischen Ereignis, das in etwa 33 Jahren stattfinden wird. Die erste Himmelsgleiche, die den Beginn der Zeitrechnung markierte, ist in ihren Überlieferungen mit dem Aufstieg der Bajasdolgi nach Barkuz verbunden. Was die zweite Himmelsgleiche bringen wird, darüber sind sich selbst die weisesten Noaidi uneinig.
In dieser Zeit der Unsicherheit halten die Lithi umso mehr an ihren Traditionen fest. Sie sind ein Volk, das gelernt hat, in einer der unwirtlichsten Regionen von Weraldiz zu überleben – durch Anpassungsfähigkeit, tiefes ökologisches Wissen und den starken sozialen Zusammenhalt ihrer Gemeinschaft.