Lithi – Siedlungen & Versammlungsorte
Obwohl die Lithi hauptsächlich nomadisch leben und dem saisonalen Rhythmus ihrer Rentierherden folgen, durchziehen bedeutsame Orte ihr weites Territorium – dauerhafte und halbdauerhafte Siedlungen, die als Knotenpunkte im sozialen und wirtschaftlichen Netz dienen. Hier versammeln sich die Sidd, hier fließen Waren und Geschichten zusammen, hier werden die Bande zwischen den zerstreuten Gemeinschaften erneuert.
Gávnada-Maja – Herz der Lithi
"In Gávnada-Maja versammeln sich die Geschichten aller Sidd zu einem großen Fluss der Erzählungen. Hier, wo die Feuer nie erlöschen, werden aus einzelnen Tropfen des Wissens Ströme der Weisheit."
— Fávru Veeti-nieida, Geschichtenerzählerin des Meahcci-sidd
Im geschützten Tal des zentralen Territoriums, wo natürliche Handelswege zusammenlaufen, liegt die größte dauerhafte Siedlung der Lithi. Etwa 150 bis 200 Bewohner nennen sie ihr ständiges Zuhause; während der Sommerversammlung schwellen die Zahlen auf bis zu 2.000 an, und ein Meer aus Zelten umgibt dann die dreißig Torfhütten, die einen Kreis um den zentralen Platz bilden.
Gávnada-Maja ist der größte, aber nicht der einzige Ort, an dem die Geasseballu abgehalten wird – bei 40.000 Lithi könnte kein Tal des Nordens sie alle fassen. An mehreren Plätzen gleichzeitig treten die Verbände zusammen, und die Ergebnisse werden anschließend durch Boten und Geschichtenträger abgeglichen. Wer nach Gávnada-Maja kommt, sucht die größte Versammlung, nicht die einzige.
Als zentraler Handelsplatz fließen hier Güter aus allen Regionen zusammen – getrockneter Fisch von den Seen, Felle und Knochen aus den Bergen, Holz und Handwerkskunst aus den Wäldern. Die "ewigen Feuer" sind nach Tradition seit der ersten Himmelsgleiche niemals erloschen.
Vier besondere Orte prägen die Siedlung. Das Čuojahansadji, ein natürliches Amphitheater mit außergewöhnlicher Akustik, lässt Joik-Gesänge und rituelle Trommeln in ungewohnter Klarheit erklingen. Der Gažaldatgeađgi, ein mit Symbolen bedeckter Megalith, steht als steinerner Zeuge wichtiger Entscheidungen. Im Árbegoahti, dem Erbehaus, bewahren die Ältesten Artefakte aus allen Verbänden. Und der Boazobálggis, eine eigens angelegte Route für die Durchführung der Herden, erlaubt es den wandernden Sidd, die Siedlung zu passieren, ohne die heiligen Bereiche zu stören.
Ein wechselnder Rat aus Vertretern aller großen Sidd verwaltet den Ort, stets bedacht auf Neutralität – denn hier gehört niemand einem einzelnen Verband, hier gehören alle dem gemeinsamen Kreis.
Guollejaur – wo der See gibt
Ein großer Binnensee im östlichen Territorium beherbergt das wichtigste Fischerdorf. Zwischen 50 und 80 Menschen leben hier das ganze Jahr über, in der Hauptfischsaison steigt ihre Zahl auf bis zu 500. Fischtrockenhütten auf Pfählen säumen das Ufer wie eine Reihe hölzerner Wächter, ihre Gestelle beladen mit silbrig glänzenden Fischen, die in der kalten Brise trocknen.
Guollejaur ist das Hauptproduktionszentrum für getrockneten Fisch – kostbares Handelsgut und unverzichtbare Winternahrung. Die Fischmärkte im Frühjahr und Herbst ziehen Händler aus dem gesamten Lithi-Territorium an; getauscht werden dabei nicht nur Waren, sondern auch Fangtechniken, Wetterwissen und Bootsbaukunst. In den Fanasviesut, den Werkstätten am Ufer, entstehen die leichten Birkenrindenkanus, mit denen die Lithi selbst stürmische Gewässer durchqueren.
Eine Quelle namens Gáldu soll heilende Kraft besitzen, und ihr Wasser wird mit Ehrfurcht geschöpft. In der Mitte des Sees liegt Jávreguovddáš, eine Insel, die nur zu bestimmten Zeiten betreten werden darf – was dort geschieht, darüber sprechen selbst die Noaidi nur in Andeutungen.
Hauptsächlich vom Jávri-sidd bewohnt, steht Guollejaur allen Lithi offen, die die überlieferten Fischereirechte achten.
Bassiluokta – die heilige Bucht
An einer geschützten Meeresbucht an der nördlichen Küste liegt die heiligste Stätte der Lithi. Nur 30 bis 40 Schamanen und ihre Familien bewohnen diesen schwer zugänglichen Ort dauerhaft, der nur über bestimmte Pfade oder per Boot erreichbar ist. Ritualbauten schmiegen sich um die Bucht, umgeben von Felsformationen mit natürlichen Höhlen, in denen der Wind zu singen scheint.
Bassiluokta trägt die größten jährlichen Rituale zu Ehren der Bajasdolgi und dient als Ausbildungsstätte für angehende Schamanen aus allen Verbänden. Hier werden auch jene rituellen Gegenstände verwahrt, die zu heilig oder zu gefährlich sind, um in den wandernden Lagern mitgeführt zu werden.
Die Bassiluovddat, ein natürliches Höhlensystem, dient für Initiationsriten und tiefe Trancezustände – wer hier hinabsteigt, kehrt verändert zurück. In der Bárbmobealli, der Echoschlucht, werden geflüsterte Worte als klare Antworten zurückgeworfen. Das Čuojanassadji, ein Klanglabyrinth aus Stein, erzeugt Töne von unheimlicher Gegenwart, wenn der Wind durch seine Spalten streicht. Und das Guovssahasgoahti, eine offene Struktur auf dem höchsten Punkt, dient der Beobachtung der Nordlichter in den Wintermonaten.
Ein Rat der ältesten Schamanen verwaltet Bassiluokta nach eigenen Regeln und Tabus. Nicht jeder darf den Ort betreten, und die meisten Lithi werden ihn nie sehen.
Duottar-Várri – Wächter der Grenze
Auf einem Hochplateau an der Grenze zu Auwharin liegt der wichtigste Handelsposten der Lithi. 100 bis 120 Menschen leben hier dauerhaft, hauptsächlich aus dem Duottar-sidd, in robusten, teilweise in den Fels gehauenen Bauwerken; während der Handelssaison steigt die Zahl auf bis zu 500. Die Verteidigungsanlagen sind unauffällig, aber wirksam – flache Gräben, gesetzte Felsen, Sichtlinien, die jeden Besucher lange vor seiner Ankunft zeigen.
Hier lernen junge Lithi als Grenzläufer die Sprache und Sitten der südlichen Nachbarn, hier werden Nachrichten aus dem Süden gesammelt und weitergegeben, und hier wird bei Grenzstreitigkeiten vermittelt. Die Gávpeviesut, eigens gebaute Handelshäuser, ermöglichen sicheren Tauschhandel in getrennten Räumen, in denen beide Seiten die Waren prüfen können, bevor der Handel besiegelt wird. Am Giellabáiki, dem Sprachort, üben sich junge Lithi in den kehligen Lauten des Aus'Harringer Dialekts. Der Geahčohantorni, ein natürlicher Felsturm, bietet Sicht in alle Richtungen – von hier aus, heißt es, sehe man drei Tagesmärsche weit. Und der Rádjabálggis, ein besonders markierter Pfad, gilt als die inoffizielle Grenze, jenseits derer andere Gesetze herrschen.
Was am Handelsposten selbst geschieht, ist unter Lithi – Handel und Beziehungen beschrieben.
Die Orte, die nur eine Jahreszeit lang existieren
Neben den dauerhaften Siedlungen kennt jeder Sidd ein Netz von Plätzen, die er Jahr für Jahr wieder aufsucht und die zwischen zwei Besuchen wieder zu bloßer Landschaft werden. Ihre Namen sind Gebrauchsnamen und beschreiben, wofür sie taugen: Ein nach Süden geneigtes Tal, das früh schneefrei wird, heißt schlicht der Frühplatz und zieht die ersten Wanderer an. Ein Kap mit ständiger Brise heißt Biegganjárga, das Windkap, und wird im Hochsommer aufgesucht, weil die Mücken dort nicht stehen bleiben. Liegavággi, das warme Tal, verdankt seinen milderen Winter der Wärme, die aus dem Boden steigt. Und Čielgačohkka, ein Gipfel mit freier Sicht in alle Himmelsrichtungen, ist kein Lagerplatz, sondern der Ort, an den man geht, um zu sehen, was kommt.
Die genaue Lage dieser Plätze gehört zum Wissen eines Sidd und wird selten geteilt. Ein Fremder, der die Namen kennt, findet sie trotzdem nicht.
An der Grenze
Drei Arten von Orten gehören weder zu den Lithi noch zu ihren Nachbarn. Gaskkavuovdi, ein Waldstreifen zwischen Lithi- und Aus'Harringer-Gebiet, ist Pufferzone – ein Land, das allen und keinem gehört und in dem beide Seiten sich unbewaffnet begegnen. Deaivvadanbáiki, der Begegnungsort, ist die neutrale Stätte für Treffen mit Vertretern anderer Völker, an der alte Abmachungen erneuert und neue geschlossen werden. Und die Lonohalluguovlu, die Tauschgebiete an den kulturellen Rändern, sind Handelsplätze, an denen niemand fragt, unter wessen Recht man gerade steht.