Die Aus'Harringer
Die Aus'Harringer bilden das historische Fundament des Königreichs Auwharin. Lange vor der Ankunft der Argitari hatten sich ihre acht ursprünglichen Stämme in den verschiedenen Landschaftsräumen des westlichen Alweidar angesiedelt und unverwechselbare Kulturen entfaltet – von den nebelverhangenen Küsten des Nordstrands bis zu den sturmgepeitschten Ebenen der Sturmfelde. Gemeinsam mit den später hinzugekommenen Argitari, dem "Neunten Stamm", bilden sie heute die Bevölkerung des Königreichs.
Gemeinsame Wurzeln
Trotz ihrer Unterschiede weben die Aus'Harringer-Stämme aus gemeinsamen Fäden: eine tiefe Wertschätzung für handwerkliches Können und praktische Lösungen, eine Verbundenheit mit ihren jeweiligen Heimatlandschaften, die in die Knochen geht. Alter bedeutet Weisheit, und die Ältesten werden mit einem Respekt behandelt, der in den Städten der Argitari selten geworden ist. Loyalität zur eigenen Sippe und zum Stamm fließt wie Blut durch die Adern der Gemeinschaften, während alte Bräuche und mündliche Überlieferungen wie kostbare Erbstücke von Generation zu Generation weitergereicht werden.
Vor dem Einfluss der Argitari praktizierten alle Stämme Varianten der "Alten Pfade" – naturverbundene, animistische Glaubensformen, die in jedem Bach einen Geist und in jedem alten Baum eine Geschichte sahen. Diese Traditionen bestehen heute neben der dominanten Kirche der Himmlischen Heerscharen fort, manchmal im Verborgenen, manchmal offen, immer aber als lebendiger Teil der lokalen Identität.
Die acht Stämme
Bergheim-Stamm
In den südöstlichen Hochländern und Vorbergen der Harrowin-Berge leben etwa 180.000 Menschen vom Erz. Die Bergheimer sind kräftig gebaut, oft dunkelhaarig und wettergebräunt; ihre robuste Lederkleidung trägt Metallbeschläge, die für jeden Kundigen die Zunft ihres Trägers verkünden. Bergbau, Metallverarbeitung und Steinmetzkunst bestimmen den Tag, die rhythmischen Schmiedegesänge geben ihm den Takt, und die großen Steinbauten des Königreichs stammen fast alle aus ihren Werkstätten. Über ihre Klingen sagt ein Sprichwort: "Bergheimer Stahl und Bergheimer Wort – beides bricht niemals." Wer aus Bergheim kommt, zitiert es gern und ohne Ironie.
Eichental-Stamm
Die zentralen Wälder beherbergen etwa 210.000 Menschen, deren Hauptsiedlungen Eichenhain, Grüntal und Waldkrone heißen. Mittelgroß und oft rothaarig, tragen sie grün- und brauntönige Gewänder mit Blattmustern. Holzverarbeitung, Waldwirtschaft und Jagd sind hier keine Berufe, sondern Lebensformen: Ein Eichentaler pflanzt Bäume, die erst seine Enkel schlagen werden, und weiß beim Pflanzen bereits, wofür. Aus dieser Geduld ist die auwharinische Holzarchitektur hervorgegangen, und mit ihr eine Schnitzkunst, deren Muster sich über Generationen kaum verändert haben.
Flusswacht-Stamm
Entlang des Silberflusses und der südlichen Flüsse, in Flusstor, Silbermünde, Quellwacht und Tiefhafen, leben etwa 230.000 Menschen, deren Tag vom Wasserstand bestimmt wird. Schlank und sehnig, mit welligem Haar und schnell trocknender Kleidung in Blau- und Grautönen, sind sie Bootsbauer, Fischer und Flusshändler. Ihre Navigationslieder sind zugleich Merkverse – wer sie kann, kennt jede Untiefe zwischen Quellwacht und der Mündung. Das Flusskartenarchiv in Silbermünde reicht Jahrhunderte zurück und wird von Bootsführern aus allen Stämmen benutzt, die es sich leisten können.
Hügelmark-Stamm
In der westlichen Fjordlandschaft und den hügeligen Küstenregionen – in Schafsberg, Wollfurt und Nebelkap – leben etwa 160.000 Menschen von kompakter Statur, oft blond und hellhäutig. Dicke Wollkleidung mit aufwendigen Stickereien schützt vor Wind und Wetter; Schafzucht, Wollverarbeitung und Küstenfischerei bedeuten das tägliche Brot. Die Webmuster der Hügelmark sind kein Ornament: Jede Familie führt ihre eigene Folge von Bändern und Brüchen, und eine geübte Weberin liest an einem fremden Umhang ab, aus welchem Tal er stammt und wie viele Generationen ihn geschlagen haben.
Nordstrand-Stamm
Die nordwestliche Küste ist die Heimat von etwa 170.000 hochgewachsenen Menschen mit heller Haut und blonden oder roten Haaren, die in Nordstrand, Kalthafen und Robbenbucht den Launen des Meeres trotzen. Ihre wetterfeste Seefahrerkleidung mit Knochenknöpfen und Muschelverzierungen erzählt vom Leben auf dem Wasser, und Hochseefischerei, Navigation und der Handel mit den Lithi prägen ihre Existenz. Als wichtigste Verbindung in die Lithi-Territorien haben sie Karten und Verfahren entwickelt, auf denen die auwharinische Seefahrt bis heute beruht – und eine Wetterdeutung aus Wolkenzug, Vogelflug und Wellenlänge, die in einer schlechten Nacht über Rückkehr oder Nichtrückkehr entscheidet.
Sturmfelde-Stamm
Die südlichen Ebenen und offenen Graslandschaften, wo der Wind niemals schläft, beherbergen etwa 240.000 sehnige, sonnengebräunte Menschen in Windau, Pferdemark und Weitblick. Praktische Reiterkleidung mit Lederelementen und Fransen kleidet sie für ein Leben im Sattel, denn Pferdezucht, Viehwirtschaft und Feldanbau sind ihre Domänen. Die ausdauernden Sturmfelde-Pferde sind ihre Zucht, ihr Ackerbau ernährt weite Teile Auwharins, und ihre Langstreckenläufer tragen Nachrichten dorthin, wo kein Pferd mehr durchkommt – eine Tradition, die als Wettkampf begann und inzwischen einen halben Botendienst des Königreichs stellt.
Finsterwalde-Stamm
In den dichten nördlichen Wäldern am Übergang zum Duottar-Gebirge, wo das Licht nur gefiltert den Boden erreicht, leben etwa 150.000 Menschen in Schattental, Nebelheim und Tannfurt. Mittelgroß, oft dunkelhaarig mit grünen oder grauen Augen, tragen sie Waldkleidung in dunklen Grün- und Brauntönen. Waldkräutersammlung, Jagd und Waldschutz sind ihre Berufung, ausgedrückt in Spurenlesen und Heilkunde. Ihr Wissen über Heilpflanzen und Gifte ist dasselbe Wissen, und sie machen daraus kein Geheimnis – wer bei einem Finsterwalder Heiler in die Lehre geht, lernt beides oder nichts. Hier haben die Alten Pfade ihre stärkste Stellung im ganzen Königreich behalten.
Wolfsthal-Stamm
Rund um den Wolfssee, in Wolfsthal, Seeblick und Handelsruh, leben etwa 200.000 Menschen von vielfältigem Aussehen, oft mit grauen oder blauen Augen. Ihre hochwertige, städtisch anmutende Kleidung spiegelt ihre Rolle als Händler, Diplomaten und Vermittler. Verhandlungskunst, Geschichtenerzählen und Gastfreundschaft sind hier dasselbe Handwerk in drei Ausübungen: Das stammesübergreifende Handelssystem Auwharins ist an ihren Tischen entstanden, und die Formeln, mit denen zwei Stämme einen Streit beilegen, ohne dass einer als Verlierer aufsteht, ebenfalls.
Identität und Zugehörigkeit
Die Stammeszugehörigkeit fließt traditionell durch die väterliche Linie, doch das Leben ist flexibler als Blutsbande vermuten lassen. Frauen wechseln bei der Heirat oft den Stamm, junge Menschen können für eine Ausbildung ihre Heimat verlassen und in einen anderen Stamm eintreten, und formelle Adoptionen öffnen Türen zu neuen Identitäten. Längerfristiger Aufenthalt unter Gästerecht gewährt eingeschränkte Stammesrechte und ermöglicht ein Leben zwischen den Welten.
In der modernen Zeit, besonders in Zeruko Hiri, wo verschiedene Stämme Seite an Seite leben, ist die Stammesidentität oft weniger wichtig geworden als berufliche oder religiöse Zugehörigkeiten. Die alte Ordnung bröckelt nicht, aber sie atmet und passt sich an.
Symbole und Erkennungszeichen
Jeder Stamm trägt seine Identität sichtbar: Hammer und Berg für Bergheim, das stilisierte Eichenblatt für Eichental, Wellenlinien für Flusswacht, Spiralmuster für Hügelmark, den sternförmigen Kompass für Nordstrand, das springende Pferd für Sturmfelde, den Nadelbaum mit Mond für Finsterwalde, den Wolfskopf im Profil für Wolfsthal und den schlanken, spiralförmigen Lichtturm für die Argitari. Diese Symbole schmücken Kleidung, Gebäude und Gebrauchsgegenstände und finden sich in vereinfachter Form in der offiziellen Flagge Auwharins wieder, wo alle neun einander gleichrangig in einem vollen Ring umgeben – neun Feuer, neun Stimmen, kein Symbol größer oder zentraler als ein anderes. In seiner Mitte wacht ein offenes Auge: der wohlwollende Blick des Höchsten Seins, der über allen neun gleichermaßen ruht.
Das Netz der Beziehungen
Die Beziehungen zwischen den Stämmen sind wie ein jahrhundertealtes Gewebe – komplex, manchmal ausgefranst, aber haltbar. Traditionelle Allianzen verbinden Bergheim und Flusswacht in Handelspartnerschaft, Eichental und Finsterwalde im Waldschutz, Nordstrand und Hügelmark in der Küstenverteidigung. Historische Rivalitäten flammen gelegentlich auf – Bergheim und Sturmfelde streiten über Landnutzung, Wolfsthal und Flusswacht konkurrieren im Handel –, doch der Wolfsthal-Stamm dient traditionell als Vermittler, während die Argitari oft als neutrale Schiedsrichter angerufen werden.
Das stammesföderale System und die einigende Kraft der Kirche der Himmlischen Heerscharen haben für Jahrhunderte einen stabilen Frieden gesichert, auch wenn immer wieder historische Spannungen unter der Oberfläche brodeln.
"Neun verschiedene Stimmen, die zusammen ein Lied singen – das ist das Wunder Auwharins. Wir streiten wie Geschwister und stehen zusammen wie eine Familie."
— Stammesältester Halfdan vom Wolfsthal-Stamm